Sa., 26.05.12

Geldbuße 11.08.2010 Kevin-Prozess vor dem Ende

Prozess um Kevin (Foto)
Der staatliche Amtsvormund für den kleinen Kevin, Bert K. Bild: dpa

Im Prozess um den Tod des kleinen Kevin aus Bremen haben sich Anklage und Verteidigung für eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße ausgesprochen.

Das Versagen des Staates und das Martyrium Kevins sind gegenwärtig. Ein Leben im Drogen- und Alkoholmilieu und die Qualen des zwei Jahre alten Jungen sind in Bremen zum zweiten Mal Gegenstand eines Prozesses. Gegen eine Geldbuße steht dieser nun vor der Einstellung.

Das Landgericht schlug am Mittwoch ein Ende der Verhandlung gegen den früheren Amtsvormund des Jungen gegen eine Geldauflage von 5000 Euro vor. Die Prozessbeteiligten müssen nun entscheiden, ob sie diesen Vorschlag akzeptieren. Einen Beschluss will das Gericht am 25. August verkünden.

Der Amtsvormund muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der schwer misshandelte Junge war am 10. Oktober 2006 eingewickelt in Säcke tot im Kühlschrank seines Ziehvaters entdeckt worden. Als die Jugendbehörde nach zahlreichen Hinweisen auf Misshandlungen sich zum Eingreifen entschlossen hatte, war es für den Jungen Wochen, wenn nicht gar Monate zu spät.

Zuständige Behörden waren unterbesetzt

Wie schon im ersten Verfahren gegen Kevins Ziehvater vom Oktober 2007 bis Juni 2008 und auch in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss machte der Prozess gegen den Amtsvormund die Gräuel gegen das Kind wieder allgegenwärtig. Und wieder zeigte sich, die zuständigen Behörden waren unterbesetzt, die Arbeit für die Amtsvormunde kaum zu leisten.

Wenn man zwei Minuten pro Mündel pro Woche habe, könne man sich kein eigenes Bild von dem Kind machen, sagte denn auch ein Sachverständiger am Mittwoch vor dem Landgericht zu der hohen Arbeitsbelastung der Amtsvormunde. Da sei man auf die Informationen Dritter angewiesen. Und so hatte auch schon der angeklagte, pensionierte Sozialarbeiter zum Auftakt des Verfahrens klargestellt: «Die Anklage kann ich nicht akzeptieren. Sie beurteilt nur rückwirkend und ist nicht fair.» Es sei seit dem Tod Kevins kein Tag vergangenen, an dem er nicht an den Jungen gedacht habe.

Die Informationen Dritter: Dazu gehörte bei den schicksalhaften Fehlentscheidungen im Fall des kleinen Kevin nach Auffassung der Anklage auch der direkt für den Jungen zuständige Sozialarbeiter. Eigentlich sollte er mit dem Amtsvormund gemeinsam auf der Anklagebank sitzen, doch das Verfahren wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt. Mit einem Ende des jetzt laufenden Prozesses wäre die juristische Aufarbeitung von Kevins Tod nicht zwingend abgeschlossen. Theoretisch könnte erneut ein Verfahren gegen den Sozialarbeiter eingeleitet werden, auf den sich der größte Teil der Anklage bezieht.

Prozess-Einstellung erzürnt Deutsche Kinderhilfe

Der Vorschlag, den Prozess gegen den Amtsvormund einzustellen, kam direkt von der Vorsitzenden Richterin Barbara Lätzel. Durch das Bild, das sich aus der bisherigen Beweisaufnahme ergeben habe, könne zwar nicht von einem Freispruch ausgegangen werden. Doch würde das Gericht sehr wohl sehen, unter welchen Bedingungen die Arbeit der Amtsvormunde damals stattgefunden habe.

Heftige Kritik an dem möglichen Ende des Verfahrens übte die Deutsche Kinderhilfe und sprach von einem «beschämenden Kuhhandel». «Verzögerung, Verschleppung und Vertuschung» zögen sich wie ein roter Faden durch den Fall Kevin. Die Ermittlungen gegen den Amtsvormund und den zuständigen Fallarbeiter seien hinausgezögert worden. Die Kritik hatte die Bremer Justiz wegen der immensen Aktenlage bereits mehrfach vehement zurückgewiesen.

Sollte der Prozess am 25. August nicht enden, könnte sich das Verfahren voraussichtlich noch Wochen hinziehen. Dann könnte auch der Ziehvater Kevins in den Zeugenstand gerufen werden. Er war im Juni 2008 wegen Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Misshandlungen zu zehn Jahren Haft und Einweisung in eine Entziehungsanstalt verurteilt worden. Er soll nach Angaben einer Polizistin nach dem Leichenfund gesagt haben: «Das Jugendamt trifft keine Schuld, ich bin das Schwein.»

jag/ivb/news.de/dpa
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • eine mutter
  • Kommentar 2
  • 29.03.2012 22:19
 

unglaublich...erschreckend..lieber kevin verzeihe der welt die dich nicht gerettet hat. ich fuehle mich mitschuldig...

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  • Michael Gardeleben
  • Kommentar 1
  • 29.09.2010 08:11
 

kinder sind unsere zukunft,aber die zerstören wir ja mit leidenschaft.....

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