Von Woodstock nach Möpsestock
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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Artikel vom 22.08.2010
Wenn Männer oben ohne rumlaufen dürfen, wollen wir das auch. Findet eine Frauen-Bewegung in den USA und hat deshalb den 22. August zum Go-Topless-Day erklärt. Aber mal ehrlich: Fühlen wir uns oben ohne in der Fußgängerzone wirklich wohl?
Eigentlich ist es in Deutschland erlaubt. Zumindest nicht verboten, solange sich niemand ausgesprochen belästigt fühlt. Trotzdem fahren Frauen in der Regel nicht oben ohne Fahrrad und spielen auch nicht barbusig Fußball. Und wenn sie es doch tun, lassen sie sich vorher mit Farbe beschmieren und lassen außerdem zu, dass das Event unter «Sexy Soccer» vermarktet wird. Selbst schuld.
So richtig wohl und normal fühlen wir uns offenbar nicht ohne Bikini oder T-Shirt. Irgendwie entblößt, zumindest, wenn kein Strand als gesellschaftlich verabredeter Ort für Nacktheit in der Nähe ist. Obwohl adlige Engländerinnen im 17. Jahrhundert Busen zeigten, Mädchen in den 1920er Jahren ohne T-Shirt turnten, die '68er im Gerichtssaal zeigten, was eine Brust ist, Hippies sich die BHs vom Leibe brannten und Öko-Mamas sich in den 1980ern bei Still-Happenings gut fühlten, setzt in Sachen Topless einfach keine reine Entspannung ein. Schwedinnen erkämpften sich vor zwei Jahren unter lautem Trara das Recht, nicht nur am See, sondern auch im Freibad oben ohne zu planschen, doch haftet solchen Aktionen standhaft der Hauch von übermotiviertem feministischen Aktionismus an. Der so richtig nichts für niemanden erkämpft.
Neun amerikanische Städte gehen heute «oben ohne»
Es gibt jedoch Frauen, für die ist das ein Problem. In die eine wie in die andere Richtung. Wenn Paris Hilton oben ohne brutzelt, ist das ein gefundenes Fressen für Paparazzi. Wenn Hunderte Frauen heute in neun amerikanischen Städten oben ohne durch die Parks schlendern, ist das Protest. «Solange Männer oben ohne sein dürfen, sollten Frauen verfassungsgemäß das selbe Recht haben, oder Männer sollten auch gezwungen sein, ihre Brust zu bedecken», fordert Maitreya Rael. Sie ist die Mutter der amerikanischen Go-Topless-Bewegung und wird auch als deren spirituelle Führerin bezeichnet.
Obwohl in New York schon 1992 die öffentliche Barbusigkeit gerichtlich legalisiert worden ist, müssen Frauen an vielen Orten der Vereinigten Staaten immer noch Strafe befürchten, wenn sie öffentlich oben ohne gesichtet werden. Für Go Topless steht der Kampf für die Barbusigkeit deshalb in einer Reihe mit dem Wahlrecht, das Frauen in Amerika am 26. August 1920 eingeräumt wurde. Seit 1970 ist der 26. August deshalb als Tag der Gleichberechtigung der Frau in Amerika etabliert, und deshalb findet auch der Go-Topless-Tag im August statt.
Go Topless will Frauen und Männern helfen
«Wir helfen Frauen ebenso wie Männern», verkünden die Organisatorinnen. Männer sollen ihre Aktionen lehren, Nacktheit und Sexualität zu unterscheiden und ihre Triebe zu kontrollieren, Frauen sollen ihre Brust ebenso natürlich zeigen lernen wie Arme und Beine.
«From Woodstock to Boodstock» lautet ihr Motto, was zu Deutsch nur die holprige Übersetzung «Von Woodstock nach Möpsestock» hergibt. Was die damals in Woodstock konnten, können wir schon lange, soll es bedeuten.
