Im pakistanischen Swat-Tal ist nach der Flut der erste Fall von Cholera bestätigt worden. Die UN appellieren an die Mitgliedsstaaten, Hilfsgelder rascher auszuzahlen. Im Süden sind 400.000 Menschen zur Flucht vor der Flut aufgerufen.
Im Swat-Tal in Pakistan ist nach der Flutkatastrophe der erste Fall von Cholera bestätigt worden. Der Patient liege in einem Krankenhaus in Mingora im Nordwesten des Landes, teilte die Hilfsorganisation Malteser International am Freitag in Köln mit. Bislang war nur von Verdachtsfällen die Rede. Nun müsse alles gegen den Ausbruch einer Epidemie getan werden.
Das Hochwasser hatte das Swat-Tal nach dem Ausbruch der heftigen Monsunregenfälle besonders schwer getroffen. Experten weisen darauf hin, dass es in Pakistan auch in normalen Zeiten immer wieder zu Fällen der Durchfallerkrankung kommt.
Nach Angaben des pakistanischen Gesundheitsdienstes breiten sich auch Fieber, Magen- und Darmkrankheiten sowie Hautreizungen aus. Helfer befürchten, dass deshalb die Zahl der Toten weit über das bislang geschätzte Maß von 1500 Opfern steigen wird.
«Die Lage ist alarmierend»
In der Gegend rund um die Stadt Multan in der Provinz Punjab sind in den vergangenen drei Tagen mindestens 1000 Kinder mit Magen- und Darmbeschwerden registriert worden, wie der Krankenhausarzt Mumtaz Hussain am Freitag berichtete. Die USA kündigten an, den Aufbau von 15 Behandlungszentren mit drei Millionen Dollar zu unterstützen. «Die Lage ist alarmierend», erklärte Hussain. Sein Krankenhaus habe in der Umgebung zwölf Lager errichtet, um den Patienten zu helfen.
Die Vereinten Nationen warnen, dass die Krise noch lange nicht überstanden ist. Es drohten weitere Überschwemmungen, denen die Dämme in der bevölkerungsreichen Provinz Sindh in den kommenden Tagen möglicherweise nicht standhalten könnten. Schätzungsweise ein Viertel des Landes sei vom Hochwasser betroffen. Die UN haben 460 Millionen Dollar (rund 350 Millionen Euro) an Soforthilfe erbeten, um den Opfern Zelte, Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und Medikamente zu bringen und die hygienischen Verhältnisse zu verbessern.
Außerdem haben die Vereinten Nationen an ihre Mitgliedsstaaten appelliert, das zugesagte Geld im Kampf gegen die Flutkatastrophe rascher auszuzahlen. Von den tags zuvor in New York beantragten etwa 460 sei erst ein Fünftel fest zugesagt oder bereitgestellt worden, sagte eine Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA).
Zehn Millionen Euro aus Deutschland
Bisher größter Geber bleibt nach UN-Angaben vom Freitag Großbritannien mit mehr als 40 Millionen US-Dollar. Die USA haben bislang über 70 Millionen Dollar (54 Millionen Euro) gespendet und ein Trägerschiff mit 19 Hubschraubern zur Hilfe für die Bevölkerung entsandt. Deutschland stockte am Mittwoch seine Hilfe von fünf auf zehn Millionen Euro auf.
In Deutschland fordern Hilfsorganisationen aber von der Bundesregierung noch mehr Hilfe für das asiatische Land. Zugleich baten die großen Hilfsorganisationen unter dem Dach der «Aktion Deutschland hilft» um weitere private Spenden. «Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit lokalen Partnern vor Ort ist die ehrliche und direkte Verwendung der Spenden garantiert», versprach Scharrenbroich.
Die Internationale Organisation für Migration sprach von mehr als 720.000 zerstörten oder beschädigten Häusern, das UN-Flüchtlingshilfswerk stellte 55.000 Zelte bereit.
Sicherheitslage weiter angespannt
Auch die Sicherheitslage bleibt angespannt. Vor allem in der Grenzregion zu Afghanistan gebe es «eine Verbindung zwischen örtlichen politischen Einheiten und anhaltender bewaffneter Gewalt», sagte ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Berichten zufolge versuchen Taliban-Aktivisten, durch eigene Hilfen für die Flutopfer Sympathien in der Bevölkerung zu gewinnen.
Die Dimension der Katastrophe einzuschätzen, bleibe schwierig, hieß es beim IKRK. Man müsse Verständnis für die teils verwirrenden Angaben verschiedener Organisationen zur Zahl der Flutopfer haben: «Wir erkennen die Angaben der UN an. Denn es ist uns nicht möglich, das genaue Ausmaß jetzt schon zu messen.»
Die Überschwemmung gilt als die größte Naturkatastrophe in der Geschichte Pakistans, das 1947 seine Unabhängigkeit erlangte. Die angerichteten Ernteausfälle und die Schäden an Brücken und Straßen haben zu einer Verdreifachung der Lebensmittelpreise in Teilen des Landes geführt.
Flutwarnung im Süden
Nach einer Flutwarnung für die südpakistanische Stadt Jacobabad haben die Behörden die etwa 400.000 Einwohner jetzt zur Flucht aufgerufen. Tausende Menschen brachten sich am Freitag mit Autos, auf Traktoranhängern oder auf Eselskarren in Sicherheit. Das Hochwasser im Noorwah-Kanal könne jederzeit über die Ufer treten, sagte der Verwaltungschef des Distrikts Jacobabad, Kazim Ali Jatoi. Zahlreiche Bewohner weigerten sich aber, ihre Häuser und Besitztümer zurückzulassen.
«Ich habe eine Warnung herausgegeben, aber ich habe nicht genug Mittel, um eine Evakuierung zu erzwingen», sagte Jatoi. Zu denjenigen, die sich weigerten zu fliehen, gehörte der 46-jährige Noor Mohammad. «Ich habe meine Frau, meinen alten Vater und drei Kinder an einen anderen Ort gebracht, aber ich werde hierbleiben, um meinen Besitz zu schützen», sagte er. «Wohin sollte ich mein Eigentum bringen? Es ist überall Wasser.»
Jacobabad in der Provinz Sindh ist die zweite größere Stadt in Pakistan, die seit Beginn der Jahrhundertflut evakuiert wird.
Die Regierung in Islamabad will ihre Anstrengungen zur Hilfe für die Opfer weiter verstärken. Das teilte das Büro von Präsident Asif Ali Zardari nach einem mehr als zweistündigen Treffen des Staatsoberhaupts mit Premierminister Yousuf Raza Gilani am Donnerstagabend in Islamabad mit. Der Premierminister sagte, das Ausmaß der Schäden könnte weitaus größer sein, als erste Schätzungen andeuteten.
Zardari und Gilani beschlossen, ein Treffen mit Vertretern der Provinzen und der politischen Parteien einzuberufen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind etwa 14 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen, davon sechs Millionen Kinder. Sechs Millionen Flutopfer benötigen dringend Hilfe.
sck/reu/news.de/dpa/ap
jetzt können wir nur hoffen das der atomregen der ja immer verherende massen mit sich bringt, nicht noch mehr schaden anrichtet, der G A U steht vor der tür, wenn er nicht schon drinnen ist. gn kathie
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