Sa., 26.05.12

Erstsemester-Hilfe 07.10.2010 So sieht ein guter Stundenplan aus

Der richtige Stundenplan (Foto)
Erstsemester in der Vorlesung: Der Weg hierhin ist oft schwierig. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff

Wenn jetzt das Wintersemester an den deutschen Universitäten startet, beginnt für rund 400.000 Studienanfängerder Hochschul-Alltag. Auf sich allein gestellt scheitern viele Erstsemester schon an der ersten Aufgabe: dem Stundenplan.

Bei den chaotischen Erstis haben sich zwei Typen heraus kristallisiert: Die einen, die ihren Stundenplan völlig mit Kursen überfrachten. Die anderen hingegen blicken überhaupt nicht durch, welche Seminare sie belegen müssen – geschweige denn wie sie sich einschreiben sollen.

Eines ist beiden Typen gleich, die große Unsicherheit. Lina Taute vom Fachschaftsrat Grundschulpädagogik der Universität Rostock kennt das Problem. Seit mehreren Semestern ist sie Ansprechpartnerin für die Neuankömmlinge. Hauptsächlich geht es um die Stundenpläne. «Da kommen Leute, die wissen eine Woche vor dem Vorlesungstermin nicht, wie man sich einschreibt», erzählt Taute. Schritt für Schritt erklärt sie dann, wie die Erstis sich erfolgreich im Online-System der Uni anmelden.

Vor allem bei den Stundenplänen herrscht Beratungsbedarf. Die Hilfe von Taute und ihren Kommilitonen ist oft bitter nötig. «Es gibt so ein paar Kurse, die muss man im ersten Semester belegen, sonst darf man den Aufbaukurs im nächsten nicht besuchen. Da wird der Rest drumherum gelegt», erklärt Lina. Ihre Erfahrung: Studienanfänger können den Lernaufwand für die Uni nur schlecht einschätzen.

Nicht wie in der Reli-Stunde

Der Irrglaube: Die Zeit, die sie im Stundenplan vermerken, entspricht der gesamten Zeit des wöchentlichen Studiums. Dabei übersehen sie leicht, dass ein Seminar anders vorbereitet werden muss als die Religionsstunde am Gymnasium. Studieren heißt: Texte lesen, Referate vorbereiten, für Prüfungen lernen. Das bedeutet, dass 90 Minuten Seminar die gleiche Zeit an Vor- und Nachberatung mit sich bringen.

Das ist die Theorie, die Realität sieht anders aus. Der Hamburger Bildungsforscher Professor Rolf Schulmeister hat untersucht, wie viel Aufwand BachelorstudentenBachelor ist der einheitliche internationale Hochschulabschluss, mit einer Regel-Studienzeit von drei Jahren. pro Semester für ihre Unikarriere aufbringen. Dabei kam er zu überraschenden Ergebnissen: Der Durchschnitt liegt bei nur 26 Stunden Arbeit pro Woche. Dabei hat Schulmeister sogar Nebenjobs mit eingerechnet. Der Aufwand für ein Bachelorstudium in Deutschland wurde mit etwa 1800 Stunden berechnet, bei sechs Semestern Studium und sieben Wochen Urlaub im Jahr kämen Studenten damit auf eine 40-Stunden-Woche. Ein zumutbarer Wert, wie er und seine Studienkollegen finden.

Chaotische Bologna-Reform

Jedoch lassen sich diese 40 Stunden in der Uni-Realität nur schwer organisieren. Es liegt an den Rahmenbedigungen. Die unstrukturierte Umsetzung des Bologna-Prozesses1999 wurde eine Reform des gesamten europäischen Hochschulsystems bis zum Jahr 2010 beschlossen. Ziel war die Schaffung der international gültigen Abschlüsse Bachelor und Master. Die Umsetzung der Beschlüsse verlief an den meisten deutschen Universitäten chaotisch. wirkt sich negativ auf auf den Uni-Alltag aus. Die Folge: Die Stundenpläne sind oft völlig zerstückelt. Vorlesungen und Seminare verteilen sich bunt über die gesamte Woche, die Pausen dazwischen sind zum Lernen zu kurz.

Facebook und «Bulimie-Lernen»

Das verleitet die Studenten dazu, die Zeit anderweitig zu nutzen: Bei Facebook oder mit Freunden in der Cafeteria. Sie fangen erst an zu lernen, wenn die Prüfungen bevorstehen, hat Schulmeister festgestellt. Diese häufen sich meist gegen Ende des Semesters. Besonders die Studienanfänger geraten in ihrer ersten Prüfungsphase schnell in Panik. Sie sitzen bis spät in die Nacht in der Bibliothek und büffeln wie verrückt, um irgendwie die Tests zu überstehen. Schulmeister nennt das «Bulimie-Lernen».

Gut geplant ist halb gewonnen

Ein guter Stundenplan schon zu Beginn des Semesters kann hingegen Wunder wirken. Lina Taute rät den Studienanfängern: «Das wichtigste ist Ruhe zu bewahren.» Niemals sollten junge Studenten anfangen, sich wie wild in Kurse einzuschreiben, aus Angst, etwas zu verpassen. «Immer fragen, wenn man nicht weiter weiß. Egal wen: Fachschaftsrat, Dozenten oder die Zentrale Studienberatung», erklärt die 27-Jährige. Die angehende Lehrerin empfiehlt den Erstis, einen Stundenplan mit ungefähr zehn Veranstaltungen. Das sind 15 Stunden reine Uni-Zeit plus der gleichen Vor- und Nachberatung. Weniger ist jedoch schlecht, denn fehlende Seminare müssen in den kommenden Semestern aufgeholt werden.

Nicht einschüchtern lassen

Erstis sollten sich außerdem nicht von älteren Kommilitonen einschüchtern lassen, wenn es zum Beispiel um einen Platz im Seminar geht. Denn auch Neuankömmlinge haben das gleiche Recht wie ältere Semester. «Das Wichtigste, ist niemals das Ziel aus den Augen zu verlieren.» Das sei nicht das Studium, sondern der Beruf danach. «Ich will zum Beispiel eine gute Grundschullehrerin werden», sagt Lina. Ein ähnliches Ziel sollten sich die von ihr beratenen Erstsemester auch setzen. Auch wenn es weit entfernt scheint: Ein guter Stundenplan ist der erste Schritt in diese Richtung.

sgo/news.de
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