Weil wir eben keine Naturvölker sind
Es ist diese ewige Diskussion, warum Frauen sich nicht genauso benehmen dürfen wie Männer. Ihnen gehe es nicht um Feminismus, sondern um Weiblichkeit, betonen die Go-Topless-Aktivistinnen. Aber gerade diese Weiblichkeit unterscheidet eine Frauen- eben von einer Männerbrust. Frauen gehen bei deren Anblick nur selten die Augen über, umgekehrt erleben sie oft genug, dass ein Blick im Dekolleté statt in ihren Augen landet. «Die weibliche Brust weckt den Zeugungsinstinkt des Mannes, die männliche Brust hat da keine Funktion», erklärt der Psychologe Kurt Seikowski den Unterschied.
Auch die Naturvölker, bei denen das alles kein Thema ist, taugen nicht so recht als Beweis für die kollektive Unterdrückung des weiblichen «Oben ohne». «Die erogene Zone wird dadurch, dass sie ständig präsent ist, weniger wahrgenommen», räumt Seikowski ein. Aber wir haben uns nun mal an das Tragen von Klamotten gewöhnt. Und möchten auf schicke Oberteile auch gar nicht verzichten.
Entspannen kann man sich letztlich nur, wenn man auch entspannt ist. Und bei der Arbeit, im Straßenverkehr oder beim Sport, wenn es nervig vor der Brust wackelt, ist für die meisten einfach nicht der Moment, sich schamfrei wie Eva zu fühlen. Und, mal ehrlich, Mädels und Jungs: Auf verschwitzte Bierbäuche in der Straßenbahn können wir eigentlich auch ganz gut verzichten.
/ivb/news.de
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In Afrika gibt es vermutlich nur wenige Freibäder, die mit deutschen vergleichbar sind. Dafür hat man aber im Gegenzug die Möglichkeit, dort in freier Natur gemeinsam mit Krokodilen baden zu können. Die wiederum gibt es hier zwar auch, sie sehen aber anders aus und haben im Normalfall vollgestopfte Taschen. Von afrikanischen Krokodilen hingegen ist mir nicht bekannt, dass sie Taschen haben.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo Felix Kroll, die Behauptung, nackt ist gleich sündenfrei steht bei mir auf einer Stufe mit der Behauptung, Politker seinen grundehrlich. So betrachtet verhalten sich oranisierte Nudisten wie Sektierer, und die wiederum sind alle grundgefährlich im Bezug auf ehrliche Freiheitheitsgedanken. Je mehr Vorschriften, desto mehr entsteht bei mir das Gefühl, hier werden keine freien, sondern wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Interessen zielstrebig gepflegt. Da sind mir die 70-er Jahre wesentlich besser in Erinnerung geblieben. Da badete mindestens an den Altrheinen jeder wie er wollte
jetzt antwortenKommentar meldenAdam und Eva liefen auch nackt herum und haben sich nicht geschämt. Soviel ich weiss, wurde dieser Zustand durch den Sündenfall beendet und die Menschen begannen sich zu schämen, und verhüllten ihre Blössen. Heute gehen wir wahrscheinlich wieder dem damaligen "paradiesischen" Zustand entgegen und die Menschen verlieren langsam wieder dieses offenbar unnatürliche Schamgefühl. Vielleicht ein Zeichen dafüf dass endlich die Sünden vergeben wurden. Der Klimawandel mit seiner Erderwärmung trägt natürlich auch ein Wenig dazu bei. Die Nudisten sind schon über 100 Jahre Sündenfrei.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Idee habe ich auch schon lange und habe mich auch mal demonstrativ oben ohne in unseren Park gesetzt. Dann hat mir eine Bekannte aber gleich einen BH geschenkt. Mich hat es auch schon genervt, dass wir da oft so unfrei sein müssen. Gerade im schwimmbad oder so kann das echt nerven und ich finde es hat auch nichts mit Gleichberechtigung zu tun, wenn einem Andere dies verbieten wollen. In Afrika ist das ja auch normal. Und wenn andere ein Problem damit haben sollen sie halt wegschauen.
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