UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat bei einer internationalen Geberkonferenz die Welt zur Hilfe für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. Denn es fehlt noch immer Geld. Doch die Mehrheit der Deutschen will laut einer Umfrage für Pakistan nicht spenden.
15 bis 20 Millionen Menschen seien durch die Flutkatastrophe in Pakistan in Not, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Donnerstag zum Auftakt einer internationalen Geberkonferenz bei den Vereinten Nationen in New York. «Pakistan ist mit einem Zeitlupen-TsunamiEin Tsunami ist eine meistens durch ein Seebeben ausgelöste, riesige Flutwelle. Die wörtliche Übersetzung ist "Hafenwelle". Im Dezember 2004 richtete so ein Tsunami in Thailand eine gewaltige Katastrophe mit 230.000 Toten an. konfrontiert.» Der Generalsekretär warnte mit Blick auf Vorhersagen, nach denen noch vier weitere Wochen Monsun zu erwarten seien: «Die zerstörerische Kraft wird...im Laufe der Zeit noch zunehmen.»
Auf der Tagung der UN-Vollversammlung sollte mehr Geld für die Opfer des Jahrhunderthochwassers beschafft werden. Zu der Konferenz war für die USA Außenministerin Hillary Clinton angereist. Berlin wurde von Außenamtsstaatsminister Werner Hoyer vertreten.
Bereits vor der Konferenz hatte ein UN-Sprecher mitgeteilt, dass die Vereinten Nationen voraussichtlich deutlich mehr Geld für die Flutopfer brauchen als bisher gedacht. Die geforderten knapp 460 Millionen Dollar (rund 357 Millionen Euro) Nothilfe reichten wahrscheinlich nicht aus, sagte Maurizio Giuliano vom UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in Islamabad. Er sprach von acht Millionen Flutopfern, die dringend Hilfe benötigten, zwei Millionen mehr als bisher geschätzt. Nach Angaben von Giuliano war bis zum Donnerstag von den bislang beantragten 357 Millionen Euro mehr als die Hälfte eingegangen. Neben diesen 231 Millionen gebe es Zusagen über weitere gut 41 Millionen Dollar, hieß es vor der Tagung weiter.
Bundesregierung stockt Hilfsgelder auf
Die Bundesregierung stockte ihre finanzielle Unterstützung für die Hochwasseropfer noch einmal auf. Die Gelder werden von bisher 15 Millionen Euro auf 25 Millionen Euro erhöht, wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mitteilte. Deutschland beteiligt sich auch an internationalen Hilfsmaßnahmen und stellt nach Regierungsangaben damit insgesamt 68 Millionen Euro zur Verfügung.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani ihr Mitgefühl aus. In einem Telefonat habe Merkel Gilani Unterstützung auch beim Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur zugesichert, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.
Nach Hoyers Angaben gehört Deutschland zu den größten Gebern. «Mehr Geld als wir stellen nur noch die USA und die großen Commonwealthländer Großbritannien, Kanada und Australien zur Verfügung», sagte er. Berlin denke da auch strategisch: «Pakistan ist eine Atommacht mit großen innenpolitischen Herausforderungen und Verwerfungen. Deren Bedeutung kann gar nicht überschätzt werden.» Das Land brauche kurzfristige Hilfe, dann aber auch eine langfristige Perspektive.
Clinton wollte auf der Konferenz ebenfalls eine Aufstockung der US-Hilfen ankündigen, hieß es im Washingtoner Außenamt. Bisher hatten die USA etwa 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bereits vor der Tagung hatte Clinton in einer Videobotschaft die Einrichtung eines Hilfsfonds bekanntgegeben, in den Amerikaner Spenden einzahlen können. Die Bilder aus Pakistan zeigten «menschliches Leiden wie es schlimmer nicht sein kann», erklärte die Ministerin.
«Bei der Reaktion auf eine Katastrophe sollte Politik keine Rolle spielen»
Unterdessen drängte die US-Regierung die pakistanische Regierung dazu, die vom Erzfeind Indien angebotene Fluthilfe anzunehmen. «Bei der Reaktion auf eine Katastrophe sollte Politik keine Rolle spielen», sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley. Indien hatte dem verfeindeten Nachbarland in der vergangenen Woche Hilfsgüter im Wert von 5 Millionen Dollar angeboten. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) kündigte unterdessen ein Zwei-Milliarden-Dollar-Paket für Nothilfe und Wiederaufbau in dem geschundenen Land an.
Wegen verschmutzten Trinkwassers bei der Jahrhundertflut starben drei weitere Kinder in einem Auffanglager in Karachi. Nach jüngsten Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA wurden bei den Fluten bisher insgesamt 1491 Menschen getötet und 2052 weitere verletzt. Fast eine Million Häuser wurden zerstört.
Die Mehrheit der Deutschen will nicht spenden
Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) will aber laut einer Umfrage trotz der sich zuspitzenden Lage in Pakisten für die Opfer der Flutkatastrophe kein Geld spenden. Zwölf Prozent der Bürger spendeten bereits, 24 Prozent wollen noch helfen, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend. Wie das ARD-Morgenmagazin berichtet, hatten nach dem Tsunami 2005 zu einem ähnlichen Zeitpunkt 62 Prozent der Deutschen Geld gespendet. 22 Prozent hatten noch vor zu helfen und 14 Prozent konnten oder wollten nicht spenden.
Weiter fragte Infratest jene Bürger, die einer Spende ablehnend gegenüberstanden, nach ihren Gründen. 40 Prozent haben kein Geld, 29 Prozent glauben, dass das Geld nicht an der richtigen Stelle ankommt. Acht Prozent spenden grundsätzlich nicht, für sieben Prozent ist Pakistan politisch nicht nah genug.
Laut Umfrage spenden fünf Prozent der Befragten anderweitig, drei Prozent sind die Probleme in Deutschland wichtiger. Zwei Prozent denken, dass die Politik für die Hilfe zuständig ist und ebenfalls zwei Prozent haben kein Vertrauen in den pakistanischen Staat. Infratest dimap befragte am 17. und 18. August 1000 Bundesbürger.
Lesen Sie zu der Spenden- und Hilfsbereitschaft der reichen Länder auch den Kommentar von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl.
sck/iwi/ivb/news.de/ddp/dpa