Sa., 26.05.12

Loveparade 26.07.2010 «Unmöglich, Gestürzten aufzuhelfen»

Masse (Foto)
Je näher Menschen beeinander stehen müssen, desto größer die Gefahr, dass Panik ausbricht. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl

Wenn die Angst einmal ausbricht, ist es zu spät. Verhindern können hätte man das Unglück bei der Loveparade nur durch bessere Planung, sagt der Berliner Verhaltensforscher Professor Jens Krause. Er erklärt news.de, was genau bei einer Massenpanik passiert.

Herr Professor Krause, wie kommt es zu einer Massenpanik?

Krause: Wenn Menschen so dicht beieinander stehen müssen, dass sie ihre eigenen Bewegungen nicht mehr kontrollieren können. An dem Punkt wird Menschen unheimlich und sie versuchen, die Menge zu verlassen – indem sie anfangen zu schieben und zu drängen. Und dadurch können gefährliche Situationen entstehen.

Wie dicht müssen die Menschen stehen, damit Panik ausbricht?

Krause: Gefährlich wird es ab sechs, sieben Personen pro Quadratmeter. Wenn da jemand anfängt zu schieben, zieht sich das als Druckwelle durch die ganze Menge. Die ersten Personen fallen hin. Wer einmal auf dem Boden liegt, kommt kaum mehr hoch. Den Gestürzten aufzuhelfen ist dann ein Ding der Unmöglichkeit. Denn die stehende Menge wird geschoben und kann gar nicht vermeiden, über die Menschen, die am Boden liegen, zu steigen. Mit Rücksichtslosigkeit hat das nichts zu tun. Die Menschen stehen einfach so eng, dass sie sich gar nicht mehr nach jemandem bücken können, selbst wenn sie wollen.

Wenn aber ein Großteil der Menge stehen bliebe, dann könnte man die Gestürzten doch aufheben, oder?

Krause: Die Menschen können global ja gar nicht miteinander kommunizieren. Dazu sind es viel zu viele. Schließlich wissen diejenigen, die neu zulaufen, oft gar nicht, dass vorne ein Unglück passiert ist.

Und wenn sie über Mikrophon Verhaltensanweisungen bekommen würden?

Krause: Selbst dann wäre es den Menschen nicht möglich, sie zu befolgen. Denn wie schon gesagt - wenn die Stöße erst einmal durch die Menge laufen, reagieren die Menschen eigentlich nur noch darauf und das System beruhigt sich so schnell nicht mehr. Es sei denn, es gelingt, die Dichte der Menge zu verringern.

Loveparade
Feige und erbärmlich
Video: news.de

Wie das?

Krause: Indem man weiteren Zulauf verhindert und versucht, die Menge auseinander zu bekommen. Zweiteres konnte auf der Duisburger Loveparade aber gar nicht funktionieren. Denn an einen Tunnel kommt man von außen nur schwer ran.

Wie sollte man sich in einer Menschenmenge am besten verhalten, wenn geschoben und geschubst wird und eine Panik auszubrechen droht?

Krause: Das ist schwierig, denn was die Menschen machen, ist nur eine Gegenreaktion dessen, was sie spüren. Das heißt, sie werden gedrückt und versuchen, aus der Menge raus zu kommen oder Gegendruck zu leisten. Und so bauen sich immer neue Spannungen auf. Natürlich wäre es das beste, einfach stehen zu bleiben und sich ruhig zu verhalten. Aber das ist meist völlig unrealistisch.

Wie lassen sich solche Massenpaniken von vorneherein verhindern?

Krause: Man muss im Frühfeld den Zulauf an Menschen regulieren können. Wenn er einen gewissen Grad erreicht, muss das Gelände für weitere Personen einfach gesperrt werden. Und damit waren die Duisburger Organisatoren ja offensichtlich überfordert.

Wie sehen die modernsten beziehungsweise die bewährtesten Sicherheitskonzepte aus, um Massenpaniken zu verhindern?

Krause: Forscher aus der Schweiz haben ein automatisches Frühwarnsystem entwickelt, mit dem zum Beispiel in Mekka Massenpaniken vorgebeugt werden soll. An dem Pilgerort kam es ja fast regelmäßig zu Massenpaniken. Das System funktioniert so: Mit Überwachungskameras wird die Dynamik der Menge beobachtet. Wenn sie sich zu sehr verdichtet, wird an einem bestimmten Punkt ein Frühwarnsystem aktiviert, damit man rechtzeitig reagieren und den Zustrom weiterer Menschen verhindern kann. Aber solche Kameras muss man eben natürlich rechtzeitig installieren.

Professor Jens Krause ist als Verhaltensbiologe an der Humboldt-Universität in Berlin tätig. Er erforscht mit seinem Team das Verhalten von großen Menschenmengen und Tierschwärmen.

