Sa., 26.05.12

Krieg in Mexiko 10.10.2010 Nobelpreisträger fordert Legalisierung aller Drogen

Mal wieder wurden Drogen beschlagnahmt, die Einsatzkräfte sind schwerbewaffnet: Alltag in Mexiko. (Foto)
Mal wieder wurden Drogen beschlagnahmt, die Einsatzkräfte sind schwerbewaffnet: Alltag in Mexiko. Bild: dpa

Von Franz Smets und Hubert Kahl

Der Drogenkrieg in Mexiko wird immer blutiger, die Regierung hat die Kontrolle verloren. Jetzt sprechen sich Politiker und Prominente für eine Legalisierung aus - unter ihnen der frischgebackene Literaturpreisträger Mario Vargas Llosa.

Der anhaltende Krieg der mexikanischen Regierung gegen die Drogenkriminalität hat in Lateinamerika eine Diskussion über die Legalisierung von Rauschgift in Gang gesetzt. Fast 30.000 Opfer hat der Krieg seit Dezember 2006 gefordert, seit Präsident Felipe Calderón die Streitkräfte gegen die organisierte Kriminalität mobilisierte. Dieser Kampf sei nicht zu gewinnen, meinen Politiker, Juristen und Intellektuelle.

«Der Drogenkrieg ist gescheitert», stellten die Ex-Präsidenten von Brasilien, Kolumbien und Mexiko, Fernando Henrique Cardoso, César Gaviria und Ernesto Zedillo, schon 2009 in einer gemeinsamen Erklärung fest. «Von einer Ausmerzung der Drogenkriminalität sind wir weiter entfernt als je zuvor.» Die drei Ex-Staatschefs plädierten dafür, im Rahmen einer neuen Strategie Haschisch und Marihuana zu legalisieren.

Mario Vargas Llosa ging noch einen Schritt weiter. Der peruanische Schriftsteller, der am Donnerstag den Literatur-Nobelpreis zugesprochen bekam, rief dazu auf, die Drogen generell zu legalisieren. «Dies ist die einzige Lösung», meinte der Autor, der alles andere als ein Revolutionär ist und sich selbst als Liberalen einstuft. «Der Drogenschmuggel kann nicht mit militärischen Mitteln besiegt werden. Es wird ihn geben, solange es Abnehmer von Rauschgift gibt.»

Spanien wichtigstes Einlasstor für Kokain aus Lateinamerika

Die Bewegung für ein Umdenken in der Anti-Drogen-Politik hat mittlerweile auch in Europa Fuß gefasst. In Spanien sprach sich der Ex-Regierungschef Felipe González dafür aus, den Drogenkonsum weltweit zuzulassen. «Die internationale und organisierte Kriminalität ist eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit», sagte der sozialistische Politiker. «Das gilt für die ganze Welt, nicht allein für Mexiko.»

Spanien ist in Europa das mit Abstand wichtigste «Einlasstor» für Kokain aus Lateinamerika und Haschisch aus Marokko. Der Forderung nach einer Legalisierung schloss sich auch die spanische Polizeigewerkschaft SUP an. «Mit einer Freigabe würde den Mafia-Banden der Boden entzogen, die Süchtigen müssten für die Beschaffung von Rauschgift keine Verbrechen begehen, und in den Gefängnissen würden 40 Prozent der Betten frei», meinte SUP-Chef José Manuel Sánchez.

In Mexiko ist die Bilanz der Regierung nach fast vier Jahren Drogenkrieg eher ernüchternd: Ende September berichtete der für Sicherheitsfragen zuständige Sprecher des Präsidentenamtes, zwischen Juni und August seien im Durchschnitt täglich 49 Menschen getötet worden. Im September sei die tägliche Todesrate auf 36 zurückgegangen. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Regierung der organisierten Kriminalität schwere Schläge zugefügt und einige ihrer Führungsfiguren ausgeschaltet habe.

Ex-Präsident Fox skeptisch

Kritiker ziehen jedoch selbst diesen bescheidenen Erfolg in Zweifel und fordern ein Umdenken. Dazu gehören unter anderem Ex-Präsident Vicente Fox, der ehemalige Außenminister Jorge Castañeda oder der Ex-Regierungssprecher Rubén Aguilar. Sie treten für eine Legalisierung von Marihuana ein, nicht aber von Kokain oder synthetischen Drogen.

Dass die Forderung nach einer Legalisierung in absehbarer Zeit umgesetzt wird, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Für eine Freigabe der Drogen machten sich bislang nämlich nur ehemalige Präsidenten oder Regierungschefs stark. Politiker, die in Amt und Würden sind, wagen sich an das Thema nicht daran, weil es ihnen zu heikel ist. «Wir haben es bislang noch in keinem Land der Welt erlebt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Freigabe ist», sagte der Rechtsexperte Brendan Hughes von der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle der Zeitung El País. «Überall sind die Anhänger einer Legalisierung nur eine kleine Minderheit.»

jag/iwi/news.de/dpa
Leserkommentare (10) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Sailor
  • Kommentar 10
  • 17.10.2011 12:28
 

Why do I bteohr calling up people when I can just read this!

