Sa., 26.05.12

Hochwasser 09.08.2010 Katastrophenalarm in Brandenburg

Hochwasser im Fuerst-Pueckler-Park (Foto)
Die Talsperre Spremberg. Bild: ddp

Die Flutwelle mit stark steigenden Pegeln an Neiße und Spree hat Brandenburg erreicht: Seit Montagabend gilt im Landkreis Spree-Neiße und in Cottbus Katastrophenalarm, wie der Krisenstab in Potsdam berichtete.

Regierungschef Matthias Platzeck warnte, die Lage sei höchst angespannt. Voraussichtlich sind keine Evakuierungen nötig. Helfer hielten sich aber bereit. Im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien zog das Neiße-Hochwasser eine Spur der Verwüstung. In Sachsen, wo das Wasser sank, richtete die «Blitz-Flut» Millionenschäden an. Überflutet wurde auch Bad Muskau mitsamt dem Fürst-Pückler-Park, der auf der UNESCO-Liste des Welterbes steht. Nach Angaben des sächsischen Krisenstabes wurde die Hochwassermarke von 1981 aber deutlich unterschritten. Das Schloss und die Stadt wurden nicht so stark getroffen wie zunächst befürchtet.

In Brandenburg gelten am (morgigen) Dienstag die 100 Einwohner des Dorfes Pusack nördlich von Bad Muskau an der Neiße als besonders gefährdet. Dort kann wegen einer Lücke im Deich an einem Flussabzweig Wasser in den Ort laufen, wie Platzeck erläuterte. In Guben 65 Kilometer flussabwärts sei ein Krankenhaus gefährdet. Auch dort seien die Behörden auf eine Evakuierung vorbereitet. Mittlerweile wurden Zehntausende Sandsäcke in der Region vorbereitet.

Flut auch in der Oberlausitz

Auch an der in der sächsischen Oberlausitz entspringenden Spree erwarten die Fachleute eine Flut wie zuletzt vor fast 30 Jahren. Dort könne aber viel Wasser in der Talsperre Spremberg zwischengespeichert werden, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. In den vergangenen Wochen war der Speicher wegen Bauarbeiten deutlich entleert worden. Der Stauraum kann jetzt helfen, Wasser nur dosiert in Richtung Spreewald abzugeben.

Trotzdem werde in den kommenden Tagen mehr als das Zehnfache der derzeitigen Wassermenge die Spree hinab fließen, kündigte Freude an. Es sei damit zu rechnen, dass Felder und Gärten überflutet werden. Für Berlin sei allerdings nur ein geringer Anstieg des Pegels zu erwarten, weil zwischen Spremberg und der Hauptstadt der Spreewald wie ein natürlicher Speicher wirke. Dort könne viel Wasser ablaufen, zudem könne auch der Müggelsee im Südosten Berlins noch viel aufnehmen.

Entwarnung gaben die Experten auch für die Oder, wo die Neiße in Ratzdorf südlich von Eisenhüttenstadt einmündet. Der Fluss, der erst im Frühsommer über die Ufer getreten war, führe derzeit sehr wenig Wasser und könne viel aus der Neiße aufnehmen, hieß es.

Im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien war die Ortschaft Bogatynia im polnischen Teil der Oberlausitz mit am schwersten betroffen war, wo die Straßen mit Trümmern übersät waren. Zahlreiche Häuser und Straßen sowie eine Neiße-Brücke wurden schwer beschädigt.

Trotz fallender Pegel war die Lage auch in Ostsachsen angespannt, wie der sächsische Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) in Zittau sagte.

Südlich von Bad Muskau brach ein maroder Deich. Vorsorglich waren bereits zuvor mehr als 100 Menschen aus den Dörfern Sagar und Podrosche in Sicherheit gebracht worden. Die Häuser wurden überspült.

Hilfen in Aussicht gestellt

Das Land Sachsen kündigte für die Opfer der Hochwasserkatastrophe ein millionenschweres Soforthilfeprogramm an. Tillich sagte, es zinsverbilligte Darlehen im Volumen von 100 Millionen Euro geben, damit umgehend der Wiederaufbau in Angriff genommen werden könne. Er geht nach eigenen Worten davon aus, dass auch der Bund etwas beiträgt. Dazu soll es am Dienstag Gespräche mit Vertretern des Bundes geben.

Tillich verwies darauf, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei einem Besuch in der Flutregion bereits deutlich gemacht habe, dass es ein «Gemeinschaftswerk» von Bund und Freistaat geben werde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) erkundigten sich nach seinen Worten bereits nach der Situation und boten Hilfe an. Der in Sachsen entstandene Schaden erreicht nach ersten Schätzungen der Dresdner Regierung mindestens einen dreistelligen Millionenbetrag.

iwi/sck/news.de/ap
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Hans Albers
  • Kommentar 1
  • 09.08.2010 16:53
 

Was gibt es dazu schon zu sagen, ausser: Die Natur rächt sich an dem Raubbau der Flußbegradigungen und Betonierung der Ufergelände u.s.w. Solange die Arbeitsplätze vor dem Umweltschutz stehen und die Menschen sich zügellos vermehren dürfen,wird der Mensch sich die Umweltprobleme nur noch verschärfen. Diese Probleme sind allgemein bekannt, nur beachtet werden sie nicht. Es wird wohl in aller Welt darüber gesprochen, nur gehandelt wird leider nicht. Das wars !! H.A.

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