Wenn Männer zu Spielkindern werden
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Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
Artikel vom 03.08.2010
Das größte Lego-Containerschiff der Welt wollen Bastler derzeit in Wilhelmshaven bauen. Doch Legofans gibt es im ganzen Land. Vor allem Erwachsene lieben die bunten Steinchen. Einer von ihnen ist Andreas Tretbar. Er baut an einer riesigen Legostadt.
Schon als Kind hat Andreas Tretbar Lego gemocht. Doch zu einer Passion wurden die bunten Kunststoffsteine für ihn erst als Erwachsener - als er Vater geworden war und mit seinen Kindern spielte. Und nun möchte er die Steine nicht mehr missen.
Seit zehn Jahren ist Lego für den 41-Jähriger aus Würth ein prima Ausgleich zu seiner Arbeit. Besonders gerne baut er Gebäude, Krananlagen oder Schiffe aus Binnenhäfen. Aus der Fantasie heraus. Oder er versucht, anhand von Fotos, real existierendes Landschaften, Gebäude oder Fahrzeuge aus Lego nachzubilden. «Der Reiz liegt darin, ein Modell hinzukriegen, dass dem Vorbild möglichst nahe kommt», sagt er. Voraussetzung dafür sei die Fähigkeit, logisch und vor allem räumlich denken zu können - für den technischen Zeichner kein Problem. Einen Bauplan braucht er nie.
Besonders stolz ist der Vorsitzende der Lego Modellbaufans Rheinland auf ein Projekt namens «Noppingen». Gemeinsam mit drei Freunden hat er jetzt ein ganzes Hafenviertel aus Lego nachgebaut. 40 Quadratmeter misst das Modell bisher. Sein Name ist abgeleitet von den legotypischen Noppen, die die Steine zusammenhalten.
Ziel ist es, nach und nach eine ganze Stadt aus Lego zu erschaffen. Keine leichte Aufgabe. «Natürlich wird Noppingen niemals in Gänze existieren», schreibt Rainer Kaufmann, der mit Andreas Tretbar an dem Projekt baut, im Internet. Denn selbstverständlich könnten er und seine Freunde nicht wirklich eine ganze Stadt bauen. «Dazu würde weder unser Geld, unser Platz, noch unsere restliche Lebenszeit reichen.»
Im Netzt wird die Illusion Wirklichkeit
Deshalb haben sie vor, immer mal wieder Teile der Stadt zu zerlegen, um mit den Steinen neue Modelle bauen und fotografieren zu können. Die Modelle sollen aber letztlich immer nur Teilaspekte der Stadt wiedergeben. Fotos der einzelnen Stadtteile sollen sich auf der Noppingen-Webseite zunehmend zu der Illusion einer kompletten, hochmodernen Legostadt zusammenfügen.
Und dort ist zu sehen: Noppingen ist eine schöne Stadt. Ein Stadtschloss, das ein Luxushotel beherbergt, besticht unter anderem mit einem weitläufigen Park, durch den die Einwohner zu einer Orangerie oder einer Wasserkaskade gelangen. Außerdem gibt es ein großes Wohnviertel mit eleganten Stadtvillen wie sie sie zum Beispiel das Kölner Stadtbild schmücken. Von dort aus haben es die Noppinger gar nicht weit zur Post mit Packstation und Zusteller-Fahrzeugen oder zu den Stadtwerken. Dort steht neben einem Müllauto auch eine Kehrmaschine in der Garage.
Fahrzeuge gibt es in Noppingen reichlich. Die Bewohner können entweder mit dem städtischen Linienbus ins Cafe und in die Arbeit fahren. Oder sie nehmen das eigene Auto oder den Zug. Denn verkehrstechnisch ist Noppingen gut erschlossen - besonders dank der ausgeklügelten Bahnanlage.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt
Die Raffinerie, Noppingens größter Arbeitgeber, befindet sich im neuen Industrie- und Hafenviertel, das die Lego-Freaks um Andreas Tretbar aller Wahrscheinlichkeit nach vom 19. bis zum 21. November im Rahmen der Lego Fanwelt auf dem Gelände der Kölnmesse zeigen. Bei der Ausstellung werden auch die Lego-Kunstwerke anderer Fans aus ganz Deutschland zu bestaunen sein - etwa große Eisenbahn- und Mondlandschaften oder Modelle vom Kölner Dom, dem Capitol oder Venedig.
Die reale Vorlage für die Noppinger Krananlage steht in Bamberg, die Schiffe liegen in Duisburg. Die Stadthäuser haben sich die Freaks von der Kölner Altstadt abgeguckt, den Bahndamm von der Berliner Hochbahn.
Unendlich viele Steine hat Tretbar in seinem Leben schon zusammen gesetzt und wieder auseinander genommen. Dabei sei ihm aufgefallen, dass ihre Vielfalt in den vergangenen Jahren zugenommen habe - etwa, indem immer mehr fertige Formteile auf den Markt gekommen seien. Der Möglichkeit, sich beim Modellbau kreativ zu verausgaben, habe das aber keinen Abbruch geleistet. Schließlich gibt es laut Tretbar mehr als 3000 unterschiedlich große beziehungsweise geformte Teile. «Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.»
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