Mo., 13.02.12

Tote Säuglinge Deutschland streitet über Klinik-Hygiene

Artikel vom 25.08.2010

Der Klinikskandal um verseuchte Infusionen in Mainz hat deutsche Krankenhäuser aufgeschreckt. Verfahren und Nährlösungen werden überprüft. Unterdessen fodert die Bundesärztekammer mehr Hygiene-Spezialisten.

Sie haben Infusionslösungen aus dem Verkehr gezogen, alle Verfahren gecheckt und die Mitarbeiter zu noch mehr Vorsicht ermahnt: Deutsche Krankenhäuser reagierten umgehend auf den Tod dreier Babys, die in der Mainzer Uniklinik verseuchte Nährlösung bekommen hatten. «Wir sind jetzt noch sorgfältiger», sagte der ärztliche Leiter der Intensivstation für Neu- und Frühgeborene der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, Dr. Georg Frey.

In Thüringen würden Chargen der in Mainz verwendeten Infusionslösungen vorsorglich so lange nicht genutzt, bis die Umstände der Tragödie vollständig geklärt seien, hieß es aus dem Gesundheitsministerium in Erfurt. Auch an einigen Kliniken in Baden-Württemberg und an den Universitätskliniken Frankfurt und Leipzig verabreichen die Ärzte diese Produkte erst einmal nicht mehr. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte eine Sprecherin des Klinikums Stuttgart.

Es gibt aber auch abwartende Reaktionen: So wies die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern alle 38 Krankenhäuser im Land vorerst nur auf den Mainzer Fall hin. Konsequenzen würden gezogen, sobald die Ursache geklärt sei, sagte Geschäftsführer Wolfgang Gagzow.

Der Klinikkonzern Gesundheit Nordhessen in Kassel kündigte ebenfalls an, alle Abläufe zu überprüfen. Das Düsseldorfer Universitätsklinikum kontrollierte, wie andere Krankenhäuser in Deutschland auch, alle Nährlösungen. In Sachsen-Anhalt wollen die Kliniken ihr Qualitätsmanagement unter die Lupe nehmen. «Wir werden in den kommenden Tagen darüber beraten und diskutieren, wie wir es noch verbessern können», sagte Geschäftsführer Gösta Heelemann.

Bundesärztekammer: Mehr Hygiene-Spezialisten an Krankenhäusern

Die Bundesärztekammer fordert unterdessen mehr Hygiene-Spezialisten an Krankenhäusern. «Es ist richtig, dass die Krankenhäuser Hygiene-Fachkräfte einstellen müssen, die immer Schwachstellen bei der Hygiene auf der Spur sind», erklärte Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery der Thüringer Allgemeine. «Es gibt ständig neue Analysemethoden, aber auch neue Technik, die unter die Lupe genommen werden muss.»

Nach dem Tod dreier Babys im Mainzer Uniklinikum ist nun eine Debatte über die politischen Konsequenzen aufgeflammt. Es fehle an Hygienestandards, kritisierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Krankenhäuser und Bundesländer. «Offenbar müssen erst Leichen auf der Straße liegen, bis einige Bundesländer aufwachen und ihrer Verantwortung gerecht werden», sagte Lauterbach dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Bisher gebe es in den meisten Ländern keinerlei verbindliche Hygienevorgaben für Kliniken, kritisierte Lauterbach weiter. In zahlreichen Häusern würden einfachste Regeln missachtet. Deshalb fordere die SPD-Bundestagsfraktion eine bundesweit verbindliche Hygieneverordnung für alle Kliniken.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat angekündigt, die Krankenhaus-Hygiene auf die Tagesordnung der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern setzen zu wollen. Unterstützung erhielt er von der CSU. FDP- und CDU- Gesundheitsexperten setzen auf rasche bundesweite Regeln.

Warnungen vor Überreaktion

Dagegen warnte Rudolf Henke, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, vor einer politischen Überreaktion. Es gebe keinen Mangel an Hygieneregeln und Standards, sagte Henke den Ruhr Nachrichten». Auch der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) erachtet die Hygiene-Vorschriften in deutschen Klinikapotheken für ausreichend.

Am vergangenen Freitag war im Mainzer Uniklinikum elf Kindern auf der Intensivstation eine verschmutzte Infusion verabreicht worden. Zwei Babys mit Herzfehlern starben am Samstag, das dritte, ein sehr junges Frühgeborenes, am Montagabend. Ob jeweils die Keime in der Infusionslösung den Tod verursachten, steht noch nicht fest.

jag/cvd/news.de/dpa
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 28.08.2010 11:09
von
eddimaus

Hallo ,Leser schon nach bekannt werden der übertragung von MR-Bakterien meine ich,dass die säugliche nicht länger am leben wären.die pat. waren im frühstadium schon dem Tode geweiht,so traurig dass ist und seelisch jeden angreift, jeder tod ist auch eine erlösung von qaulen und übereifrige behandlungen in der prädiagnostik von ärzten. die hygiene ist hoch,doch diese muß in kliniken entschieden verbessert werden. die labore sind gut geschützt durch schleusen die die räume trennen .

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