Sa., 26.05.12

Benaissa-Prozess 20.08.2010 Endlich wieder über Aids reden!

Nadja Benaissa vor Gericht (Foto)
Nadja Benaissa vor Gericht Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann

Weil abseits des üblichen Welt-Aids-Tags mal wieder über die Immunschwäche geredet wird, freuen sich Aids-Verbände über den Prozess gegen Nadja Benaissa. Auch, weil Medien stärker die Verantwortung der Sex-Partner diskutieren.

Es ist nicht 1. Dezember, es ist nicht Welt-Aids-Tag, an dem in den Medien die üblichen ein bis zwei Reportagen über die Immunschwäche-Krankheit zu lesen sind. Es ist Sommer - und Deutschland redet über die Verhütungs-Verantwortung beim Sex.

«Durch die Berichterstattung über den Benaissa-Prozess wird in der Bevölkerung stärker über Prävention diskutiert», freut sich Psychologe Karl Lemmen von der Deutschen Aids-Hilfe. Schließlich steigen die HIV-Infektionszahlen noch immer an. «Klar ist durch den Prozess auch: Alle Partner müssen beim Sex Verantwortung übernehmen. Die Frage der Verhütung nur an einen Partner zu delegieren, geht nicht.» 

Lange währt die Freude über die Aufmerksamkeit für die Krankheit bei der Deutschen Aids-Hilfe allerdings noch nicht. «Das war zu Beginn eine mediale Treibjagd gegen die Sängerin», sagt er. Vor allem die Bild-Zeitung habe im April vergangenen Jahres kräftig die Stimmung gegen den HIV-positiven Star angeheizt.

Es ging um den «gefallenen Popengel» Nadja B. «Muss Nadja zehn Jahre ins Gefängnis?», fragte Bild. «Schon als Kind war die Halbmarokkanerin oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten», wusste die Gala anlässlich der HIV-Haft zu berichten. Nur wenige Medien hätten nach der Verantwortung der Männer gefragt - und Nadja B. sei zum Star mit Stempel geworden. «Anfangs wurde das Problem zu einfach gesehen. Wer HIV-positiv ist, muss sich um den Schutz beim Sex kümmern, sonst wird er bestraft. Das war die Logik», sagt Karl Lemmen.

Wissenschaftler kritisiert mediengeile Staatsanwaltschaften

An der «Treibjagd» allerdings hatte auch die Darmstädter Staatsanwaltschaft ihren Anteil. Wegen des Vorwurfs «gefährliche Körperverletzung» ließ sie Benaissas Wohnung beschatten. Und weil die Sängerin ja nicht ständig zu Hause gewesen sei, so die Staatsanwaltschaft, musste sie bei einem Termin verhaftet werden, zu dem sie mit Sicherheit erscheinen würde: Ein Solo-Auftritt im Frankfurter Club «Nachtleben» am Osterwochenende 2009. Danach saß sie zehn Tage wegen Wiederholungsgefahr im Knast.

«Staatsanwaltschaften sind zunehmend mediengeil», sagt deshalb der Leipziger Journalistik-Professor Michael Haller. Ob  Vorwürfe wegen Vergewaltigung gegen Kachelmann oder die Unsafer-Sex-Verhaftung vom HIV-positiven Popstar Nadja B.: «Die Staatsanwaltschaften wissen, dass die Boulevardmedien auf die Melange aus Kriminalität, Sexualität und Prominenz stehen.» Die Medien würden mit Informationen gefüttert und damit in eine bestimmte Richtung instrumentalisiert. «Der Persönlichkeitsschutz der Beschuldigten scheint den Staatsanwaltschaften nicht mehr viel wert zu sein», sagt Haller.

Nadja Benaissa versuchte über ihre Anwälte, die Deutungshoheit wiederzugewinnen. Der Springer-Verlag, der etwa die mächtige Bild herausgibt, erhielt Post von ihnen - und sollte unter Androhung von 250.000 Euro Ordnungsgeld nicht weiter über den Fall berichten. Allerdings hielt sich der Verlag nicht daran, von einem Ordnungsgeld ist aber auch nichts bekannt.

Journalisten fragen nach der Verantwortung der Männer

Nur langsam habe sich die Bewertung der Vorwürfe gegen den No-Angels-Popstar in der Öffentlichkeit gewandelt, meint Aids-Hilfe-Psychologe Karl Lemmen. «Zunehmend fragen Journalisten und Blogger nach der Verantwortung der Männer, die sich über Safer Sex mit der Sängerin keine Gedanken gemacht haben», sagt er. Selbst die Bild-Zeitung sage mittlerweile, dass Verhütung eine geteilte Verantwortung sei.

