Sa., 26.05.12

Schule 24.09.2010 Niemand hilft Lehrern bei der Integration

Integration Schule (Foto)
Ahmed kommt aus dem Irak und geht in Erfurt zur Schule. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Vor schlauen Diskussionen über Integration können wir uns kaum retten. Aber der Härtetest findet woanders statt: in der Schule, vor allem an Hauptschulen. Seit 35 Jahren ist Ferdinand Wiesner dort Lehrer. Und gleicht aus, was die Behörden verpennen.

Neheim-Hüsten ist nicht Neukölln und ist nicht Duisburg. Doch auch in der sauerländischen Provinz ist Integration nicht erst seit Thilo Sarrazin ein Thema, sondern seit mehr als 40 Jahren eine tägliche Herausforderung. Zum Beispiel für Ferdinand Wiesner.

Der Lehrer unterrichtet seit fast 35 Jahren an der Grimme-Hauptschule. Früher brachte er den Kindern der sogenannten Gastarbeiter neben Geschichte, Erdkunde, Religion oder Biologie vor allem Deutsch bei. In den Ferien besuchte er die Familien mancher griechischen Schüler, abends passte eine von ihnen auf seine kleine Tochter auf.

Nach den Griechen, Italienern, Spaniern, Türken und Portugiesen kamen Ende der 1980er Jahre die Russlanddeutschen. Heute sind viele der Grimme-Schüler muslimische Migranten aus arabischen Ländern. Und viele Türken sind geblieben. In Wiesners Klasse haben derzeit zehn von 25 Kindern einen Migrationshintergrund - Italien, Kasachstan, Russland und die Türkei sind ihre Herkunftsländer.

Lehrer sind auf sich allein gestellt

«Die Integration ist sehr zufriedenstellend. Diskriminierungen gibt es bei uns eigentlich nicht», sagt der Hauptschullehrer. Er weiß aber auch, was er dafür tut. Kein Nachmittag vergeht, an dem nicht ein Elterngespräch in der Schule wartet oder zuhause das Telefon klingelt und eine Mutter dran ist. Vor Jahren ließ er eine türkische Schülerin bei sich unterschlüpfen, weil sie von ihren Brüdern zur Hochzeit in die Türkei verfrachtet werden sollte. Kürzlich wollte ihn ein türkischer Vater anzeigen, weil er seine Wohnung betreten hatte, ohne dass ein Mann anwesend war. Und vor zwei Wochen hat ein türkischer Schüler aus seiner Klasse eine Lehrerin geohrfeigt. Auch das ist Teil des Schulalltags an der Grimmeschule.

Die Kollegin hätte deeskalieren müssen, meint Wiesner. Doch im Umgang mit muslimischen Jugendlichen, die sich weiblicher Autorität nicht unterordnen können, ist niemand geschult. Die Lehrer handeln aus dem Bauch heraus – und das Gelingen von Integration hängt damit vom persönlichen Einsatz des Einzelnen ab. Zwischen Kulturen vermitteln und unseren Werte-Katalog verbreiten, das muss irgendwie nebenbei geschehen. Wie in dieser Woche im Deutsch-Unterricht. Da hat Wiesner ein Aufsatzthema gestellt über Religion, Hautfarbe und Herkunft der Schüler seiner Klasse. «Die Arbeiten waren fast alle «sehr gut».» Es hilft, den Schülern entgegenzukommen. Ihre Situation in den Blickpunkt zu rücken. Sich Zeit zu nehmen.

Sprache ist das eine große Thema ...

«Gar nichts» werde diesbezüglich von den Schulämtern geleistet. Nur Sprachförderung wird angeboten, allerdings auch nur für Schüler, die schon eine Basis haben. Wer frisch nach Deutschland kommt, ist auf sich allein gestellt. «Sie werden in die Regelklassen geworfen. Gerade erst haben wir einen neuen Schüler – der wird es nicht schaffen», sagt Wiesner. Dabei steht Sprache bei ihm in allen Fächern im Vordergrund. Ob Biologie oder technisches Zeichnen, er achtet immer auf Ausdrucksweise, Rechtschreibung und Grammatik.

Ein positives Beispiel sei die Eingliederung der Russlanddeutschen gewesen. «Sie bekamen nachmittags Unterricht durch Honorarkräfte. Da wurde Geld ausgegeben, das war unheimlich gut.» So gehörten diese Schüler schnell zu Leistungsträgern in den Klassen. Ein wichtiger Faktor ist, nicht anders als bei deutschen Schülern, das Bildungsniveau des Elternhauses. Die meisten Asylanten aus dem Irak beispielsweise seien Akademikerfamilien. «Diese Schüler machen fast alle Abitur. In vielen Familien jedoch sind die Eltern Analphabeten.»

... Religion das andere

Das zweite große Feld, das die Integration zu beackern hat, ist die Religion. Die meisten Schüler mit Migrationshintergrund sind Muslime – selbst an der katholischen Grimmeschule. Ferdinand Wiesner versucht das aufzufangen, im Religionsunterricht bespricht er die Weltreligionen, erarbeitet den Ursprung des muslimischen Schweinefleischverbotes oder der Beschneidung genauso wie des Weihnachtsfestes. «Es sind oft naive Dinge, aber es geht darum, die Gemeinsamkeiten zu sehen - das Religion nämlich ursprünglich auf Lebenshilfe basiert», erklärt der Lehrer.

