Die Bundesbürger öffnen nach anfänglichem Zögern ihr Portemonnaie für die Flut-Opfer: Hilfsorganisationen sind zufrieden mit der Spendenbereitschaft. Von den 16 Millionen Euro seien bislang 250.000 Menschen versorgt worden.
Die Deutschen haben nach Angaben des größten Hilfsbündnisses bisher rund 16 Millionen Euro für die Flutopfer in Pakistan gespendet. Nach anfänglichem Zögern fließen die Spenden mittlerweile ganz gut, wie das Bündnis «Aktion Deutschland Hilft» in Berlin mitteilte. Spenden seien weiter dringend nötig.
Von dem Geld seien bislang etwa 250.000 Menschen mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Decken, Planen und Hygieneartikeln versorgt worden, tausende Flutopfer erhielten Zelte und Medikamente. Von der Flut sind nach Einschätzung der Helfer rund 20 Millionen Menschen betroffen. Am wichtigsten seien zurzeit Nahrungsmittel und frisches Wasser.
Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von zehn deutschen Hilfsorganisationen, die unter einer gemeinsamen Kontonummer Spenden für Pakistan sammeln.
Peter Schwarz, Sprecher der Hilfsorganisation «Care», war in den vergangenen Wochen im Überschwemmungsgebiet. Die Lage sei erschütternd, berichtete er. «Die Flutopfer trinken vor lauter Durst bei 42 Grad Hitze das stehende Wasser voller Viren und Bakterien.» Die Folge seien schwerste Durchfälle bis zum Tod sowie Haut- und Augenkrankheiten. Kinder mit Hungerbäuchen schliefen auf feuchten Lehmböden. Schwangere wüssten nicht, wo sie in Notlagern zwischen Ziegen und Kühen ihre Kinder zur Welt bringen sollten, sagte Schwarz.
Rotes Kreuz mit Trinkwasser-Anlage von Berlin gestartet
Kritische Fragen nach den Taliban und korrupten pakistanischen Regierungsbeamten hält Schwarz für berechtigt. In der unbeschreiblichen Notsituation der Menschen könnten Helfer solche Argumente im Moment aber nur schwer nachvollziehen.
«Das ist für mich eine Luxus- und Geisterdebatte», sagte er. «Wir sollten die politische Diskussion in einem Jahr führen.» Care- Geschäftsführer Anton Markmüller erinnerte daran, dass die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg trotz ihrer politischen Vergangenheit Care-Pakete erhalten hätten.
In Berlin startete am Dienstag ein zweiter Hilfsflug des Deutschen Roten Kreuzes nach Pakistan. Mit an Bord ist eine Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser für 15.000 Menschen.
Die Bundesregierung hatte ihre Direkthilfe für die pakistanischen Flutopfer am Wochenende auf 25 Millionen Euro aufgestockt. Die Hilfsorganisationen halten diese Summe für zufriedenstellend und dankten den vielen privaten Spendern. Der Wiederaufbau des Landes werde mehrere Jahre dauern.
jag/news.de/dpa