Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Nachdem die Flut durch Sachsen gerollt ist, kommt immer mehr Kritik von Anwohnern: Sie seien zu spät informiert worden. Die Behörden schieben den schwarzen Peter den Nachbarländern Polen und Tschechien zu.
Das Wasser stand im Erdgeschoss, Schlamm bleibt jetzt zurück: Sebastian Wenger aus Görlitz ist sauer. Der Betreiber einer Pension in der Uferstraße erhielt am Samstagmorgen gegen 10 Uhr einen Anruf: Alarmstufe eins für die Stadt an der Neiße. «Danach habe ich von offizieller Seite nichts mehr gehört.» Obwohl der Pegel binnen Stunden auf sieben Meter anstieg sei erst am Abend Alarmstufe vier ausgerufen worden. Die Trägheit der Behörden stößt ihm bitter auf.
Der Unmut in Sachsen über den schnellen Wasser-, aber langsamen Informationsfluss wächst. So schnell, dass sich der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Montag offenbar in der Pflicht zu Reue sah. Er habe Verständnis für die Kritik von einzelnen Bürgern, zu spät über die Hochwassergefahr informiert worden zu sein. Es müsse jedem Einzelfall nachgegangen werden. «Aber aus der Perspektive des Landes und den Erfahrungen der letzten beiden Tage kann ich berichten, dass der Großteil der Menschen zufrieden gewesen ist.»
Allerdings sei das grenzüberschreitende Informationssystem verbesserungswürdig. «Daran wird man arbeiten müssen.» Auch die sächsische Landeshochwasserzentrale sieht die Nachbarländer in der Pflicht. Leiter Uwe Höhne verweist auf zu wenig Messpegel in Polen und Tschechien. «Wenn die Messstellen dort fehlen, können wir auch keine präzise Vorhersage der Wasserstände treffen.»
Die Lage für die Behörden sei am Samstag äußerst unübersichtlich gewesen, vor allem durch den Bruch des Staudamms an der polnischen Talsperre Niedow: «Die polnischen Behörden haben uns sofort informiert. Aber wenn ein Staudamm bricht, dann fließt das Wasser eben rasant», so der Leiter der Landeshochwasserzentrale. Sehen Sie hierzu auch den news.de-Videokommentar.
Wenn Behörden im Spiel sind, dauert es immer bis nach dem Ereignis. Vorsorgliches Handeln, wie eben beim zu erwartenden Hochwasser wird nicht als Auftrag empfunden. Es ist den Behörden immer ein Phänomen, das etwas passiert, was nicht vorher sehbar war.
jetzt antwortenKommentar melden