Zu wenige und völlig überforderte Ordner: Die Polizei und NRW-Innenminister Ralf Jäger haben schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, erhoben. Zusagen seien nicht eingehalten worden und der Ordnerdienst sei zusammengebrochen.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) und der Polizei-Inspekteur des Landes, Dieter Wehe, haben während einer Pressekonferenz in Düsseldorf ein detailliertes Bild von der Katastrophe bie der Loveparade in Duisburg gezeichnet. Sie sehen vor allem den Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, in der Pflicht. Schaller und die Berliner Lovapent GmbH hätten ihr Sicherheitskonzept im Eingangsbereich nicht umgesetzt, sagte Jäger. Die Stadt habe der Polizei die Genehmigung des Bauamts erst am Samstag auf Drängen ausgehändigt.
«Ich spüre die Stimmung in der Öffentlichkeit. Es wird als unerträglich empfunden, dass nicht gesagt wird, was passiert ist», sagte der Minister. «Was ich als ebenso unerträglich empfinde, ist die Tatsache, dass die Verantwortung auf Seiten der Veranstalter und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird.» Der Minister stellte am Mittwoch einen vorläufigen Bericht der Duisburger Polizei zum Loveparade-Unglück vor, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden. 25 davon lagen am Mittwoch noch in Krankenhäusern.
Ordnungssystem brach zusammen
Das Ordnungssystem der Veranstalter sei an vielen Punkten zusammengebrochen. So sei das Gelände statt um 11 erst kurz nach 12 Uhr geöffnet worden, berichtete der Inspekteur der Landespolizei, Dieter Wehe. Schon zu diesem Zeitpunkt hätten sich große Rückstaus an den Einlassschleusen gebildet.
Am westlichen Tunneleingang sei die Hälfte der Schleusen zunächst gar nicht von Ordnern besetzt gewesen. Dadurch hätten sich dort zeitweise bis zu 20.000 Angereiste aufgestaut. Die Wartenden seien vor den Schleusen bereits unruhig und aggressiv geworden.
Um 15.30 Uhr habe der Veranstalter die Polizei schließlich um Hilfe gebeten, nachdem «das Geschehen außer Kontrolle geraten» sei, berichtete Wehe. «Als das Ordnungssystem der Veranstalter zusammenbrach, hat die Polizei alles getan, was der Veranstalter zu tun hätte - die Menschen davor zu schützen, erdrückt zu werden», sagte Jäger. «Ich glaube, dass die Zahl der Opfer noch sehr viel höher gewesen wäre, wenn es das beherzte Eingreifen der Polizei nicht gegeben hätte.»
Der Veranstalter habe seine Ordner um 15.46 Uhr angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe. Die Veranstalter hätten zudem Zaunelemente entfernt, um Krankenwagen durchzulassen. Durch die Zaunlücken seien dann Menschen eingeströmt.
Kurz vor 17 Uhr hätten die Videokameras auf dem Gelände keine Bilder mehr übertragen. Verzweifelte Hilfesuchende hatten die Kabel durchtrennt, als sie an Containern hochkletterten, wo die Kameras installiert waren.
Der erste Notruf um 17.02 Uhr
Um 17.02 Uhr habe die Polizei über den Notruf die erste Meldung eines Anrufers erreicht, dass es Opfer auf der Rampe am Ausgang des Tunnels gebe. Da es zwischen Polizei, Veranstaltern und Krisenstab Verbindungskräfte gegeben habe, gehe er davon aus, dass die Verantwortlichen davon ebenso unmittelbar erfahren hätten, sagte Wehe.
Die Ordner hätten nicht ausgereicht. Es sei auch noch unklar, ob der Veranstalter, wie zugesagt, 150 private Kräfte gestellt habe. Sie hätten die Besucher zum Weitergehen auffordern sollen. Dies habe aber nicht funktioniert. Ein Absperrzaun sei umgerissen worden und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Dadurch habe sich der Druck enorm erhöht. «Die Zaunelemente wurden zur Stolperfalle.» In diesem Bereich seien 14 Menschen unmittelbar gestorben. «Im Tunnel kam es zu keinem Todesopfer.»
Die Polizei habe im Vorfeld Sicherheitsbedenken zur Situation am Tunnel und an den Rampen beim Veranstalter vorgetragen, berichtete Wehe. Änderungen am Sicherheitskonzept seien fest zugesagt worden, an entscheidenden Stellen aber nicht erfolgt. 4000 Landespolizisten und 1300 Bundespolizisten waren im Einsatz.
Nach Angaben von Wehe war «die maximale Durchlaufmenge» im Tunnel mit 30.000 Menschen pro Stunde und Schleuse kalkuliert worden. Dies habe aber nicht gewährleistet werden können - unter anderem, weil die Menschen stehenblieben, um die am Tunnelausgang vorbeifahrende Wagenparade anzusehen. Auch hier hätten die Ordner versagt.
Das Gelände war für maximal 250.000 Besucher zugelassen. «Die Veranstaltungsfläche war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd ausgelastet», sagte Wehe. Dies gelte aber nicht für die neuralgischen Punkte an Tunnel und Rampe.
Zu Vorwürfen, die Polizei sei auf dem Gelände nicht präsent genug gewesen, sagte Wehe: «Es ist unsere Philosophie, uns zurückzuhalten. Das ist ja keine Auseinandersetzung rivalisierender Gruppen. Die Menschen wollten Spaß haben.»
car/news.de/ddp
zu Kommentar 1 : Was weißt du eigentlich wie es in der Politik zu geht ? Da ist einer der die Events - hier OB - ranholt. alles andere überlässt der den Fachleuten, weil er davon keine Ahnung hat. Selbst die Merkel macht das in Berlin .......... Schlaumeier
jetzt antwortenKommentar meldenDer Veranstalter (Schaller) ist in jedem Fall mitschuldig, weil alleine schon Mehrere Ordnungskräfte von ihm zugesichert waren und diese bei weitem nicht zur Ordnungsregelung eingesetzt wurden. Weniger Einsatzkräfte weniger Kosten, also mehr Gewinn für den Veranstalter. Nur der Reibach zählt, alles andere ist für Schaller unwichtig !! Als dann die Angelegenheit aus den Rudern lief, wurde die POLIZEI zur Ordnungsregelung dazugerufen, die dann mit Steuergelder bezahlt wird. Veranstalter, wie Schaller müssen mit ihrem Privatvermögen haften und BERUFSVERBOT für die Zukunft erhalten ! H.A.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Veranstalter ist vollends schuld an dem Chaos, weil er sich doch nicht an die Auflagen gehalten hat. Wenn die Stadt und die Polizei ihm bestimmte Auflagen zur Veranstaltung aufgibt und er diese dann (aus Profitgier oder aus Unwissenheit will ich mal aoffen lassen) nicht einhält, dann ist er der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Er hätte seine Leute mal besser schulen sollen und nicht irgendwelche Pseudo-Securities einstellen sollen, die von Nichts Ahnung haben......Ich hoffe, Herr Schaller wird sich darüber mal Gedanken machen und mal endlich die Tatsachen auf den Tisch bringen.
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde es skandalös das jetzt den Veranstalter die Schuld gegeben wird es ist erwiesen das der Oberbürgermeister wusste das es Sicherheitsbedenken gibt und so lange diese nicht zu 100 Prozent geklärt sind hätte er sein ok nie geben dürfen.
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