Am Mittag hat der Fluss einen Deich brechen lassen, allerdings ist bisher nur Ackerland betroffen. Trotzdem wächst die Sorge. Die hohen Pegel könnten bis zum Wochenende anhalten. Halten die alten Deiche?
Beim Hochwasser in Brandenburg zeichnete sich auch am Donnerstag keine Entspannung ab. Der aus Sachsen kommende Hochwasserscheitel mehrerer Flüsse erreichte den Landessüden und bewegte sich flussabwärts. «Wir sind gut über die Nacht gekommen, und die Deiche in Elsterwerda haben gehalten», sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings bereitet der mehrtägige Druck auf die Dämme den Fachleuten immer mehr Sorgen.
Die hohen Wasserstände könnten noch bis zum Wochenende anhalten, sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt in Cottbus. Die Pegelstände in den Landkreisen Spree-Neiße, Oberlausitz-Spreewald und Elbe-Elster bewegten sich zwischen der höchsten Alarmstufe A 4 und der Stufe A 3.
Auch im Westen Polens bleibt die Situation angespannt. Die Flutwelle auf der Lausitzer Neiße traf inzwischen Gubin und seine Umgebung. In der Stadt an der Grenze zu Deutschland seien 14 Straßen durch Grundwasser unterspült worden, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. Der Fluss stieg am Donnerstagnachmittag auf 6,17 Meter, das waren nur 12 Zentimeter weniger als bei der Flut im August.
Lage in Sachsen entspannt sich
Unterdessen entspannte sich die Lage in Sachsen. Noch sei aber nicht abzuschätzen, welche Folgen die Überflutung von Feldern in der Landwirtschaft haben wird, sagte der Landrat des Kreises Görlitz, Bernd Lange (CDU). Das Hochwasser erreichte auch den Landkreis Oder- Spree. Im Quellgebiet der Oder und ihren Nebenflüssen hatten langanhaltende Niederschläge der vergangenen Tage zu steigenden Wasserständen geführt.
Deutschland braucht nach Ansicht der brandenburgischen Umweltministerin Anita Tack (Linke) dringend einen nationalen Plan zum Hochwasserschutz. «Es ist höchste Eisenbahn», sagte sie der dpa. Auf der nächsten Umweltministerkonferenz der Länder Mitte November werde sie dies Thema nochmals thematisieren. «Wir müssen die Prävention verbessern und mehr abstimmen», betonte Tack.
Für Elsterwerda und Bad Liebenwerda wurden unterdessen stagnierende Wasserstände der Schwarzen Elster von rund 3,50 Meter gemeldet, das ist doppelt so hoch wie sonst. Derweil stieg der Pegelstand in dem flussabwärts gelegenen Herzberg weiter leicht an und lag Donnerstagmittag bei 3,65 Meter.
Viele Dämme sind Jahrezehnte alt
In der Nähe der Ortschaft Meuselko (Sachsen-Anhalt) hatte am Donnerstag ein Deich an der Schwarzen Elster dem Druck der Wassermassen nachgegeben. Das Wasser floss allerdings in eine Wald- und Wiesenlandschaft, so dass Menschen nicht in Gefahr waren.
«Die Dämme der Schwarzen Elster sind viele Jahrzehnte alt», sagte ein Sprecher des Katastrophenstabes in Herzberg. Der Wasserdruck habe mehrere Sickerstellen verursacht, die nur mit großem Einsatz repariert werden konnten.
Von der am Mittwoch eingeleiteten freiwilligen Evakuierung in der Innenstadt von Elsterwerda waren nach Angaben des Katastrophenstabes etwa 2700 Personen betroffen. «Wir wissen aber nicht, wie viele Bewohner ihre Wohnungen verließen und wann sie wieder zurückkehren können», sagte der Sprecher. «Wegen der angespannten Lage können wir noch keine Entwarnung geben.»
Mehr als 100 Patienten eines Krankenhauses wurden in andere Kliniken gebracht. Vorsorglich für etwa 500 Bewohner eingerichtete Notunterkünfte seien nicht genutzt worden. In dem Landkreis blieben 16 Schulen gesperrt. Einige von ihnen sollen am Freitag wieder öffnen.
Etwa 1000 Einsatzkräfte vor Ort
Rund 1000 Einsatzkräfte befestigten im Landkreis Elbe-Elster gefährdete Deichabschnitte. Sie verbauten bisher rund 500.000 Sandsäcke. Im Kreis Spree-Neiße sicherten rund 350 Mitarbeiter der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes, der Polizei sowie Bewohner die Dämme. Bisher wurden 131.000 Sandsäcke verbaut. Im Gewerbegebiet des Dorfes Lausitz bei Bad Liebenwerda wurden eine Sandsackfüllanlage sowie ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet.
An der Talsperre Spremberg wird zur Entlastung der Spree wieder wie beim Hochwasser im August kontrolliert Wasser abgelassen. Die Menge wurde schrittweise auf 65 Kubikmeter pro Sekunde erhöht. Das ist fast das Zehnfache wie zuvor. Wegen Bauarbeiten floss das Wasser bis Mittwoch durch eine Rohrleitung ab.
Die Autobahn A 13 ist bei Ortrand an der Landesgrenze zu Sachsen in Richtung Dresden wieder befahrbar. Allerdings bleibt die Fahrbahn in Richtung Berlin nach Polizeiangaben wegen Überschwemmung zwischen dem sächsischen Schönborn und Ortrand gesperrt, dort gibt es eine Umleitung. Die überflutete Bundesstraße B 169 zwischen Lauchhammer und Plessa ist wieder für den Verkehr frei.
iwi/jag/news.de/dpa