Von Harry Weber und Colleen Long
Erstmals seit drei Monaten zeichnete sich ein Ende des Ölflusses im Golf von Mexiko ab - und jetzt kommt ein Tropensturm dazwischen. Die Entlastungsbohrungen ruhen bereits, und im schlimmsten Fall muss die Verschlusskappe wieder geöffnet werden.
Ein aufziehender Tropensturm hat Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zerschlagen. Der BP-Konzern setzte am Mittwoch (Ortszeit) die Entlastungsbohrung an der sprudelnden Ölquelle aus und verschloss den Bohrschacht vorläufig, wie BP-Vizepräsident Kent Wells mitteilte. Unklar ist nach wie vor, ob die mit den Reparaturarbeiten betrauten Techniker das Gebiet verlassen müssen. Sollten sie an Land zurückkehren, so könnte es zwei Wochen dauern, bis sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können.
Die Entlastungsbohrung sollte eigentlich spätestens zum Monatsende abgeschlossen sein. Sie soll genutzt werden, um Schlamm und Zement in die Ölquelle zu pumpen und sie so dauerhaft zum Versiegen zu bringen. Zuletzt war vorgesehen, das Leck auf diese Weise Anfang August zu schließen. Doch in der Karibik braut sich ein Sturm zusammen, der am Wochenende den Golf von Mexiko erreichen könnte.
Im schlimmsten Fall könnte es notwendig werden, die in der vergangenen Woche über das defekte Bohrloch gestülpte Verschlusskappe wieder zu öffnen. Dann flösse erneut Öl ins Meer. Der Krisenmanager der US-Regierung, Thad Allen, erklärte, wenn BP wegen des Sturms die Lage unter Wasser am defekten Bohrloch nicht mehr unter Beobachtung halten könne, müsse die Kappe geöffnet werden.
Joint-Venture zur Bekämpfung von Öllecks geplant
Für die Bekämpfung künftiger Öllecks bei Unterwasserbohrungen planen die Konzerne ExxonMobil, Chevron Corp., Conoco Phillips und Shell ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Dafür wollen sie insgesamt eine Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) bereitstellen, wie das Amerikanische Petroleum-Institut mitteilte. Die neue Firma soll Lecks bis in 3000 Meter Tiefe eindämmen können.
Der Eigentümer der von BP genutzten Ölplattform «Deepwater Horizon», deren Untergang die Katastrophe ausgelöst hatte, geriet unterdessen wegen möglicher Wartungsfehler in die Kritik. Die Zeitung New York Times berichtete, der Plattform-Besitzer Transocean habe das defekte Ventil über dem Bohrloch seit 2000 nicht mehr überprüft. Dabei sei eine Wartung alle drei bis fünf Jahre Vorschrift. Transocean erklärte dazu, man habe sich an die Empfehlungen des Herstellers gehalten.
Ein US-Bundesrichter untersagte am Mittwoch Ölfirmen vorerst die Erschließung von Öl- und Gasfeldern vor der Nordwestküste Alaskas. Bezirksrichter Ralph Beistline erklärte zur Begründung, die frühere US-Regierung von Präsident George W. Bush habe Umweltrecht missachtet, als sie die Bohrrechte im Februar 2008 verkaufte. Der Verkauf der Bohrrechte in der Tschuktschen-See brachte seinerzeit fast 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) ein. Der Konzern Royal Dutch Shell wollte ursprünglich in diesem Sommer drei Probebohrungen in dem Gebiet vornehmen.
iwi/reu/news.de/ap