Sa., 26.05.12

Bergwerksdrama 30.08.2010 Alkoholentzug in der Grubenhölle

Chile: Alkoholprobleme unter verschütteten Bergleuten (Foto)
Die 33 verschütteten Kumpel konnten erstmals mit ihren Angehörigen sprechen. Bild: dpa

Die in Chile verschütteten Bergleute konnten erstmals mit ihren Angehörigen sprechen. Im Laufe des Tages starten die Rettungsbohrungen. Doch die Sorge um den Gesundheitszustand der Bergleute bleibt groß. Es sind auch Alkohol- und Drogensüchtige unter ihnen.

Für die 33 eingeschlossenen Bergleute in Chile beginnt der lange Countdown zur Freiheit. Am frühen Morgen Ortszeit sollte die Bohrung für einen Rettungstunnel beginnen. Technische Probleme hatten den Beginn der Arbeiten um zwei Tage verzögert. Allerdings wird es bis zu vier Monate dauern, bis die seit dem 5. August in 700 Meter Tiefe eingeschlossenen Kumpel an die Oberfläche geholt werden können.

Der Spezialbohrer Strata 950 kämpft sich Tag für Tag nur 8 bis 15 Meter tiefer durch das harte Gestein. Der entstehende Kanal ist etwa 40 Zentimeter breit und wird in einem zweiten Bohrgang auf 66 bis 70 Zentimeter erweitert. Dann sollen die Männer in einem Korb einer nach dem anderen nach oben gezogen werden.

Besonders während des zweiten Bohrgangs werden tausende Tonnen Geröll in der Röhre nach unten fallen und von den eingeschlossenen Bergarbeitern zur Seite geräumt werden müssen. Dafür verfügten sie aber über die notwendigen Maschinen, berichteten chilenische Medien.

In einigen Tagen könnte noch eine zweite Bohrung beginnen, die mit einem anderen Bohrer auf einen 100 Meter höher gelegenen Punkt in dem weit verzweigten Stollensystem der Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste zielt. Die Retter hoffen, die Kumpel auf diesem Wege eventuell schon nach zwei Monaten an die Oberfläche holen zu können.

Die 33 chilenischen Bergarbeiter haben erstmals mit ihren Familien gesprochen. Die Behörden ließen dafür am Sonntag (Ortszeit) ein Kabel durch eine der Versorgungsröhren zu den in 700 Metern Tiefe gefangenen Männern herab. Bei den Gesprächen mit den Angehörigen spielten sich bewegende Szenen ab. So schlug der Bergarbeiter Esteban Rojas seiner Frau Jessica Yáñez die kirchliche Heirat vor, nachdem beide vor 25 Jahren nur standesamtlich geheiratet hatten. Sie sagte «Ja».

Die Angehörigen waren tief gerührt und sehr erleichtert darüber, dass es den Verschütteten soweit gut gehe. Jeder von ihnen hatte nur wenige Augenblicke Zeit für ein Gespräch, da nur eine Leitung zur Verfügung stand. Die Angehörigen campieren über der Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste in einem Zeltlager, das sie «Esperanza» (Hoffnung) getauft haben. Die Bergleute stecken seit dem 5. August unter Tage fest.

Im Laufe des Montags soll die Bohrung des ersten Rettungsschachts für die Bergleute beginnen. Die Arbeiten können bis zu vier Monate dauern. Die Idee ist, eine der drei bestehenden engen Versorgungsröhren so weit zu vergrößern, dass die Männer einer nach dem anderen in einer Rettungskapsel an die Oberfläche geholt werden können.

Bitte um ein «Gläschen Wein»

Unterdessen bleibt die Sorge um den Zustand der Bergleute groß. Wie der chilenische Gesundheitsminister Jaime Mañalich der spanischen Zeitung El País berichtete, hatten mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken. «Einige von ihnen hatten sogar große Mengen zu sich genommen», sagte der Minister. «Zuweilen ist es nicht gut, wenn man eine Sucht auf einen Schlag mit einer Radikalkur unterbindet.»

Wie die Madrider Zeitung berichtete, sind unter den Bergleuten neben einigen Alkoholikern auch Drogenabhängige. Bisher habe der plötzliche Entzug jedoch keine Auswirkungen gehabt.

Die Bergleute hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastián Piñera um ein «Gläschen Wein» gebeten, weil sie den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles feiern wollten. Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen.

Die Männer, deren erstes Lebenszeichen erst vor einer Woche an die Oberfläche gedrungen war, werden inzwischen über die Röhre ausreichend mit Nahrung, Wasser, Medikamenten und Nachrichten ihrer Angehörigen versorgt.

Im Laufe der Woche werden auch vier Experten der US- Raumfahrtbehörde Nasa in Chile erwartet. Sie sollen ihre Erfahrungen aus der bemannten Raumfahrt zur Verfügung stellen, bei der ebenfalls Menschen über einen längeren Zeitraum auf engstem Raum leben müssen.

sck/mac/ivb/news.de/dpa
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • wijo231268
  • Kommentar 1
  • 30.08.2010 18:10
 

Letzten Endes ist es eben doch vielleicht gut, dass die Junkies und die Alkies mal auf Entzug kommen. Vielleicht sind sie danach clean :)

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