 

 

ivb/news.de
Leserkommentare (10) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Jürgen Hempel
  • Kommentar 10
  • 03.08.2010 23:50
 Antwort auf Kommentar 2

....wie Conny, da wird nix vorverkauft !! Alles umsonst, einfach kostenlos. Deswegen rennen ja auch alle hin - und bringen sich gegenseitig um. Tanzen, bis der Tod eintritt. Was sind das blos für traurige Gestalten, ja Bumsköppe, die zu solche Massenveranstaltungen sich in Gefahr geben. UND denn gibt es ja auch Menschen, denen Stillstand in der Menge unbehagen macht. SO WIRD DANN GEDRÄNGELD !!!! Die Scheisse ließ nicht auf sich warten - 21 Tote über 500 Verletzte ..............

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  • Longus
  • Kommentar 9
  • 27.07.2010 11:08
 Antwort auf Kommentar 5

Vielleicht wäre es besser wenn du noch mal zur Schule gehst und bessere Rechtschreibung lernst. An deinem Beispiel offenbahrt sich eine alte Weisheit...wer es nicht in der Birne hat, hat es dann in den Muskeln. Deine Tips sind auch nicht hilfreich für Leute mit Tunnelblick und den Kopf voll mit Alk u. Drogen.

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  • Longus
  • Kommentar 8
  • 27.07.2010 02:39
 Antwort auf Kommentar 7

warum...wolltest mal schnuppern gehen ? zumindest gab es keine 50000 dixi klo´s, damit 250000 wenigstens die chance hatten auch mal ihre notdurft zu erledigen. aber wie man von anwohnern hörte, wurde das ja auf dem weg zum partygelände bereits massenweise auf den strassen und den freiflächen erledigt.

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  • Uwe Hotze
  • Kommentar 7
  • 27.07.2010 00:35
 Antwort auf Kommentar 6

Gab es dort denn nicht einmal Scheisshäuser?

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  • Longus
  • Kommentar 6
  • 26.07.2010 23:52
 

eine vergnügungssüchtige, partygierige herde die spass haben wollte auf teufel komm raus. und dann kahm er wirklich, und plötzlich will ihn keiner mehr gerufen haben. endlich ist schluss mit diesen dekadenten, müllberge produzierenden, in die hausecken pissenden und gebüsche vollscheissenden massen. eine generation die nicht in der lage ist ihr hirn für wirklich wichtige anliegen der gesellschaft zu gebrauchen. jeder soll auch spass im leben haben, aber die "love"-parade war von anfang an ein dekadenter, organisierter massenwahn für notgeile auf droge.

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  • benny
  • Kommentar 5
  • 26.07.2010 20:43
 

auch an groß bühne stand ich ganz vorne in der mitte und auch da wurde gedrängelt und geschubst aber mann muss standhaft sein und zurückschieben anders geht es nicht nur bei der Bühne ist es was anderes als wie in Tunnel und bis jetzt hab ich immer mir platz gemacht vermerk habe 97 türsteher gemacht dan kennt mann das mit den geschubse und gedrängel

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  • benny
  • Kommentar 4
  • 26.07.2010 20:27
 

wie ich mit bekommen habe war der kontrollstützpkt der oberhalb des tunnes war die polizei konnte den andrang nicht mehr stopen und somit nur noch frei geben weil zu viele menschen die zäune zu kippen brachten.auch der 2 aufgang wurde nach diese katastrophe freigegeben worden wieso nicht eher???das hätte allen weiter geholfen somit wer dieses gedrängel und geschubse vermieden werden können auch die LKW hätten stehen bleiben müssen damit die leute recht und links ausweichen können den das geschehen ist ja der aufgang zum gelände gewesen.ca um 21uhr gibt der veranstalter sein komentar ab WDR

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  • ali özakın
  • Kommentar 3
  • 26.07.2010 18:41
 

irgendein panik verursachen viele todesopfer wo menschen in so grossen mengen zusammenkommen. die behörden müssten müssten vor jeder organisation die umgebung kontrollieren und das schlechteste vermuten und deshalb alles kontrollieren. hinterher zu diskutieren hat keinen sinn. tiefstes beileid um die 19 jungen menschen. im saudi arabien passierten auch vor vielen jahren tragödien wobei hunderte von alten menschen ums leben kamen bei panik. da mals hatten die saudis auch die menschen durch einen unnötigen tunnel marschieren lassen. jetzt sind die araber kluger geworden, nach vielen toten.

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  • Conni
  • Kommentar 2
  • 26.07.2010 17:37
 

Vermutlich konnte wohl niemand ahnen, daß so viele durch diese Loveparade angezogen würden, sonst hätte man ja durch einfachen Vorverkauf von Eintrittskarten, die Besucherzahl begrenzen können und wäre durch die vermutlich unerwartet große Nachfrage besser vorbereitet gewesen. Gegenseitige Schuldzuweisungen machen jetzt auch niemanden wieder lebendig!

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  • andora
  • Kommentar 1
  • 26.07.2010 17:24
 

ja das ist alles richtig, ich hatte bei einem konzert die ähnlichen probleme, dann ist es auch ganz wichtig sich mit den armen abzuschützen(vor den brustkorb) sonst wird man einfach zerdrückt, hätte mich damals niemand raus geholt hätt ichs nicht geschaft, es ist grauenvoll....jemand aufheben gar nicht zu denken, da ist alles ausser kontrolle niemand hat einen einfluss jeder hofft nur dass das gleich vorbei ist,schrecklich.

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