Das sei eine ungeheuer wichtige Diskussion. «Es ist ein Erfolg für die Präventionsarbeit, wenn jetzt durch die Medien klargemacht wird, dass sich beim Sex alle Beteiligten um Verhütung kümmern und reden müssen.»  Zudem mache der Fall Nadja Benaissa deutlich, dass HIV vielleicht nicht mehr tödlich endet, aber mit Einschränkungen verbunden sei. «Bis hin zum Fakt, dass man für Sex vor Gericht landen kann.»

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA, freut sich über die Aufmerksamkeit für Prävention. «Die Medienberichterstattung ist gut. Aber wenn der Prozess vorbei ist, verschwindet das Thema schnell wieder aus den Medien», sagt Pressesprecherin Julia Jakob. Die BZgA-Kampagne «Gib Aids keine Chance» sorge dagegen ganzjährig für ein Grundrauschen in der Bevölkerung.

Aids-Hilfe fordert Umdenken in der Rechtssprechung

Für die Zukunft fordert die Aids-Hilfe ein Umdenken in der Rechtssprechung, wenn es um die Immunschwäche-Krankheit vor Gericht geht. Bisher hätten sich Richter an einem Bild von HIV orientiert, das mit hohen Übertragungswahrscheinlichkeiten, schnellem Siechtum und Tod verbunden gewesen sei. «Die HIV-Infektion ist aber inzwischen zu einer behandelbaren chronischen Erkrankung geworden. Wer sich heute mit HIV infiziert, kann bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung mit einer annähernd normalen Lebenserwartung rechnen.»

Hinzu komme, dass die Kriminalisierung des Unsafer-Sex dazu führen könne, dass Menschen sich nicht auf HIV testen lassen. Nach dem Motto: Wer nicht getestet sei, könne strafrechtlich auch nicht verantwortlich gemacht werden, befürchtet die Aids-Hilfe.

iwi/ivb/news.de
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Siobhan
  • Kommentar 4
  • 20.08.2010 14:59
 

was denkt sich dieses Mädchen wirklich. Wenn sie sich egal ist oder war, geht sie rücksichtslos mit dem Leben anderer um. Eine schlechte Jugend haben viele Menschen, aber sie tragen trotz allem Verantwortung. Sie wechselt die Männer, wie die Unterhosen, schützt sich nicht bei dem Verkehr, obwohl sie andere Menschen ansteckt und will noch Mitleid. Das Kind kann einem leid tun, denn auf es werden die Menschen einmal zeigen, wenn die Mutter nicht endlich aus der Öffentlichkeit verschwindet. Sie sollte eingesperrt werden und isoliert, damit sie nicht noch andere ansteckt. Ich habe kein Mitleid.

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 3
  • 20.08.2010 14:58
 

Es wird der Zwischenfall der Nadja gerademal an die grosse Glocke gehängt. Im Grossen und Ganzen hat der Sex heute nichts mehr mit einer Beziehung zwischen sich gernhabenden Leuten zu tun. Sex ist auf der ganzen Welt kommerzialisiert und Industrialisiert worden. Millionen von Sex-Filme und Videos demonstrieren es. Die Sex-Shops sind voll von diesen Produkten. Da ist es kaum verwunderlich, dass es zu solchen Ausmassen der Immunschwäche-Krankheit gekommen ist. Das wird aber von allen gutgeheissen, dann ist es eben so. Und wer es beanstandet, ist altmodisch und prüde.

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  • elly
  • Kommentar 2
  • 20.08.2010 14:10
 

Da Aids mittlerweile nicht mehr tödlich endet, ist Sie acuh keine Mörderin.

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  • SonyaFan
  • Kommentar 1
  • 20.08.2010 13:37
 

Warum wird diese Frau denn so in Schutz genommen?Wenn ich genau weiss dass ich Aids habe und schlafe dann ungeschützt mit einer Frau bin ich ein Mörder.Sie hat es getan und muss deshalb bestraft werden.Wenn sie aber jetzt so beschützt wird dann muss ich mich fragen was da in Deutschland abgeht.Verona wird nur noch niedergemacht weil sie Werbung für Kik macht aber andere dürfen dann seelenruhig Leute mit Aidas anstecken ohne Strafe.Verona hat meines Wissens noch keinen mit Aids angesteckt und auch sonst kein Verbrechen begangen.Daher lasst sie doch auch in Ruhe.

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