Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Ohne die Online-Welt hätten Shantu und sein Freund Aleks es wohl nie auf 50.000 Anhänger gebracht: Die sorgen dafür, dass die zwei Berliner kurz davor stehen, als erstes Homo-Paar in der Luft zu heiraten. Ein flockiger Triumph für die Schwulenbewegung.
Alle wollen Aleks und Shantu: Die beiden Designer sind die gemeinsame Erfolgsstory von Schwulenbewegung und Web 2.0. Die Zutaten sind aber auch perfekt bei den Jungs. Aleks und Shantu sehen gut aus, können gut reden und sind Profis in Sachen Marketing. Sie haben diesen einnehmenden schwulen Touch, ohne überkandidelt rüberzukommen, und kämpfen für die Rechte der Homosexuellen, ohne verkrampft zu wirken.
Das kommt an. 50.000 Menschen haben schon ihre Stimme dafür abgegeben, dass Aleks und Shantu die beiden ersten Homosexuellen sein sollen, die in der Luft heiraten. «Wildfremde Menschen sind uns um den Hals gefallen, auch Heterosexuelle haben total viel Spaß an der Aktion», sagt Aleks. Die meisten ihrer Anhänger kennen die beiden Jungs allerdings nicht persönlich. «Wenn ich 50.000 Freunde hätte, bekäme ich ganz schön viele Geschenke zum Geburtstag», scherzt Shantu.
Aber Zuneigung ist inzwischen virtuell geworden und lässt sich auch durch «Gefällt mir»-Buttons ausdrücken, Zustimmung durch einen Klick auf den «Vote»-Knopf bekunden. Für Aleks und Shantu hat der übrigens die Form einer Boarding Card, bei der man virtuell den Schnipsel abreißt. «Wenn es irgendjemanden auf der Welt gibt, der verdient hat, diese einmalige Hochzeit zu gewinnen, sind es Aleks und Shantu. Sie sind ein wirklich inspirierendes Paar. Wählt Aleks und Shantu», sagt eine Frau in einem der YouTube-Videos, mit denen die beiden für sich werben. Sie haben es aus vielen kleinen Video-Schnipseln gebastelt, mit denen die Web-2.0-Lawine Fahrt aufnimmt.
Nach zwei Jahren Dubai reizt der Superlativ
Noch sitzen Shantu und Aleks am Boden, in ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg, und managen Plan A: die Hochzeit über den Wolken. Der Schneeball kam ins Rollen, als Shantu Aleks im Büro anrief und ihn auf die Seite der schwedischen Fluglinie SAS schickte. Auf einem Flug von Stockholm nach New York will die Airline das erste homosexuelle Paar der Welt in der Luft trauen lassen. Ein Superlativ, der die beiden sofort gereizt hat. Schließlich haben sie zwei Jahre lang in Dubai gelebt. «Da bestand unser Leben aus Superlativen. Das höchste Gebäude, das goldenste Auto ... nach zwei Jahren hat uns das gereicht, aber jetzt haben wir auch mal wieder Lust darauf», sagt Aleks.
Er und sein Verlobter sind das einzige deutsche Paar unter den besten 100 in dem SAS-Voting und halten sich standhaft auf Platz 1. Die Entscheidung fällt am 10. Oktober um 23.59 Uhr. Aber heiraten wollen Aleks und Shantu sowieso. Am 24. Dezember 2008 hat Aleks seinem Freund den Antrag gemacht, mit Ringen, «ganz romantisch», sagt Shantu. Für die Telefon-Konferenz ist er in ein anderes Zimmer der Wohnung gegangen, damit es keine Rückkopplung gibt.
Jetzt erzählen die beiden ohne Punkt und Komma. «Unsere Message ist: Wir lieben uns seit über sieben Jahren und wissen seit langem, dass wir den Rest unseres Lebens zusammenbleiben wollen. Naja, wissen kann man es nie, aber wir wollen es besiegeln. Und es ist uns wichtig, dass wir der Öffentlichkeit ein Symbol zeigen für Gleichheit. Das wollen wir zelebrieren, ohne eine politische Botschaft zu geben», erklärt Shantu.
Die Message ist flockig, aber der Hintergrund durchaus ernst. Die beiden sind sich voll bewusst, dass sie bei einer Werbeaktion mitmachen, und an der Gratwanderung arbeiten sie gerade Fulltime. Ihre Design-Agentur pausiert, doch nach der Aktion werden sich die beiden vor Aufträgen wohl kaum retten können.
Als peinliche, schrille Persönlichkeiten möchten sich Aleks und Shantu nicht ausschlachten lassen. Dass Schwule von den Medien aber gerne so dargestellt werden, haben sie auch zu spüren bekommen. «Ein Freund beim Fernsehen hat mir gesagt, schwule Themen sind inzwischen Wegschalt-Themen für die Leute, wenn du nicht peinlich bist», erzählt Shantu.
Schwarzer Smoking beim Ja-Wort
Extrovertiert sind sie, aber statt peinlich eher clever. Dass sie mit ihrem Spaß-und-Liebe-Stil die Leute besser für ihr Anliegen gewinnen können als mit erhobenem Zeigefinger, haben sie schnell bemerkt. «Über die positive Schiene kommt der Gedanke von Freiheit und Gleichheit besser bei den Menschen an», sagt Shantu, und fügt hinzu: «Auch bei Leuten, die nicht sensibel sind für die politische Dimension. Das hat einen emotionalen Effekt.»
Trotzdem sprechen sie beide viel über Politik und Rechte, aber gegen ihre positive Stimmung kommt derzeit nichts an. Dass Deutschland trotz seiner Vergangenheit zu den liberalsten Ländern in Sachen Homosexualität gehört, beeindruckt sie. «Man muss bedenken, dass es erst wenige Jahrzehnte her ist, dass es überhaupt legal ist. Natürlich brauchen wir noch einige detaillierte Gesetze, um wirkliche Gleichberechtigung zu haben. Aber wir sind in einem guten Prozess», findet Aleks.
Wie so ein Prozess funktioniert, haben sie in Dubai nur zu gut beobachten können. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Homosexualität strafbar. Aber auch dort gibt es eine Subkultur, die dank des Internets ein Forum hat. «Das Internet ist schwul!», sagt Shantu. «Es existiert eine Schattengesellschaft, die immer mehr raustritt.»
In einer Sache aber wollen auch die beiden Partymacher klassisch bleiben: Schwarzen Smoking wollen sie tragen. Im Flugzeug zwischen Stockholm und New York, am 6. Dezember. Das ist Plan A. Und Plan B? «Gibt's nicht», behauptet Alex, aber Shantu erklärt aus dem Nebenraum, dass sie im Mai heiraten wollen, falls es nicht klappt mit der Hochzeit über den Wolken. Am 29., «weil da unsere Beziehung vor mehr als sieben Jahren begonnen hat.»
Wollen auch Sie Aleks und Shantu unterstützen? Hier geht's zur Boarding Card.
iwe/reu/news.de
Hallo RAGNAROEKR, jedem Menschen wurde sein freier Wille zugestanden. Es gibt ja auch Menschen, die sich von einem Ziegenarsch erregen lassen. Jedem das Seine.
jetzt antwortenKommentar meldenDas ist jetzt der wichtigste Artikel des Jahrtausends ein schwules Paar, wird aber schwer überschätzt. In Deutschland wird nur noch die extreme Abnormalität hochgejubelt.
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