Mo., 13.02.12

Mangelnde Hygiene Der Tod lauert im Krankenhaus

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Artikel vom 24.08.2010

Nach dem Tod dreier Babys im Uni-Klinikum Mainz steht mangelnde Hygiene in deutschen Krankenhäusern im Fokus der Kritik. Klar ist: Jährlich stecken sich Tausende mit gefährlichen Keimen an, viele sterben daran.

Das Kindbettfieber war berüchtigt – bis ins 19. Jahrhundert hinein. Warum nur starben so viele Wöchnerinnen daran?, fragte sich der junge Arzt Ignaz Semmelweis und notierte im Juli 1846 in sein Tagebuch: «Ein Kind zur Welt zu bringen, ist genauso gefährlich wie eine Lungenentzündung ersten Grades.»

Der Geburtshelfer aus Wien kam dem mysteriösen Tod im Kindbett auf die Spur. Er stellte fest, dass die Infektionen der jungen Mütter durch Keime verursacht wurden. Die Keime wiederum stammten von den ungewaschenen Händen von Ärzten.

1858 veröffentlichte Semmelweis seine bahnbrechende Erkenntnis – sehr zum Unwillen seiner Kollegen, die nicht wahrhaben wollten, dass sie selbst Infektionen übertrugen, anstatt sie zu heilen. Erst eine Ärztegeneration später führte man an Krankenhäusern die Desinfektion mit Chlorkalk ein – wie sich herausstellte, eine wirkungsvolle Maßnahme, die Sterblichkeitsrate sank.

50.000 Tote pro Jahr - weil Ärzte sich nicht die Hände waschen

150 Jahre nach Semmelweis' Entdeckung infizieren sich auch heute noch immer zahlreiche Patienten in Krankenhäusern. Verlässliche Zahlen gibt es zwar nicht, doch das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich zwischen 500.000 und einer Million Patienten betroffen sind. 50.000 Menschen sterben sogar an den sogenannten nosokomialen Infektionen. Harnweginfekte und Lungenentzündungen kommen am häufigsten vor, gefolgt von Wundinfektionen nach Operationen und Blutvergiftungen.

Die hohe Zahl an Infektionen ist auch heute noch Ausdruck mangelnder Hygiene in deutschen Krankenhäusern. Genauer gesagt: Die Ärzte waschen sich nicht ordentlich die Hände. Das sagt zumindest Hygienefachmann Franz Daschner. Zum Teil liege das an Unwissenheit, dann an Faulheit und an Zeitmangel, sagt Daschner, der jahrelang als Hygienefacharzt das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene an der Uniklinik in Freiburg geleitet hat.

Allerdings schränkt Daschner ein, dass 70 Prozent der Infektionen selbst mit den besten Methoden der Hygiene nicht vermeidbar seien. «Aber das eine Drittel, das übrig bleibt, kann und muss man verhindern», fordert der 69-Jährige. Vor allem auch, weil durch schlechte Hygiene auch Krankheitserreger, die gegen Antibiotika resistent sind, immer weiter verbreitet werden.

Einer der häufigsten Auslöser von Klinikinfektionen ist der Erreger Staphyloccocus aureus. Dahinter verbirgt sich ein eigentlich harmloser Hautkeim, der bei jedem dritten Menschen bevorzugt auf der Schleimhaut des Nasenvorhofs sitzt und normalerweise keine Infektion verursacht. Schaden richtet er erst an, wenn er in den Körper dringt und das Immunsystem dem Angreifer nicht standhalten kann.

Das Hauptproblem aber hat vier Buchstaben: MRSA (Methicillin-resistenter Staphyloccocus-aureus). Weil sich die Varianten des Bakteriums, bei denen die meisten gängigen Antibiotika nicht mehr wirken, rasant ausbreiten, wird die Behandlung immer schwieriger. Entstanden sind Resistenzen vor allem durch den falschen und übertriebenen Einsatz von Antibiotika, wie Daschner beklagt: «Leider werden Antibiotika mindestens zu einem Drittel von Ärzten unnötig verschrieben.»

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Mangelnde Hygiene: Der Tod lauert im Krankenhaus » Gesellschaft » Nachrichten

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