Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
30.000 Hilfskräfte sind gegen die Macht des Wassers in Pakistan im Einsatz. Auch deutsche Organisationen sind beteiligt. Jürgen Clemens leitet die Pakistan-Hilfe der Malteser. Eigentlich war die Mission gerade beendet, jetzt verteilen sie Lebensmittel.
Als Jürgen Clemens im Februar das Hilfsprojekt von Malteser International im Swat-Tal besuchte, war durchaus Routine eingekehrt. Seit August vergangenen Jahres unterstützen dort drei Teams die medizinische Grundversorgung der zurückgekehrten Vertriebenen, die vor der Regierungsoffensive gegen die Taliban geflüchtet waren. Die Atemwegserkrankungen hatten die Durchfälle vom Herbst weitgehend abgelöst, die dann im Frühjahr wieder die Erkältungen ersetzten, berichtet der Pakistan-Referent von Malteser International.
Pakistan gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt, vor allem der Nordwesten nahe der afghanischen Grenze, wo die Taliban bis zum Großeinsatz der Regierung im Sommer und Herbst 2009 ihre Kämpfer ausbildeten. Die meisten Vertriebenen konnten inzwischen in ihre Heimatgebiete zurückkehren, das Nothilfeprojekt der Malteser im Swat Distrikt sollte planmäßig Ende Juli auslaufen.
Doch jetzt sind in der Region mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Eben noch hatten sich Clemens' Mitarbeiter um Rückkehrer gekümmert, jetzt ist der Monsun der unberechenbare Gegner der Menschen im gebeutelten Nordwesten des Landes. Der Regen kommt jedes Jahr, doch so stark ist er seit 80 Jahren nicht mehr über die Region hereingebrochen. «Das hat noch niemand so erlebt», sagt Clemens. Überschwemmungen und Schlammlawinen haben Zehntausende von der Außenwelt abgeschnitten, 30.000 Rettungskräfte sind im Einsatz. Darunter auch die aus Deutschland finanzierten Hilfskräfte der Malteser.
«Die Flüchtlingsnothilfe ist Ende Juli ausgelaufen, aber wir konnten kurzfristig reagieren und mit der Zusage aus dem eigenen spendenfinanzierten Malteser-Nothilfefonds den Einsatz der medizinischen Teams Amt verlängern», erklärt Clemens. Zudem wurden inzwischen vom Auswärtigen Amt Mittel vor allem für Hilfsgüter zugesagt. Das Entwicklungsministerium wurde zur Finanzierung einer Nahrungsmittelhilfe angefragt.
Einheimische erfahren als erste von Terror-Gefahren
Ein Arzt, eine Hebamme, ein Sanitäter und ein Hygieneberater, der vor allem auf die Trinkwasserqualität achtet, bilden mit einem Fahrer ein Team und werden von einem Projektleiter. Neben dem Malteser Hilfsdienst sind nur noch wenige deutsche Hilfswerke in Pakistan präsent, wie Malteser, Diakonie und Johanniter. Die große Hilfsoffensive für Pakistan startete mit dem schweren Erdbeben in Kaschmir im Oktober 2005, auch die Malteser sind seitdem im Lande, doch mit dem Auslaufen der Nothilfe ist der größte Teil der Hilfsorganisationen wieder abgezogen.
Vor Ort arbeiten sie alle mit einheimischen Mitarbeitern. Der serbische Arzt Doktor Dubajic, der vor Ort die Arbeit von Malteser International koordiniert, ist der einzige Internationale Mitarbeiter. «Kaum jemand kennt die Situation vor Ort besser als die nationalen Kräfte», erklärt Clemens. «Vor allem Sicherheitswarnungen erfahren sie früher als Ausländer.» Direkt mit dem Terror sind seine Mitarbeiter bislang aber nicht in Berührung gekommen. «Die Beschäftigung nationaler Mitarbeiter ist auch deshalb wichtig, weil wir ja auch nachhaltig helfen wollen und die Projekte später in lokale Hände übergeben», betont Clemens.
Heute haben die Teams der Malteser zum ersten Mal mit Geländewagen und zu Fuß wieder ihre Gesundheitsstationen erreichen können, nachdem sie in ihren Privathäusern selber auch tagelang von der Außenwelt abgeschnitten waren. Der Monsun hat ihre Mission im Swat-Tal auf unbestimmte Zeit verlängert. Bevor sie im nächsten Teil der Mission Wiederaufbauhilfe für die Flüchtlinge leisten, verteilen sie erst einmal Grundnahrungsmittel, Kochgeschirr und Hygieneartikel an 2000 von den Fluten entwurzelte Familien.
Spenden für die Teams von Malteser International in Pakistan an das Spendenkonto 120 120 120, BLZ 370 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft), Verwendungszweck: Pakistan
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