Sa., 26.05.12

Bergbau-Drama 31.08.2010 Hoffnung in Chiles Grubenhölle

Bilder der Verschütteten aus 688 Meter Tiefe (Foto)
Bilder der Verschütteten aus 688 Meter Tiefe Bild: ap

Der Spezialbohrer aus Deutschland ist da, die Nasa-Experten sind ebenfalls vor Ort: Die Rettungsaktion für die 33 verschütteten Bergleute ist nach mehrtägiger Verspätung angelaufen. Die Kumpel unter Tage kämpfen indes mit einem Fäkal-Problem.

Grubenunglück in Chile

«Holt uns bitte hier raus», hatte einer der seit bald vier Wochen in einer chilenischen Mine eingeschlossenen Bergarbeiter auf dem ersten Video aus der Tiefe gefleht. Seit am 5. August ein Stollen in der Kupfer- und Goldmine einstürzte, sind die 33 Bergleute in dem dunklen Verlies 700 Meter unter der Atacama-Wüste eingekerkert. Sie sind damit die Bergleute, die weltweit bislang am längsten unter Tage ausharren mussten. Im vergangenen Jahr verbrachten drei Kumpel in China 25 Tage in einer überfluteten Mine, bevor sie gerettet wurden. Diese Marke übertrafen die Chilenen am Dienstag.

Jetzt begann ein Spezialbohrer, einen Rettungsschacht in die Tiefe zu fräsen.  Deutsche Bergbauexperten rechnen damit, dass die Bohrung mit einem Tempo von sieben bis acht Metern pro Tag vorankommen könnte. Das wäre eine gute Leistung, sagte Klaus Stöckmann vom Fachverband Bergbaumaschinen.In Chile war bisher von acht bis 15 Metern die Rede gewesen. Bis die Bergleute durch den Rettungsschacht an die Oberfläche geholt werden können, dürften bis zu vier Monate vergehen. Ein aus Deutschland eingeflogener Bohrkopf sollte in Kürze installiert werden und die Bohrung erleichtern.

Auch Experten der US-Weltraumbehörde Nasa sind nun vor Ort. Die drei Ärzte und ein Ingenieur vom Johnson Raumfahrtzentrum in Houston (US-Bundesstaat Texas) trafenauf Einladung der chilenischen Regierung in dem südamerikanischen Land ein. Sie wollen die Behörden bei der Betreuung der festsitzenden Bergarbeiter beraten. Die Erfahrungen aus der bemannten Raumfahrt sollen helfen, die Eingeschlossenen während der kommenden Monate körperlich und geistig fit zu halten.

Behörden wollen keinen Alkohol in die Tiefe schicken

Die größte Sorge der Behörden ist der psychische Druck, dem die Eingeschlossenen ausgesetzt sind. Psychologen betreuen die Männer, von denen einige zeitweise unter einer beginnenden Depression litten. Andere klagten über Probleme wegen des Alkoholentzuges. Die Behörden weigern sich jedoch, Alkohol oder Tabak in die Tiefe zu schicken. Stattdessen wird versucht, die Männer durch einen strikten Tag- und Nachrhythmus sowie feste Arbeitsschichten beschäftigt zu halten.

Der Vizeleiter des medizinischen Dienstes des Raumfahrtzentrums, Michael Duncan, hatte sich trotzdem optimistisch über die Fähigkeit der Kumpel geäußert, die lange Wartezeit zu überstehen. «Die Bergarbeiter haben unter Tage schon viel für sich selbst getan, sich selbst organisiert und der Welt damit gezeigt, dass sie überleben können», sagte Duncan.

Der Nasa-Ingenieur Clint Cragg will sich vor allem um das Problem des Umgangs mit Abfall und Fäkalien unter Tage kümmern. Dies ist in der feuchten und bis zu 35 Grad heißen Luft unter Tage eine der wichtigsten Aufgaben, um Infektionskrankheiten unter den Eingeschlossenen zu vermeiden.

jag/news.de/dpa/ap
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