Sa., 26.05.12

Gay Games 2010 04.08.2010 Weil Frauen sich sanfter anfühlen

Sharon und Barbara (Foto)
Sharon Washington (links) und Barbara Zoloth aus Berkley/Kalifornien sind nicht nur auf dem Tanzparkett ein Paar. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Köln

Sie kommen aus den USA, Sri Lanka oder Neuseeland und sie sind homosexuell: Bei den Gay Games in Köln treten 10.000 Sportler aus 70 Nationen gegeneinander an. Besonders emotional: Wenn Frauen mit Frauen Standard tanzen.

Beim Jive rempelt die Zwei die Fünf an. Schnell wirbeln die Paare der Männer-35plus-Qualifikation über den Tanzboden des Maritimhotels in Köln. Ludwig und Stefan lächeln Peter und Klaus an. Der Rempler? Ein Versehen. Die Posen werden wieder eingenommen, Köpfe zurückgeworfen, Beine leicht eingeknickt, Hintern herausgestreckt. Die Paare tanzen weiter.

Bei den achten Gay Games, so etwas wie den homosexuellen Olympischen Spielen, in Köln treten über 40 Männer- und fast 100 Frauenpaare in Standard- und Lateintänzen gegeneinander an. Männer führen Männer und Frauen lassen sich von Frauen übers Parkett schieben.

So wie Sharon. Die 49-Jährige trägt ein schwarz-blau glitzerndes, wallendes Kleid, dazu ein schwarzes Tuch, das ihren Kopf umhüllt, die Pumps sind halsbrecherisch hoch. Ihre Partnerin tanzt in schwarz-weißem, spitz zulaufenden Fred-Astaire-Schuhwerk, zum Kleid passendem Hemd mit Weste und schwarzer Hose. «Ich mag es auch, mit Männern zu tanzen, aber mit einer Frau fühlt es sich einfach sanfter an», sagt die US-Amerikanerin Sharon. Und deshalb darf Barbara sie herumwirbeln. Die beiden sind eigentlich gar kein Tanz-, sondern ein Liebespaar. Erst seit vier Wochen trainieren sie zusammen, weil ihre jeweiligen Partnerinnen keine Zeit hatten, von Kalifornien nach Köln zu kommen.

Die 66-jährige Barbara würde nicht mit Männern tanzen. «Ich liebe es zu führen. Außerdem liebe ich Frauen, ich liebe es, mit ihnen eine Verbindung aufzubauen - also ist es nur logisch, dass ich es auch liebe, mit ihnen zu tanzen.» Während sie das sagt, schreiten die Männerpaare in Fräcken, Smokings und Glitzeranzügen auf den hell beleuchtenden Tanzboden.

Beäugt werden die Paare von einer internationalen Jury aus Trainern und Profitänzern. Wie Oliver Seefeldt, bekannt durch die RTL-Sendung Let's Dance, bei der er als Partner von Sängerin Katja Ebstein und Schauspielerin Wolke Hegenbarth fungierte. Als er die Punkte für die Tänzer aufschreibt, bewegen sich seine Beine wie automatisch zur Musik.

Gay Games
Sportlicher Protest
Video: news.de

Einigen auf der Tanzfläche fällt das offensichtlich schwerer, und das ist auch gewollt. Denn die Gay Games sind eine Breitensportveranstaltung. Jeder darf mitmachen. Und so vereinen sich muskulöse, schlanke Körper mit Figuren, die heterosexuellen Turniertanzbedingungen nicht standhalten würden. Körperspannung darf gegen Körperlangeweile antreten.

Jeder ist startberechtigt - auch Heteros

Sharon und Barbara huschen ein wenig steif und doch leichtfüßig über die Tanzfläche. Lächelnd lassen sie sich vom Publikum feiern. «Sechsundneunzig!» und «Ninety-six!» ruft es aus dem vollbesetzen Saal. Ihre Startnummer. «Das mag ich so an den Gay Games, dass jeder jeden unterstützt», sagt die 66-Jährige. Überall sonst würde die grauhaarige ältere Dame mit ihrer deutlich jünger wirkenden afroamerikanischen Freundin ein ungewöhnliches Paar abgeben. In Köln, bei den Spielen der Homosexuellen, zwischen bunten Vögeln, Männern mit Puscheln an den Tanzroben, Frauen ohne weibliche Züge, jenseits aller Geschlechtergrenzen, sind sie ein Paar unter vielen.

Dafür stehen die Gay Games. Seit 1982 finden sie wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre in einem anderen Land statt. 2010 zum ersten Mal in Deutschland. Doch im Gegensatz zu Olympia lassen die Veranstalter keine Beschränkungen durch Alter, Geschlecht, Leistung, Herkunft oder Religion der Sportler mehr gelten. Bei den 35 Sportarten, unter anderem Bridge, Synchronschwimmen, Fußball, Sportklettern, Golf und Schach, ist jeder startberechtigt, auch Heterosexuelle. Nicht-gleichgeschlechtliche Tanzpaare sucht man in Köln jedoch vergebens.

