Tödlicher Skandal an der Mainzer Uniklinik: Zwei Babys sterben, weil ihre Infusionen mit Bakterien verschmutzt waren. Die anderen neun betroffenen Kinder haben die Nacht überlebt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.
Die neun Säuglinge, die am Wochenende verschmutzte Infusionen erhalten hatten, haben die Nacht überlebt. Das sagte eine Sprecherin der Universitätsmedizin in Mainz. Zwei der Säuglinge hatten gestern Abend in Lebensgefahr geschwebt, bei drei weiteren bezeichneten die Ärzte den Zustand als kritisch.
Auch lägen noch keine weiteren Laboranalysen vor. Am Samstag waren zwei Säuglinge, die die mit Darmbakterien verschmutzte Flüssignahrung bekommen hatten, auf der Intensivstation der Uniklinik gestorben. Auf der Intensivstation der Mainzer Universitätsklinik wird heute weiter nach der genauen Ursache geforscht.
Wichtigstes Ziel sei aber nun vor allem, «dass wir alle anderen betroffenen Kinder über den Berg bringen», sagte Professor Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz, am späten Sonntagabend der Nachrichtenagentur dpa.
Denn zwei weitere Säuglinge, die ebenfalls die mit Darmbakterien verschmutzte Flüssignahrung bekommen hatten, schwebten zu dem Zeitpunkt in Lebensgefahr. Den Zustand von drei weiteren Kindern bezeichneten die Ärzte ebenfalls als kritisch. Insgesamt waren elf kleine Patienten auf der Intensivstation mit der verunreinigten Nährlösung versorgt worden.
«Wir sind schockiert über die aktuellen Ereignisse», sagte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Professor Norbert Pfeiffer. «Mit Hochdruck» werde nach der Ursache für die tragischen Todesfälle gesucht. Die Staatsanwaltschaft Mainz leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. Dabei müsse geklärt werden, an welcher Stelle die Infusion verschmutzt wurde, teilte die Behörde mit.
Die beiden Säuglinge, die am Samstag in der renommierten Klinik starben, litten an einem Herzfehler. Ein Säugling war acht Monate alt, der zweite - eine Frühgeburt - zwei Monate. Alle betroffenen Kinder - zehn Babys und ein fünfjähriges Kind - seien auf der Intensivstation mit schweren Erkrankungen behandelt worden, hieß es.
Darm-Bakterien im Tropf
Es sei wahrscheinlich, dass die Infusionslösungen bei der Herstellung in der Uniklinik mit Enterobacter-Bakterien verunreinigt wurden, teilte die Klinikleitung mit. Eine von 14 Untergruppen sei in zwei Blutproben nachgewiesen worden. Zudem sei eine zweite Untergruppe entdeckt worden, die aber noch nicht identifiziert wurde, sagte Pfeiffer. Es werde 24 bis 48 Stunden dauern, bis die Untergruppe genauer eingegrenzt werden könne.
Die Flüssignahrung wird aus neun Komponenten externer Hersteller in der Apotheke der Universitätsmedizin für jeden Patienten individuell hergestellt. Mit Handschuhen und in einem sterilen Raum werde die Lösung in kleine Infusionsbeutel gefüllt und immer abends für 24 Stunden angebracht. Bei der täglichen Überprüfung der Infusionen sei eine «Verkeimung» festgestellt worden. Sofort sei die Nutzung der Herstellungssysteme und Lösungen gestoppt worden. Alle Infusionen seien durch Präparate anderer Hersteller ersetzt worden.
Die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) zeigte sich nach dem Tod der Säuglinge bestürzt. Die genauen Umstände «dieser tragischen Ereignisse» müssten lückenlos aufgeklärt werden, sagte Ahnen, die Aufsichtsratsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz ist.
Das Polizeipräsidium Mainz bildete eine Sonderkommission. Die toten Säuglinge sollten noch am Sonntag in der Gerichtsmedizin Frankfurt obduziert werden, teilte die Polizei mit. Zudem wurde eine mikrobiologische Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Todesursache zu klären.
cvd/news.de/dpa
Eigenartig, wie schnell jeder darueber hinwegkommen wird, da es in einem Krankenhaus passiert ist. Waere es ein Privatunternehmen, dann wuerde man die 'Schuldigen' gleich in's Gericht zerren, usw. Ist es der weisse Kittel und das Krankenhaus-Milieu, vor dem viele Leute derartige Ehrfurcht haben? Die Eltern muessen mit Ihrem Schmerz leben, alles andere wird wegerklaert werden und 'so etwas soll nie wieder vorkommen;,usw.,wie gehabt.
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