Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Pakistan hat nur Nachteile: Es ist weit weg, es hat ein schlechtes Image als Terror- und Talibanstaat und jetzt fallen die Überschwemmungen auch noch mit Flut in Deutschland, Bränden in Russland und Schlamm in China zusammen. Aber das Land braucht Hilfe.
Warum interessiert uns eigentlich Pakistan nicht? Drei Menschen starben vor zehn Tagen in Görlitz durch das Hochwasser, news.de berichte einen ganzen Tag lang intensiv, war vor Ort, aktualisierte regelmäßig Pegelstände und Alarmstufen. Derweil sind in Pakistan zu dem Zeitpunkt bereits mehr als 1500 Menschen gestorben, 14 Millionen von der Flut betroffen - doch das ist uns nur alle zwei Tage eine Meldung wert. Als wir einige Tage zuvor über die Arbeit deutscher Hilfsorganisationen vor Ort berichteten, wollte es kaum jemand lesen.
Zu weit weg? Das war Haiti auch, und dennoch kamen allein bei der ZDF-Spendengala im Januar 20 Millionen Euro zusammen. Das ist mehr, als der Bund insgesamt für die 20 Millionen Betroffenen in Pakistan zur Verfügung gestellt hat - und in Haiti war eine halbe Million Menschen obdachlos. Weit weg ist auch das Mädchen in Afghanistan, der die Taliban Nase und Ohren abgeschnitten haben. Sie wird jetzt dank der medialen Aufmerksamkeit in den USA operiert.
«Nur militante Islamisten, die wollen die Welt beherrschen»
Maqbool Malik ist sehr froh darüber. Aber er findet es doch ungerecht, wenn über ein Mädchen so ausführlich berichtet wird und über seine 20 Millionen Landsleute so wenig. Malik ist pakistanischer Journalist bei der Deutschen Welle und lebt seit etwa 18 Jahren in Deutschland. Dass Deutsche so wenig für die Flutopfer in Pakistan spenden, liege natürlich an dem Bild, das die Medien vermitteln: «Wir Menschen entscheiden hauptsächlich über psychologische Abneigungen. Und das Bild von Pakistan ist: ‹Da sind nur militante Islamisten, die wollen die Welt beherrschen. Da will ich nicht spenden.›»
Nur ein bis zwei Millionen Euro haben die Deutschen bisher gespendet, schätzt das Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen. Liegt das wirklich nur an Pakistans schlechtem Image? Die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes, Svenja Koch, ist etwas vorsichtiger als Malik. Haiti habe damals als Katastrophe allein gestanden. «Jetzt sind wir umringt von Bränden in Russland, der Schlammlawine in China, der Ölpest. Katastrophen dominieren die Berichterstattung. Für viele Leute ist das zu viel. Sie machen die Zeitung nicht mehr auf», ist ihre Einschätzung. Es werde inzwischen auch mehr gespendet: «Seit Ende Juli ziehen die Spenden an.» Einen offiziellen Betrag kann sie allerdings noch nicht nennen.
Doch auch Svenja Koch nennt den Begriff der «menschengemachten Katastrophe», der im Zusammenhang mit Pakistan so oft fällt. «Es ist ein schrecklicher Gedanke», sagt sie, aber es denken eben viele, dieses «selbst Schuld». Schon vor dem Hochwasser waren Menschen unschuldig auf der Flucht vor Terror und Taliban, doch die Bereitschaft für sie zu spenden relativ gering.
Wann ist eine Katastrophe selbst gemacht?
Doch die Flut ist nun wirklich nicht selbst gemacht - und wenn das pakistanische Krisenmanagement kritisiert wird, ist dies ein Vorwurf, der jedem Entwicklungs- oder Schwellenland gemacht werden könnte. Ein Grund, den Opfern die Hilfe vorzuenthalten? Jeder achte Pakistaner ist Opfer der Flut, das sind mehr Menschen, als beim Tsunami 2004 und auf dem Beben auf Haiti zusammen. Kein Ort auf der Welt schreit derzeit so laut um Hilfe.