Vor dem Saal stellen Tanzausstatter ihre prunkvoll-glitzernden Kleider vor, andere ihre Schuhe aus, und auf einem Tisch liegen Flyer für gleichgeschlechtliche Tanzturniere. Die meisten finden in den USA statt, eines in Fürth bei Nürnberg. Doch der Verband für Equality-Tanzsport, der das Tanzturnier bei den Gay Games ausrichtet, veranstaltet jährlich auch eine Deutsche Meisterschaft für gleichgeschlechtliche Paare. Dass sich das lohnt, zeigt die Liste von 60 Tanzsportvereinen in Deutschland, die für Männer- und Frauenpaare offen sind.

Zwei bis drei Mal nehmen Sharon und Barbara jährlich an solchen Wettkämpfen in der Gegend um San Francisco teil. Am liebsten tanzen sie dabei den Foxtrott. «Ich liebe die Musik und den Fluss des Tanzes. Dabei denke ich an Fred Astaire und Ginger Rogers», sagt die 49-Jährige und sucht mit ihrer Hand die ihrer Frieda Astaire, Barbara.

Bei den Gay Games hat's gefunkt

Beide Kalifornierinnen sind erfahrene Gay-Games-Teilnehmerinnen. Barbara ist zum dritten Mal dabei. Vor vier Jahren in Chicago war sie gleich doppelt erfolgreich. Der erste Platz im Lateintanz und das erste Treffen mit Sharon. Seitdem sind die Geschäftsführerin einer gemeinnützigen Organisation für Alphabetisierung und die Bankangestellte, die sonst über Kredite entscheidet, ein Paar.

Jetzt warten sie auf die Entscheidung, in welcher Gruppe sie weitertanzen dürfen. Alle Teilnehmerpaare werden je nach Niveau in Gruppen von A bis D eingeteilt. «Ich mag, dass man gegen Leute antritt, die auf dem gleichen Level sind», sagt Barbara. Sie steht mit Sharon in einer Tänzerinnen-Menge, die ungeduldig auf eine leere Tafel vor dem Saal blickt. Turniertanz heißt auch Warten. Sharon zieht sich eine Jacke über die vom Kleid unbedeckten Arme.

Die Ergebnisse ihres Foxtrotts und Quicksteps sind noch nicht angeschlagen. Zeit, um weiter über die Gay Games zu schwärmen. Es gehe um persönliche Bestleistungen und niemand werde ausgeschlossen. Ein geniales Konzept, findet Barbara.

Als im Saal die Männer ihre letzten Runden gedreht haben, werden die Gruppenplatzierungen ausgerufen. «Nummer 96 in Gruppe D». Das die schlechteste. Doch Barbara und Sharon jubeln.

iwi/reu/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Longus
  • Kommentar 5
  • 05.08.2010 11:08
 Antwort auf Kommentar 4

ist mir ein rätsel warum ich da mitmachen sollte. kann da keinen zusammenhang erkennen. hatte jahrelang aus beruflichen gründen mit schwulen zu tun, u. fühlte mich regelrecht von ihnen umzingelt. von 16 mitarbeitern waren ausser mir nur noch 3 hetero. seitdem sollen schwule mir einfach fernbleiben. besonders unangenehm waren die sogenannten tucken oder tunten, die immer meinten sie müssen sich wie eine frau benehmen. dabei wirkt das dermaßen lächerlich u. abschreckend, weil keine echte frau sich so verhalten würde. kam mir oft vor wie in einer geschlossenen für verhaltensgestörte.

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  • Uwe Hotze
  • Kommentar 4
  • 05.08.2010 02:26
 Antwort auf Kommentar 3

Longus, Du hättest da auch mitmachen können. Eine kesse Sohle auf´s Parkett legen. cha cha cha, Huu !

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  • Longus
  • Kommentar 3
  • 04.08.2010 19:36
 Antwort auf Kommentar 2

war klar. schwule glauben das sie was ganz tolles u. normales sind. aber das thema hatten wir ja schon zur genüge. wenn man hier auch nur ansatzweise ins detail geht u. anderer meinung ist, wird man schnell gelöscht. zu beschreiben wie sich ein normal veranlagter mann in gegenwart von schwulen fühlt, ist wohl nicht erwünscht. das ist auch krank.

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  • makaberlin
  • Kommentar 2
  • 04.08.2010 12:45
 Antwort auf Kommentar 1

Ich betrachte Micheal Oleary als ein Art von unheilbar Krankheit.

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  • Micheal OLeary
  • Kommentar 1
  • 04.08.2010 12:29
 

Ich betrachte Homos als ein Art von unheilbar Krankheit.

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