Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Noch nie stand das Wasser der Schwarzen Elster so hoch in Elsterwerda. Teile der Stadt in Südbrandenburg wurden evakuiert. Doch die Angst vor einem Deichbruch wächst: Ein Journalist aus Elsterwerda schildert den Tag.
Nur sieben Wochen nach dem Hochwasser an Spree und Neiße herrscht in Brandenburg wieder Katastrophenalarm. Die Innenstadt von Elsterwerda ist am Nachmittag geräumt worden, 2500 Menschen sind von der Evakuierung betroffen. Noch nie stand der Pegel der Schwarzen Elster so hoch. Das Wasser in dem eher kleinen Fluss war auf rund 3,50 Meter angestiegen, normal ist die Hälfte. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bezeichnete das Hochwasser als das bislang schlimmste des Jahres. «Die Situation bereitet mir Sorgen», sagte er.
Der Journalist Frank Claus berichtet für die Lausitzer Rundschau aus Elsterwerda - auch am Tag des Rekord-Pegels. Bedrohlich werde es für die Stadt in den frühen Morgenstunden, sagt Claus im news.de-Interview:
Herr Claus, wie ist die derzeitige Situation in Elsterwerda?
Frank Claus: Sehr angespannt. In Elsterwerda fließt die Schwarze Elster mitten durch die Stadt, und sie ist randvoll. Deshalb wurden vorsorglich Evakuierungen begonnen. Die flussnahen Schulen wurden geräumt, dort fällt der Unterricht auch am Donnerstag aus.
Wer wurde denn noch evakuiert?
Claus: Das Krankenhaus in Elsterwerda wird komplett geräumt, 150 Patienten wurden nach Finsterwalde und Herzberg verlegt. Weiterhin sind es vor allem die älteren Bewohner, die in besonders gefährdeten flussnahen Bereichen leben und aufgefordert wurden, zu Bekannten oder Verwandten in höher gelegene Lagen zu ziehen.
Welche Stimmung spüren Sie, wenn Sie durch die Stadt gehen?
Claus: Es herrscht eine gespenstische Ruhe. Viele Menschen fühlen sich an das Hochwasser im Jahr 2002 erinnert. Geschäftsleute haben schon am Nachmittag geschlossen, um selbst zu helfen. In umliegenden Dörfern hat die Feuerwehr per Lautsprecher die Bewohner aufgefordert, bei der Befüllung der Sandsäcke zu helfen. Das ist sofort umgesetzt worden, innerhalb von zehn Minuten waren die Leute vor Ort.
Wie haben Sie diesen Tag erlebt, an dem die Schwarze Elster ihren Rekord-Pegel erreichte?
Claus: Seit Dienstagabend sind Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk im Dauereinsatz, allein 600 Kameraden der Feuerwehr. Viele Einwohner sind an den Fluss gekommen, um den Pegel zu sehen. Wir hatten den ganzen Tag über Sirenen und Einsatzfahrzeuge in der Stadt. Um 16 Uhr fuhren die Lautsprecherwagen durch die Straßen, um die Anwohner zur Evakuierung aufzufordern.
Wie wird die Nacht?
Claus: Die Behörden gehen davon aus, dass das Wasser noch ein Stück steigt. Der Fluss ist jetzt schon bis zur Oberkante voll, der Damm ist weich. Die Situation könnte in der Nacht zum Donnerstag noch viel bedrohlicher werden. Mal sehen, ob der Damm das aushält.
iwi/news.de/dapd