Sa., 26.05.12

Bildungschancen 12.10.2010 Abitur im zweiten Anlauf

Abi im zweiten Anlauf (Foto)
Zurück auf die Schulbank: Der Zweite Bildungsweg lohnt sich vor allem für Menschen, die ein klares Bildungsziel anstreben. Bild: dpa

Es gibt viele Gründe, warum es mit dem Abitur nicht geklappt hat: Schlechte Noten, Faulheit, mangelnde Reife. Doch egal, woran es lag - später ist der Ärger über verbaute Berufschancen oft groß. Zum Glück lässt sich in Deutschland im Erwachsenenalter jeder Schulabschluss nachholen.

Als Erwachsener noch einmal die Schulbank drücken? Das klingt nicht verlockend. Das Nachsitzen kann sich aber lohnen, wenn es in der Schule nicht zum nötigen Abschluss gereicht hat. Denn ohne Abitur stehen der Karriere viele Hürden im Weg.

Maßgeblich für den Zweiten Bildungsweg sind zwei Schularten: «An den Kollegs findet der Unterricht tagsüber und bei den Abendgymnasien abends statt», erklärt Tobias Funk von der Kultusministerkonferenz (KMK). Die Fächer und der Stoff, die gelehrt werden, orientieren sich an den Prüfungsordnungen und Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes. Außerdem gibt es die Möglichkeiten, den Abschluss ortsunabhängig über ein Fernlerninstitut oder ohne Unterricht in einer sogenannten Nichtschülerprüfung nachzuholen.

Wie lange eine Schule besucht werden muss, hängt von den Vorkenntnissen ab. «Ist der Realschulabschluss vorhanden, beträgt die Lehrgangsdauer am Abendgymnasium um die drei Jahre», sagt Bruno Steinberg, Leiter des Abendgymnasiums Aachen. In der Regel werde wöchentlich 20 Stunden an vier bis fünf Abenden gelernt, erläutert das Vorstandsmitglied im Bundesring der Abendgymnasien. Beim Kolleg müssten ebenfalls drei Jahre eingeplant werden - allerdings mit rund 30 Wochenstunden. Wer nur einen Hauptschulabschluss hat, muss bis zum Abitur meist ein Jahr mehr einrechnen.

Die Voraussetzungen für einen Besuch der Abendschule oder des Kollegs sind überschaubar. Bewerber müssen in der Regel mindestens 19 Jahre alt, berufstätig oder arbeitssuchend gemeldet sein. «Außerdem muss man entweder eine abgeschlossene Ausbildung oder eine zwei- oder dreijährige Berufstätigkeit nachweisen», ergänzt Steinberg. Dabei könnten Phasen der Arbeitslosigkeit angerechnet werden.

Wer soll das bezahlen?

Selbst wenn es eine gute Investition in die eigene Zukunft ist, den Abschluss nachzuholen, dürfen Bewerber nichts überstürzen. Vorab ist zu fragen: Wie finanziere ich das? Bin ich diszipliniert genug, um meinen Alltag neu zu organisieren? Kann ich das Lernen wieder lernen? Dabei kommt es darauf an, sich realistisch einzuschätzen. Wer sich überschätzt, scheitert schnell - und ist dann enttäuscht. «Deshalb sollte man sich im Klaren sein, wo die persönlichen Leistungsgrenzen liegen», sagt Funk.

Um das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu finanzieren, kann elternunabhängiges Bafög beantragen werden. Besteht keinen Anspruch darauf oder reicht diese Förderung nicht aus, gibt es noch den Bildungskredit. Er wird Volljährigen gewährt, die bereits einen Berufsabschluss haben. Darüber hinaus gibt es Stipendien. «Die werden an Schüler des Zweiten Bildungsweges jedoch eher selten vergeben», sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit.

Für den Unterricht im zweiten Bildungsweg muss meistens nicht gezahlt werden. «In der Regel handelt es sich um öffentliche Schulen, die nichts kosten», erklärt KMK-Experte Tobias Funk. Ausnahmen seien denkbar, wenn eine Volkshochschule oder ein privates Institut die Kurse anbietet. Auch wer von zu Hause aus das Abi bei einem privaten Fernlerninstitut machen will, muss für die Materialien und die Betreuung durch die Dozenten zahlen.

Da der Zweite Bildungsweg eine regelmäßige Alltagsbelastung über mehrere Jahre mit sich bringt, sollten Schüler genau wissen, wofür der ganze Aufwand gut ist. «Wenn eine Krankenschwester das Abitur machen möchte, um Medizin zu studieren, weiß sie genau, wo sie hin will», gibt Funk ein Beispiel. Unabhängig vom angestrebten Schulabschluss gelte: «Es ist wichtig, ein klares Ziel zu haben.»

sua/ham/news.de/dpa
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Lil
  • Kommentar 2
  • 28.12.2010 17:17
 Antwort auf Kommentar 1

"gibt es noch jede Menge weitere, insbesondere im beruflichen Bildungswesen, die sogar schneller zum Abitur führen als das Kolleg oder Abendgymnasium!" Ich habe mit Interesse Ihr Kommentar gelesen, kann aber daraus nicht entnehmen welche Möglichkeiten das sind. Mein Sohn ist 21 und möchte so schnell wie möglich sein Abitur nachholen. Könnten Sie mir dazu mehr Informationen geben? Vielen Dank.

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  • Chrischiiii
  • Kommentar 1
  • 12.10.2010 23:52
 

Schade, mit http://www.abi-nachholen.de vermisse ich eine Erwähnung der größten Anlaufstelle im Bereich Abitur nachholen/ZBW im Internet ;-) Neben den hier genannten, ich sage mal klassischen Wegen, gibt es noch jede Menge weitere, insbesondere im beruflichen Bildungswesen, die sogar schneller zum Abitur führen als das Kolleg oder Abendgymnasium! Förderung nach Bafög ist dort auch drin. Ansonsten wäre eine Erwähnung des dritten Bildungswegs noch ratsam, denn nicht selten brauchen beruflich Qualifizierte fürs Studium gar keine schulische HZB mehr nachzuholen!

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