So hoch stand das Wasser in Brandenburg noch nie. Nun finden erste Evakuierungen statt: 2500 Menschen müssen in der Innenstadt von Elsterwerda ihre Häuser verlassen. Es ist das vierte Hochwasser im Jahr - die Wassermassen können nicht mehr aufgenommen werden.
Wegen des Hochwassers werden in der südbrandenburgischen Stadt Elsterwerda Teile der Innenstadt seit heute Nachmittag geräumt. Das habe der regionale Katastrophenstab angeordnet, teilte das Potsdamer Innenministerium mit. Demzufolge sind rund 2500 Menschen betroffen.
Die rund 640 Schüler des Elsterschloss-Gymnasiums in Elsterwerda waren am Morgen die ersten, die evakuiert wurden. Ihr Schul-Schloss liegt unmittelbar am Wasser. Kurz vor 10 Uhr ging Schulleiter Martin Göbel durch die Klassen und forderte die Schüler und Lehrer auf, das Gebäude zu verlassen.
Die neue Flut in Brandenburg hat nach Angaben des Landesumweltamtes an der Elster einen Rekordwert erreicht. «Das ist kein gewöhnliches Hochwasser. Wir haben die höchsten jemals gemessenen Wasserstände», sagte Behördenchef Matthias Freude.
In Bad Liebenwerda übertraf der Wasserstand die Schwelle der höchsten Alarmstufe 4 am Morgen bereits um 20 Zentimeter. In Elsterwerda sind die Deiche jetzt rund um die Uhr besetzt, weil ein Bruch befürchtet wird. Wegen des Hochwassers wurde die von der Pulsnitz überflutete A 13 Berlin-Dresden bei Ruhland gesperrt.
Solch eine Situation gab es in Brandenburg noch nie
Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat sich am Mittag in Spremberg ein Bild von der Hochwasserlage machen. Der «Deichgraf» eilte an den Ort des Geschehens. «Die Situation bereitet mir Sorgen», sagt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Kurzerhand hat der Landesvater am Mittwoch seinen Terminplan geändert und ist nach Spremberg geeilt. Beim Oderhochwasser 1997 hat er den inoffiziellen Titel «Deichgraf» bekommen - es scheint, als ob er noch reichlich Gelegenheit bekäme, in diese Rolle zu schlüpfen.
Für die Spree am Pegel Spremberg (Spree-Neiße) wurde in der Nacht zum Mittwoch die Stufe 4 erreicht. Die Stadt errichtete aus Sandsäcken zwei Notdeiche, um Wohngebiete und Gärten im Uferbereich zu schützen. Auch in Herzberg werde bis zum Mittag die höchste Alarmstufe erreicht werden, hieß es. Steigende Wasserstände gibt es auch an der Neiße. An Spree und Oder steigen ebenfalls die Wasserstände.
Laut Wolfgang Genehr gab es eine derartige Situation in Brandenburg noch nie. Die Auswirkungen des vierten Hochwassers das Jahres nach der Schneeschmelze im März und dem Regen in Mai und August seien kaum vorhersehbar. Im Gegensatz zu den Erfahrungen der vergangenen fünfzig Jahre habe es niemals flächendeckend so viel Regen im Süden Brandenburgs gegeben. Deshalb seien die Böden überall bis oben hin gesättigt und könnten kein zusätzliches Wasser mehr vertragen. In der Region bemühten sich bis zu 240 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk um das Abpumpen von Wasser an besonders gefährdeten Stellen.
In Sachsen geht das Hochwasser dagegen bereits zurück und auch in Sachsen-Anhalt hat sich die Lage stabilisiert. Nur für die Schwarze Elster im Landkreis Wittenberg gilt hier weiter Alarmstufe 3. Im Kabelsketal zwischen Halle und Leipzig stünden noch Häuser unter Wasser, teilte die Feuerwehr mit.
Der Wetterbericht allerdings lässt hoffen, dass nicht mehr allzu große Mengen Regen nachkommen. Im äußersten Osten und Süden können noch ein wenig Regen fallen, es bleibe jedoch weitgehend trocken, meldet der Deutsche Wetterdienst.
iwi/juz/news.de/dpa