Die UNO hat eine klare Forderung an ihre Mitgliedsstaaten gestellt, und die heißt 460 Millionen Dollar, allein, um eine Notversorgung zu gewährleisten. «Das muss man doch kapieren. Die Deutschen sind normalerweise so spendenfreudig und so gewissenhaft», sagt Maqbool Malik und klingt ein bisschen resigniert und auch ein bisschen aufgebracht.
Er möchte nur, dass über die Katastrophe in seinem Land neutral berichtet wird, dass das Leiden der Menschen im Vordergrund steht. Und er wünscht sich, dass Pakistan in aller Munde ist, dass es zum Beispiel eine Spendengala mit Thomas Gottschalk gibt, wie sie doch im deutschen Fernsehen so erfolgreich sind. Doch Fakt ist: ARD, ZDF und RTL planen so etwas vorerst nicht. Zunächst müsse man die Hilfsbereitschaft durch Berichterstattung wecken, teilte das ZDF dem Nachrichtenmagazin Spiegel mit. «Zu entkräften ist vor allem die Sorge vieler Menschen, Spenden landeten bei den Taliban», sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann dem Magazin.
Spenden für Pakistan: (überall auch Online-Spenden möglich)
Deutsches Rotes Kreuz: Spendenkonto: 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 205 00
Stichwort: Pakistan
Malteser International: Spendenkonto 120 120 120, BLZ 370 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft), Verwendungszweck: Pakistan
Aktion Deutschland: Spendenkonto: 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: Flut Pakistan
Deutsche Welthungerhilfe, Kontonummer: 1115, Sparkasse KölnBonn, Bankleitzahl: 370 501 98
Caritas International, Spendenkonto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00.
Care: Spendenkonto 4 40 40, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 50 198
Uno-Flüchtlingshilfe: Konto Nr. 20008850, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98
Kindernothilfe: Spendenkonto 45 45 40, KD-Bank eG, BLZ 350 601 90, Stichwort: Z57344, Flüchtlingshilfe Pakistan
Misereor: Konto 10 10 10, PAX-Bank, BLZ 370 601 93
Diakonie: Spendenkonto 502 707, Postbank Stuttgart, BLZ: 600 100 70
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Vor einigen Tagen bei ntv zu sehen: Ein - sehr gottesfürchtiger- Muselmane steigt aus den Fluten und erklärt dem Reporter: "Ich habe alles verloren, nur den Koran habe ich retten können" - den er auch dem Reporter unter die Nase hält. Ich war gerührt ( und geschüttelt). Seine Ziegen, Esel und die Alte sind ersoffen - aber Hauptsache die islamische Bibel nicht. Mein Spendenbeitrag an den Chefmuft der Region ist schon per Luftfracht unterwegs: 10 kg gegrillte Schweinshaxen und 1 Kasten Bier.
jetzt antwortenKommentar meldenIch bin total gespalten, was Pakistan angeht. Einerseits denke ich, wenn der reiche Westen nicht hilft, helfen eben die Taliban. Andererseits habe ich aber das Gefühl, die Taliban sind so oder so die Nutznießer dieser Katastrophe, ganz egal wie wir uns verhalten. Meine Befürchtung ist, die westlichen Hilfsorganisationen werden sich in Pakistan abmühen und am Ende doch nur als Buhmänner dastehen.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo "Condor". Klingt so als ob Dein Alkoholproblem immer schlimmer wird. Nur Versager schreiben derartigen Müll. Das Wasser unterscheidet nicht zwischen Taliban und harmlosen Bauern.
jetzt antwortenKommentar meldenVon mir aus kann Pakistan komplett von der Welt gespült werden... ist doch kein Verlust... im Gegenteil... etwas weniger Terror auf dieser Welt
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