Die Bergleute, die rund 700 Meter tief in einer chilenischen Mine verschüttet worden sind, spielen Domino und Karten. Auf dem ersten Video wirken sie fröhlich - obwohl ihre Rettung bis Weihnachten dauern könnte.
Das chilenische Staatsfernsehen hat am Donnerstag ein erstes Video von den 33 verschütteten Bergleuten in Chile gezeigt. Mit nacktem Oberkörper, dünn, aber gesund und fröhlich wirkend sangen sie darin Arm in Arm die Nationalhymne und zeigten, wie sie es sich in 700 Meter Tiefe eingerichtet haben. Die 45 Minuten lange Aufnahme wurde mit einer kleinen Kamera gemacht, die über einen engen Schacht hinuntergelassen wurde. Hier können Sie einen Ausschnitt des Videos sehen.
«Wir haben hier alles gut organisiert«, sagte einer der Arbeiter, die seit einem Felssturz am 5. August in der Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapó festsitzen. Die Männer zeigten, wo sie Domino und Karten spielen, um sich die Zeit bis zu ihrer Rettung zu vertreiben. Dass sie noch eine Weile warten müssen, wissen sie mittlerweile. Innenminister Rodrigo Hinzpeter sagte, es sei kontraproduktiv, den Verschütteten genaue Zeitangaben zu machen.
«Grüße an meine Familie! Holt uns hier bitte bald heraus!», rief einer der Kumpel in der Videobotschaft. Ein anderer zeigte, wo die Männer beten und täglich Versammlungen abhalten. Er deutete auf ein kleines Wasserglas, das zum Zähneputzen dient. Auf einer Einstellung war ein Thermometer zu sehen, das eine Temperatur von knapp 30 Grad anzeigte.
Die meisten Männer trugen in dem Videoband ihre Schutzhelme. Einige wirkten müde, andere machten das Friedenszeichen, als die Kamera an ihnen vorbeischwenkte. Am kommenden Dienstag werden die in der chilenischen Atacama-Wüste verschütteten Kumpel länger unter Tage gefangen sein als jemals Bergleute vor ihnen.
Nasa-Experten helfen bei Rettung mit
Die chilenische Regierung koordiniert ihre Rettungsbemühungen für die verschütteten Bergleute inzwischen auch mit Experten der US-Raumfahrtbehörde. Nasa-Fachleute machen sich vor allem Sorgen um die psychische Situation der seit 5. August in 688 Meter Tiefe eingeschlossenen Männer. Die 33 Kumpel erhalten durch einen Versorgungsschacht regelmäßig Spezialnahrung, Wasserrationen und Nachrichten von ihren Familien. Experten wollen nun auch, dass sie die Möglichkeit bekommen, Filme anzuschauen. Psychologen sollen festlegen, welche Filme geeignet seien, berichteten örtliche Behördenvertreter.
Die New York Times zitierte Chiles Gesundheitsminister Jaime Mañalich mit den Worten, er habe die Nasa um die Entsendung eines kleinen Teams gebeten. Dieses solle überwachen, «was wir hier tun». Nächste Woche werden die Nasa-Experten in Chile eintreffen, um bei der Rettung zu helfen. Die Spezialisten haben Tests mit Astronauten gemacht, um Isolation für Marsmissionen zu simulieren.
Psychologen sorgen sich vor allem um die nervliche Belastung der Eingeschlossenen und deren Familien. Nach der Euphorie darüber, dass die Männer nach zweieinhalb Wochen lebend gefunden wurden, könnten schon bald posttraumatische Stresserscheinungen auftreten. Die Rettung der Männer kann mehrere Monate dauern.
Betreiber des eingestürzten Bergwerks steht vor Insolvenz
Betreiber des eingestürzten Bergwerks ist das chilenische Unternehmen San Esteban, das vor der Insolvenz steht und nach eigenen Aussagen weder die Löhne der Männer zahlen noch für deren Rettung aufkommen kann. Ein staatlicher Bergwerksbetreiber bohrt den Rettungsschacht, der rund 1,7 Millionen Dollar (rund 1,3 Millionen Euro) kosten soll. San Esteban und der Regierung drohen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Ein Richter verfügte am Donnerstag, dass Unternehmenseinnahmen in Höhe von umgerechnet rund 1,8 Millionen Dollar für künftige Entschädigungszahlungen eingefroren werden.
Präsident Sebastian Pinera hat Beamte der Minenaufsichtsbehörde entlassen und eine Untersuchungskommission ins Leben gerufen. Seit dem Grubenunglück wurden mindestens 18 kleine Stollen aus Sicherheitsgründen geschlossen. Ein Senator, der im Minenausschuss des Oberhauses sitzt, sagte, dass die Regierung die Aufsichtsbehörde im Stich gelassen habe. «Es gibt nur 18 Inspekteure», sagte Baldo Prokurica, die für einige hundert Minen verantwortlich seien. San Esteban sei bekannt für Sicherheitsmängel. 2007 habe die Mine San José geschlossen werden müssen, nachdem ein Arbeiter umgekommen sei. Erst 2008 sei der Stollen wieder geöffnet worden, sagte Prokurica, obwohl der Bergwerksbetreiber nicht alle Sicherheitsauflagen erfüllt habe.