Seine Vermittlungsarbeit findet er jedoch nicht ausreichend. Den Schülern fehle fundierter Islamunterricht – auch, um Islamismus vorzubeugen. Doch Nordrhein-Westfalen beginnt erst jetzt, Lehrer dafür auszubilden, mehr als 40 Jahre, nachdem die ersten Muslime in die Schule kamen. Gerade das Unwissen über ihre eigene Religion sieht der Lehrer als großes Problem für die Kinder und Jugendlichen, die in der Familie tagtäglich von islamischer Kultur und Geboten umgeben sind. «Sie wissen nicht einzuschätzen, was sich in der Welt tut. Sie sehen sich als Muslime und feiern das Zuckerfest am Ende des Ramadan, aber es fehlt der Unterbau.»

Deutsche werden?

Um ihnen den Stand hier in Deutschland zu erleichtern, empfiehlt er vielen Schülern, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. «So kommen sie aus dem ambivalenten Verhältnis heraus, es stabilisiert sie in ihrem Befinden hier. Und sie haben einen größeren Schutz des Staates, auch wenn es später vielleicht darum geht, Ausbildungsförderung zu beantragen. Denn Diskriminierungen zeigen sich überall.»

Dabei werden junge Migranten doch jetzt in Deutschland als eine Lösung für die alternde Gesellschaft gesehen und müssten entsprechend gefördert werden. «Da merken wir nichts von», sagt Wiesner. Die Grundprobleme sind in 35 Jahren dieselben geblieben – vor allem die Ignoranz der Behörden.

jag/reu/news.de
Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • debema
  • Kommentar 6
  • 19.11.2010 13:40
 

Das dt. Bildungssystem geht von einer Bringepflicht der Schüler ect. aus, was von den Migranten grundsätzlich nicht abverlangt wird. Die Lehrerschaft soll dann diese Schieflage richten. Es geht wohl nicht so sehr um Förderung ect. sondern um die grundsätzliche Einstellung, die die Eltern ihren Kindern nicht anerziehen. Es wird versäumt von Staatswegen, das die Eltern mit aller Konsequenz zu ihren Erzeihungspflichten verpflichtet werden. Es kann nicht sein, das der Staat nur über seine Lehrerschaft die Erziehung bewerkstelligt, und die Eltern Unbeteiligte sind.

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  • lesch
  • Kommentar 5
  • 07.10.2010 12:39
 Antwort auf Kommentar 4

ja ja rassismus, alle sind rassisten die die wahrheit sagen. ihr seid die rassisten!!! wehe einer sagt was gegen einen moslem oder malt eine karikatur. dann wird sofort mit heiligen kriegen gedroht!!! wenn ihr aber christen und juden als affen und schweine bezeichnet, ist natürlich alles ok. lächerlich, kritikunfähig, arrogant, aggresiv und die meisten auch noch dümmer als die polizei erlaubt, aber ehre und stolz haben wollen. das sind dinge die man sich erarbeiten muss. nur weil man sich beschneiden lassen hat u kein schweinefleisch ist, hat man kein anrecht auf ehre!!!

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  • Drgitara
  • Kommentar 4
  • 24.09.2010 20:28
 

Als muslimer Zahnarzt sage ich ehrlich, dass die deutsche kommentäre sind unverschämt und mit viel Rasismus sind. Kann sein das ich nicht der Weltmeister in die Deutsche sprache bin, aber was mit meiner Ausländischen Kollengen, die ich nur in z.B. Stadt Bremen kenne, haben keine andere alternative von die deutschen-Ärzte dieser Arbeit zu schaffen, wir sprechen über mehr als 35 muslime-Ärzte nur in Bremen. die deutschen sind vielleicht so dumm geworden wenn Sie nur über die Sozialamt-Asylanten sprechen. und nicht vergessen das Ihre Kommentäre ist über Integration und nicht Ihre Rassismus

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  • Sarrazin
  • Kommentar 3
  • 24.09.2010 15:22
 

Die deutschen Schüler sind nicht dümmer geworden, sondern der Ausländeranteil höher. Aus eigener Erfahrung und auch in Sarrazins Buch nachlesbar. Bildung und Arbeitsquote - Russen Top, Türken Flop. 43,6 % Sozialhilfe/Hartz-IV bei Türken. Meine Steuern zurück ABER flott. Habt Ihr schon unterschrieben? Online-Petition "Nein zum EU-Beitritt der Türkei" bei Pro-Deutschland.

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  • Oliver
  • Kommentar 2
  • 24.09.2010 14:15
 

Für mich ist Migration keine Lösung für eine alternde Gesellschaft, Migration politisiert am Problem vorbei. Und Muslime sind für mich auch keine Deutsche. Solange bis wir in deren Ländern auch missionieren dürfen. Wenn es bei mir nach dem gegangen wäre, was Pädagogen fordern, dann hätte ich jetzt kein abgeschlossenes Studium.

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  • Coon Maus
  • Kommentar 1
  • 24.09.2010 13:37
 

Meine Erfahrung Kinder 30,17 u.11 Die Förderungen sind Lügen.Hier wird ausgesiebt wer Arbeiter wird.Seitdem die Schulpsychologen in den Schulen mitwerkeln werdens immer mehr Förderkinder.Deutschland scheint nur noch dumme Kinder(derzeit70%)!zu zeugen,laut Schulabgänger mit Förderbedarf sprich Sonderschulstatus!

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