Sa., 26.05.12

Jetzt 21 Tote 28.07.2010 Alle Loveparade-Opfer an Quetschungen gestorben

Loveparade-Opfer erstickten durch Quetschungen (Foto)
Es war einfach viel zu eng: Alle 20 Opfer starben durch Brustquetschungen. Bild: dpa

Eine weitere Frau ist nach der Massenpanik in Duisburg gestorben. Bei allen 21 Opfern sind Brustquetschungen die Todesursache. NRW-Innenminister Jäger will einen Bericht vorlegen, der den Veranstalter schwer belastet.

Die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik bei der Duisburger Loveparade hat sich auf 21 erhöht. In der Nacht zum Mittwoch sei eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haferkamp der dpa.

Am Dienstag lag die Zahl der Todesopfer bei 20. Sie sind durch Brustquetschungen ums Leben gekommen. Sie seien erstickt, berichtete die Duisburger Staatsanwaltschaft über die Obduktionsergebnisse. «Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höhe als Todesursache haben sich nicht finden lassen.»

Zuvor hatte bereits die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), gesagt, dass die tödlichen Verletzungen ausschließlich auf das Gedränge zurückzuführen seien. Drei Tage nach der Katastrophe wurden die Leichen zur Bestattung freigegeben.

Veranstalter unter Druck


NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will heute über weitere Ermittlungsdetails berichten. Der Süddeutschen Zeitung zufolge wird er einen vorläufigen Bericht vorlegen, der die Lopavent GmbH um Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller schwer belasten soll. Wie die SZ berichtet, soll sich Lopavent mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. Die Firma habe völlig falsch berechnet, wie sich die Besucherströme auf dem Gelände verteilen.

Einziger Zugang zum Gelände war dem Bericht zufolge eine Rampe, zu der die Besucher aus zwei nur 16 Meter breiten Tunneln strömten. Dort sei die Massenpanik entstanden, bei der Menschen zu Tode kamen. Die vorläufige Ursachenanalyse der Behörden komme zu dem Schluss, dass sich die Besucher nach Betreten des Festivalgeländes nicht wie erwartet schnell von der Rampe entfernt und auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes verteilt hätten. Vielmehr sei es im Eingangsbereich zu einem Stau gekommen, der den Druck auf die nachströmenden Gäste weitergegeben habe.

Die Polizei habe den Veranstalter zuvor auf diese Problematik hingewiesen, hieß es in Polizeikreisen. Der Veranstalter habe aber lediglich geantwortet, es werde alles reibungslos ablaufen: «Wir haben da unsere Erfahrungen.»

Schaller wies indes Vorwürfe zurück, die Sicherheit bei der Loveparade vernachlässigt zu haben. Die Genehmigung sei erteilt worden. «Ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Loveparade niemals stattfinden lassen», betonte er.

Morddrohungen gegen OB Sauerland

Auch auf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wächst weiterhin der Druck. Der CDU-Politiker will einem Zeitungsbericht zufolge nicht an der geplanten Trauerfeier teilnehmen. Sauerland wolle «die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren», sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung der Rheinischen Post. Der Zeitung zufolge führten auch Sicherheitsbedenken zu dieser Entscheidung. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden.

Unterdessen werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Ministerpräsidentin Kraft kündigte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf an, sie wolle sich bundesweit für einen besseren Umgang mit Großveranstaltungen einsetzen.

cvd/juz/ivb/news.de/dpa/ddp
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Felix Kroll
  • Kommentar 3
  • 29.07.2010 01:31
 

Wenn ich das Tunnelfoto nur betrachte, bekomme ich schon Panik. Ein Wunder, dass nicht viel mehr passiert ist!

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  • Hartmuth Möhse
  • Kommentar 2
  • 28.07.2010 16:40
 

Im guten alten Wilden-Westen hätte man wohl zum Strick gegriffen und die vermeindlich Verantwortlichen einfach aufgeknüpft. Hier werden sich die Gerichte wohl jahrelang damit beschäftigen müssen! Wenn die Verletzten und Toten Pech haben, kommt dabei heraus, sie hätten ja zu Hause bleiben können. Durch ihre Anwesenheit bei diesem "Event" haben sie ihren Tod selbst verschuldet. Halt, jetzt nicht schimpfen, sondern erst einmal abwarten, was die Gerichte sagen. Ich wette (siehe oben) ich weiss das schon heute....

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  • tomahawk
  • Kommentar 1
  • 28.07.2010 13:45
 

Wer Eine MIllion Menschen durch einen engen Tunnel, auf einen viel zu kleinen Platz schickt und dabei sich nicht enmal an Sicherheitsauflagen hält/diese ausser Kraft setzt, gehört in die geschlossene Psychiatrie , oder in den Knast.

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