Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Eine neue Studie übt scharfe Kritik an Lehrern: Jungs, die Kevin oder Justin heißen, bekommen schlechtere Noten als Mitschüler mit den Vornamen Maximillian oder Jakob. Lehrerverbände laufen gegen die Vorwürfe jetzt Sturm.
Lang ist es her: In den 1970er Jahren galt Kevin in Deutschland als «extravagant-keltischer Name, der auf ein reflektiertes Elternhaus hinweist», sagt die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Professor Dr. Astrid Kaiser. Der Schlag für den Vornamen kam am 17. Januar 1991 – und zwar in die Kinos. Kevin – Allein zu Haus feierte Premiere. «Seither wird der Name verstärkt in der Unterschicht vergeben», so die Wissenschaftlerin.
Für Kaiser ist das nicht überraschend. Sie ziitiert den Soziologen Georg Simmel. Der hat schon 1905 geschrieben, dass Moden, und dazu gehören auch Namen, immer Klassenmoden sind. Und wenn die Unterschicht beginnt, die Mode der höheren Schicht zu übernehmen – dann verabschieden sich die Elitären, die Akademiker von ihrer Mode. Und wenden sich neuen Namen zu.
Namen, die in das «bildungsferne Milieu» abwandern, sind nun mit Vorurteilen belastet. So konnte die Wissenschaftlerin Kaiser im vergangenen Jahr nachweisen, dass Grundschullehrer mit den Namen Kevin, Justin, Jaqueline oder Mandy vor allem eines verbinden: Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit. Bis zu 80 Prozent der rund 2000 befragten Lehrer dachten so. «Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose», antworteten die Pädagogen im Fragebogen.
Lehrer geben unterschiedliche Noten für identischen Text
Astrid Kaiser war schockiert. «Solch hohe Prozentzahlen bei den Antworten hatte ich noch nie.» Sie forschte weiter, Ende August soll die neue Studie erscheinen. Darin hat die Erziehungswissenschaftlerin untersucht, ob die Namens-Vorurteile auch mit schlechteren Noten einhergehen. Dazu hat sie den Text eines Viertklässlers über Elektrizität mit kleinen Zetteln versehen, auf dem 30 unterschiedliche Vornamen standen.
Jungs, die Kevin oder Justin heißen, wurden von den 260 Grundschullehrern aus ganz Deutschland durchweg schlechter bewertetDie Lehrer konnten zwischen 0 und 10 Punkten für den Text vergeben. Kevin erhielt für die Rechtschreibung im Schnitt 5,41 Punkte, Maximillian dagegen 5,86 Punkte. Ähnliches gilt für die Bewertung des Inhaltes: Justin erhielt 4,41 Punkte, Jakob dagegen 4,79 Punkte. als ein Maximillian oder Jakob - obwohl der Text identisch war. Bei den Mädchen gab es hingegen keine Unterschiede zwischen einer Charlotte und einer Chantal.
Warum Lehrer bei Jungennamen stärker in der Benotung unterscheiden, bei Mädchen hingegen nicht, kann sich Kaiser auch nicht erklären. Aber für sie steht jetzt fest: «Die Notengebung in der Schule ist völlig willkürlich.» Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar.
Wissenschaftler empfehlen zeitlose Namen
Lehrervertreter bezeichnen den Zusammenhang zwischen Vornamen und Notengebung als abenteuerlich. «Mit dieser Studie erst werden Namens-Klischees geschaffen», echauffiert sich Rolf Busch, Vize-Chef des Verbands Bildung und Erziehung. Allerdings räumt auch er ein: «Die Notengebung kann subjektiv sein. Schließlich bewertet ein Mensch und keine Maschine. Was da im Unterbewusstsein abläuft, weiß man nicht», sagt Busch, dessen Verband 140.000 Erzieher und Lehrer vertritt.
Sicher aber sei durch die Pisa-Studie eins: Kinder aus der Mittelschicht hätten bei gleichem Leistungsstand eine sechs Mal höhere Wahrscheinlichkeit als ein Kind aus bildungsferneren Schichten, nach der Grundschule eine Empfehlung fürs Gymnasium zu erhalten.
Eine Namensempfehlung für werdende Eltern hat die Wissenschaft auch parat. Der Chemnitzer Psychologieprofessor Prof. Dr. Udo Rudolph rät zu zeitlosen Vornamen wie Alexander, Michael, Anna oder Claudia. Dagegen würden die «Kevins, Lauras und Leons von heute vermutlich in 50 Jahren als altmodisch und wenig attraktiv assoziiert», warnt er.
iwi/reu/news.de
Die komplette Schulpolitik,sowie das Handeln und Tun der sogenannten Pädagogen sollte doch neu überarbeitet werden, nur noch Humbug. Über die Schullaufbahn meiner 8-jährigen ! Zwillinge könnte ich ein Buch schreiben. Es würde ein Bestseller
jetzt antwortenKommentar meldenNun, dass die Notengebung in der Schule vollkommen willkürlich ist, DAS sollte inzwischen die ganze Welt begriffen haben. So etwas hat jeder schon in seiner Schulzeit erlebt oder erlebt es noch oder wird es noch erleben. Bei mir spielte sich damals ein wahres Drama ab - ein Mädchen mit dem Namen Leonie (schriftlich zu 90 Prozent eins) ungefähr jede dritte Woche etwas und bekam alle Einsen in der mündlichen Mitarbeit. Warum? Weil sie alle drei Wochen die Klappe aufgerissen hat und 2 Sätze formuliert hat, die einem Akademiker die ehre erwiesen hätten. Das war alles.
jetzt antwortenKommentar melden