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  • Sonex Bardo
  • Kommentar 9
  • 15.12.2010 09:37
 

3 mal mehr Menschen sterben von legalen Drogen als illegalen Drogen. In Holland gibt es weniger Kannabis Konsumenten und viel weniger Benutzer von harten Drogen als in den USA. Der Verbot von Alkohol in den 20er Jahren führte zur einer Erhöhung des Konsums, Verbrechen und Gewalt. Der Staat hat kein recht auf meinen Leib. Millionen sterben jedes Jahr durch Alkohol und Tabak jedoch nicht einer ist bisher an der Konsumption von Kannabis allein gestorben.

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  • brainthink
  • Kommentar 8
  • 25.10.2010 22:59
 Antwort auf Kommentar 7

Ach, Timo, du bist ja schnuckelig. Wer hat gesagt, dass ich weltoffen bin? Und was hat weltoffen mit Drogenlegalisierung zu tun? Das weisst wohl nur du. Egal. Es mag sein, dass dieser Mann nicht der Einzige ist, der so denkt. Und deshalb hat er Recht? Ist die Bildzeitung eine gute Zeitung, nur weil sie viele lesen? Lt. deiner Theorie wohl schon. Und apropos Fakten: es mag auch sein, dass der Drogenkrieg in Mexiko schon viele Opfer gekostet hat. Rechne doch mal, wieviel Menschenleben es auf Dauer kosten würde, wenn man harte Drogen freigibt. Falls du soweit rechnen kannst.

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  • Timo
  • Kommentar 7
  • 14.10.2010 21:05
 Antwort auf Kommentar 6

Wenn man keine keine Ahnung hat... Dieser Mann ist nicht der Einzige der so denkt, vll. sollten Sie sich mit diesem Thema erst einmal beschäftigen um eine Aussage darüber abzugeben! Aber da redet man wohl gegen eine Wand, so tun also wäre man Weltoffen und dann bei so einem Thema über jegliche Fakten hinwegsehen. Armes Deutschland...

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  • brainthink
  • Kommentar 6
  • 10.10.2010 22:03
 

Friedensnobelpreisträger sind eben auch nur Menschen und daher fehlbar. Für diesen geistigen Quark müssten ihm die Million allerdings gleich abgezogen werden. Alkohol und Nikotin sind zwar auch im dem Sinne Drogen, doch es gehört schon eine Menge Dämlichkeit dazu, sich damit sofort umzubringen; zumal Alkohol im begrenzten Maße nicht abhängig macht.

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  • Nick
  • Kommentar 5
  • 10.10.2010 15:28
 

Es scheint sich noch nicht bei allen Leuten herumgesprochen, daß die meisten Drogen kaputtmachen, und zwar geistig und körperlich. Die Strategie dahinter ist, Leute abhängig machen und damit Geld verdienen. Und zum Schluß soll die Solidarität, sprich die Gemeinschaft, die Suppe auslöffeln. Leute geistig zu amputieren, ist als ein Verbrechen einzustufen. Die Treppe müßte hier von ganz weit oben gekehrt werden. Jeder, der dieses Treiben nicht sehen will bzw. begünstigt, verhält sich ebenfalls verbrecherisch.

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  • Michel1966
  • Kommentar 4
  • 10.10.2010 14:59
 Antwort auf Kommentar 2

Die Aussage dass keine Umfragen durchgeführt werden ist ziemlich seltsam. Sollen alle Bürger an eine Urne und dort ihren Wahlzettel einwerfen ? Die Ergebnisse ergeben sich aus den Zahlen die ermittelt werden. Solange die Kriminalitätsrate nicht steigt, es keine Petitionen diesbezüglich gibt und die Zahl der Kranken durch Drogensucht nicht steigt, braucht man keine Umfrage. Ansonsten kann man im Internet massenweise Statistiken lesen - z.B. hier: http://www.emcdda.europa.eu/events/2009/annual-report

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  • Michel1966
  • Kommentar 3
  • 10.10.2010 14:52
 Antwort auf Kommentar 2

Hier ligt der Kitzel nicht im verbotenen, sondern darin MASSENHAFT Geld zu verdienen. Die Verlierer sind die Süchtigen. Eine Legalisierung würde zumindest den kriminellen Aspekt minimieren. Aber die Zahl der Süchtigen würde sicherlich steigen. Was wiederum weitere Kosten für die Gesellschaft bedeutet. Die Idee ist nicht schlecht, aber die Folgen sollte man dabei genau bedenken.

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  • Rupert
  • Kommentar 2
  • 10.10.2010 14:21
 

Wie kann jemand behaupten, nur eine Minderheit der Bevölkerung sei für eine Legalisierung, ohne überhaupt eine Debatte mit Aufklärung über für + wider geführt zu haben? Geschweige denn, überhaupt breite Umfragen durchgeführt zu haben? Dass sich die Zuständigen lieber in die Hosen machen, als ein Risiko einzugehen - "no risk, no fun" - ist ja klar. Man kann das täglich beobachten! Mario Vargas Llosa findet meine volle Unterstützung mit seinen Gedanekn: Es sind auch meine! Nicht zuletzt, weil eben auch gerade im Verbotenen der Kitzel zum Tun liegt.

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  • drogenverfall
  • Kommentar 1
  • 10.10.2010 11:18
 

traurig,traurig aber wahr!Jetzt ist es offensichtlich was wir auf dieser Welt für eine Gesellschaft haben, abhängige Gesellschaft.Was das bedeutet ist schlimmer als Krieg, das bringt den sozialen Zerfall.sex drugs und rock en roll das war die Parole.Es sind viele ELTERN DARUNTER!!!!!!!!!!

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