Sa., 26.05.12

Pakistan 02.08.2010 Verzweifelter Kampf gegen die Flut

Flutopfer (Foto)
Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind von der Flutkatastrophe in Pakistan betroffen. Bild: dpa

Mindestens 1116 Menschen sind nach dem Monsunregen im Nordwesten des Landes ertrunken. Weitere 27.000 sind von den Wassermassen eingeschlossen. In den Notunterkünften wächst die Gefahr von Seuchen.

In den pakistanischen Überschwemmungsgebieten rechnen Rettungskräfte inzwischen mit mehr als 1500 Toten. Bislang gebe es allein in der Nordwest-Grenzprovinz 1116 bestätigte Todesfälle, sagte der Sprecher des privaten Rettungsdienstes Edhi, Mujahid Khan, am Montag.

Berichte aus den betroffenen Regionen deuteten allerdings darauf hin, dass die Opferzahl noch ansteigen könnte. Die benachbarten Stammesgebiete Khyber und Mohmand hätten bislang gar keine Hilfe erhalten. «Erst wenn wir dorthin vordringen, wird das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich», betonte Khan.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich tief betroffen gezeigt und die Freigabe weiterer Hilfsgelder angekündigt. Ban habe dem pakistanischen Volk und der Regierung in Islamabad sein Beileid ausgesprochen, sagte ein Sprecher des Generalsekretärs in der Nacht in New York. Zugleich habe er den Behörden die Unterstützung bei der Versorgung der Flutopfer zugesagt. Über die bereits zugesagten Mittel hinaus habe Ban die Auszahlung weiterer 10 Millionen Dollar aus einem Nothilfeetat freigegeben.

Fast alle Toten kamen in der Nordwest-Grenzprovinz Khyber-Pakhtunkhwa ums Leben, sagte der Sprecher des Rettungsdienstes.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in der Region noch rund 27.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Insgesamt seien 1,1 Millionen Pakistaner von den Fluten betroffen, die Medien als die schlimmsten seit mehr als 80 Jahren bezeichneten. Die EU stellte 30 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Auch die Bundesregierung sagte Pakistan Unterstützung zu.

Seuchen drohen

Besonders betroffen sind nach Behördenangaben die Gebirgsdistrikte Shangla und Swat, wo zahlreiche Flüsse über die Ufer traten und ganze Landstriche überfluteten. Viele Dörfer seien von den Wassermassen dem Erdboden gleichgemacht worden. Auch in anderen Teilen Nordpakistans forderten Unwetter Todesopfer. Im pakistanischen Teil Kaschmirs kamen nach Behördenangaben bislang mindestens 57 Menschen ums Leben.

Mehr als 30.000 Rettungskräfte und Soldaten waren am Wochenende in den Überschwemmungsgebieten im Einsatz. Ein Armee-Sprecher teilte mit, etwa 19.000 Menschen seien mit Hubschraubern und Booten in Sicherheit gebracht worden. In den Massenunterkünften steigt aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse die Gefahr von Seuchen. Ärzte berichteten aus Notlagern von Ausschlägen und Durchfallerkrankungen. Zudem gebe es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Die Versorgung der Betroffenen mit sauberem Trinkwasser stelle das größte Problem dar.

Auch die Sicherheitslage in Pakistan ist kritisch

Der Informationsminister der Nordwest-Grenzprovinz, Mian Iftikhar Hussain, bat die internationale Gemeinschaft um rasche Hilfe. Sollte es keine Unterstützung für die örtlichen Rettungskräfte geben, «könnte die Situation zu einem großen humanitären Desaster» werden.

Mit dem Geld der EU sollen Notunterkünfte, Decken sowie die Aufbereitung von Trinkwasser und der Bau von Toiletten finanziert werden, teilte die EU-Kommission am Sonntag in Brüssel mit. Die humanitäre Hilfe sei nicht nur für Flutopfer bestimmt, sondern auch für Menschen, die vor Gewalt und Terror auf der Flucht seien. Das Geld werde an Betroffene gehen, die ihr Hab und Gut verloren haben oder deren Häuser zerstört wurden. «Die Sicherheitslage und die humanitäre Situation in Pakistan sind sehr unsicher», sagte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva.

Auswärtiges Amt will 500.000 Euro Soforthilfe stellen

Das Auswärtiges Amt in Berlin will bis zu 500.000 Euro humanitäre Soforthilfe für Pakistan zur Verfügung stellen. Das kündigte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) an. Auch zahlreiche Hilfswerke wie Caritas International nahmen unterdessen ihre Arbeit in der Krisenregion auf.

Der Monsun beginnt in Südasien in der Regel Anfang Juni und dauert bis September. In diesem Zeitraum wandert das Regengebiet vom Süden des indischen Subkontinents in Richtung Norden. Den Nordwesten Pakistans hatte der Monsun Mitte Juli erreicht. Bei den Unwettern sterben jährlich viele Menschen, schwere Schäden werden verursacht. Meteorologen warnten am Sonntag vor weiteren heftigen Regenfällen.

sck/cvd/ivb/news.de/dpa
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