Nach der Flut kommen die Fragen
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert, Görlitz
Artikel vom 09.08.2010
In den Straßen von Görlitz trocknet der Schlamm. Das Wasser der Neiße geht zurück. Nicht ganz so schnell, wie es gekommen ist, aber schneller als die Bewohner von Görlitz gedacht hatten. Florian Seidel darf zurück in sein Haus - und versucht, die Versicherung zu erreichen.
Die Filiale des Versicherungsvertreters in Görlitz hat geschlossen. Florian Seidel steht davor und schreibt sich die Handynummer ab. Hier oben, weit genug über der Neiße, ist von der Flut nichts zu sehen, die bis gestern in Görlitz' Gassen stand. Auch der Fluss unten im Tal führt das Wasser wieder gelassen durch sein Bett. An seinen Flanken hat er nur den Schlamm zurückgelassen, von dem Fabian Seidel heute schon mindestens zehn Eimer aus seinem Haus in der Uferstraße getragen hat.
Hochwasser ist in Sachsen ein Schreckenswort. Seit 2002 ist das so, als die Elbe ganze Dörfer an ihrem Lauf mitriss. An der Neiße, die Deutschland von Tschechien teilt, wissen die Menschen nur aus dem Fernsehen, dass das damals eine Jahrhundertflut gewesen sein soll. Sie selbst hat es dieses Mal schlimmer getroffen. Und jetzt kommen die Fragen: Wie schlimm ist es? Wo bekomme ich Hilfe? Wer kommt für den Schaden auf? Manche haben gar keine Versicherung, weil das viel zu teuer wäre - wie Sebastian Wenger, Besitzer der Pension Picobello, die es besonders hart getroffen hat.
Anderthalb Meter hoch stand das Wasser in Florian Seidels Haus. Er wohnt ganz oben, seine Wohnung ist trocken geblieben. «Der Flügel ist noch heil», sagt er und lacht aufgekratzt. An seiner Brille trocknet ein brauner Tropfen. Die vergangenen beiden Nächte hat er auf einem Feldbett in einer Turnhalle geschlafen. «Verbracht», korrigiert er sich und tritt gegen den Schlauch, der das Wasser aus seinem Keller pumpt.
Die Möbel tropfen in dunklem Braun
Es riecht modrig und nach dem Benzin der Stromgeneratoren. Im Keller steht das, weswegen Florian Seidel seinen Versicherungsvertreter sprechen will: Eine alte Kommode und ein Kleiderschrank. Ab Brusthöhe haben die Möbel noch die Farbe von Birkenholz, darunter tropfen sie in dunklem Braun. Florian Seidel wollte sie in den nächsten Tagen in die Wohnung holen, er streicht gerade die Wände in seinem Wohnzimmer. Ob er schon weiß, wie hoch der Schaden ist? «2350 Euro», sagt er sofort. Die Möbel hat er erst neulich angeschafft.
Sie zu retten, dazu blieb ihm keine Zeit. «Das Wasser stieg pro Zigarettenlänge um soviel». Er zeigt es mit den Händen an, 20, vielleicht 25 Zentimeter. Zwischen seinen Fingern qualmt es. «Das war schlimmer als 2002, viel schlimmer.» Draußen tasten sich vier Frauen mit Wanderrucksäcken und Stadtplänen durch den Schlamm. Florian Seidel bemerkt sie nicht, er schiebt mit einem Besen das restliche Wasser, das die Pumpen zurückgelassen haben, aus seinem Keller.
iwi/ivb/news.de
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schon schlimm das
jetzt antwortenKommentar meldenUnbekannt sind die Hochwassersituationen nicht, wohl aber der Wille, wirksame Vorkehrungen für die nahe Zukunft zu schaffen. Es reicht nicht, Erklärungen zur Unausweichbarkeit von diesen Ereignissen abzugeben. Hochwasserschutz heißt: 1. Das Durchflußprofil zwischen min. und max. Pegel für Ergänzungsbauwerke zu messen 2. Die Bebauung in dem max. Profil zu räumen 3. Flutungsbecken, u.a. Tagebaurestlöcher mit Zulaufbauwerken aus dem Flußbett zu errichten 4. Brückenbauwerke drehbar, schwenkbar,klappbar zu machen Von diesen Maßnahmen wurde bisher keine realisiert.
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