Mo., 13.02.12

Zu wenig Liebe am Hof? Royaler Dackel ist ein Wadenbeißer

Von Thomas Borchert

Artikel vom 21.07.2010

Der dänische Hofdackel Evita beißt Leibgardisten. Nach dem dritten Wadenbiss wird die Forderung lauter: Einschläfern! Als Hundehalter muss Prinz Henrik harte Kritik einstecken, obwohl er sogar eine Art Liebesgedicht für Evita veröffentlicht hat.

Dunkle Wolken über Dänemarks Königshaus: Die Hofdackel-Dame Evita (12) kann ihre Zähne nicht von den Waden königlicher Leibgardisten lassen und hat schon zum dritten Mal in zwei Jahren zugebissen. Trotz einer formvollendeten Entschuldigung des royalen Herrchens, Prinz Henrik, mitsamt sechs Flaschen Wein aus eigenem Anbau für das Opfer vor Schloss Marselisborg in Århus hagelt es jetzt Kritik im Königreich.

«Ich bin selbst leidenschaftlicher Dackelliebhaber. Henrik muss begreifen, dass er als Hundehalter ungeeignet ist», meinte der Reiseveranstalter Stig Elling in Ekstra Bladet. Evita beiße so oft, weil sie am Hof nicht «die Liebe bekommt, die ein Dackel braucht».

Dabei hat doch der Franzose und auch als Lyriker aktive Gemahl von Königin Margrethe schon Liebesgedichte «A mon teckel» («An meinen Dackel») veröffentlicht: «Ich liebe es, Dein Fell zu streicheln. Du lieber, du besonderer Hund. Einen Klaps willst du gerne haben. Stolz wie ein Papst empfängst du Schelte wie eine Gnade.» Beim Lesen mag mancher denken: Vielleicht liegt gerade hier der Hund begraben.

Für Elling ist klar, dass Evita als bissige Wiederholungstäterin eingeschläfert werden müsste. Aber das hatte Henrik beim vorletzten Biss in ein Gardistenbein im Sommer 2009 schon kategorisch abgelehnt. Worauf die Polizeijuristin Helle Just etwas verlegen einräumte, dass die sonst bei allen Hunden von Normalbürgern geltende Möglichkeit von staatlichem Zwang hier nicht bestehe: «Für das Königshaus gelten einfach andere Regeln, die überschatten irgendwie alles.»

«Als Hundehalter ist Henrik einfach arrogant, wenn er nichts tut. Ich würde meinen sofort einschläfern lassen, wenn er Menschen beißt», erregte sich der Modeexperte und Besitzer zweier Deutscher Doggen, Jim Lyngvild.

Die Stimmung im Volke hat sich wohl kräftig gedreht: Als Königin Margrethe II. 1994 um Hilfe bei der Suche nach ihrer spurlos verschwundenen Dackeldame Zenobie bat, suchten Hunderte Dänen im Wald bei Schloss Fredensborg. Würstchen schwenkend riefen sie «Zenobie, Zenobie», aber vergebens. Das Tier galt danach als Opfer eines gefräßigen Fuchses.

car/ivb/news.de/dpa
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