Sa., 26.05.12

Mode-Klassiker 19.07.2010 Das darf in Ihrem Schrank nicht fehlen

Beate Bonk (Foto)
Modedesignerin Beate Bonk hat in Ingolstadt ein eigenes Atelier und unterrichtet an der Modefachschule Sigmaringen Kollektionsgestaltung und -planung. Bild: Franz Richarz

Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl

Jeans, weiße Hemdblusen oder das kleine Schwarze – es gibt Kleidungsstücke, die über jeden Trend erhaben sind. Modeschöpferin Beate Bonk aus Ingolstadt verrät, was «Frau» auf jeden Fall im Kleiderschrank haben muss, um zeitlos elegant zu wirken.

Kleidungsstücke, die wirklich jeden Trend überstehen sind laut Beate Bonk Klassiker wie der Trenchcoat, abgewandelt von dem typischen Bogart-Mantel, Sakko, Etuikleid, ZigarettenhoseAls Zigarettenhose bezeichnet man eine schlichte, schmale, gerade geschnittene Hose. und das Kleine Schwarze. Die Klassiker blieben zwar zwar über Jahrzehnte bestehen, dennoch gingen die einzelnen Modetrends nicht spurlos an ihnen vorüber.

Besonders deutlich werde das am Beispiel des Kleinen Schwarzen, weiß Beate Bonk. Erfunden habe es die legendäre Modeschöpferin Coco Chanel. Bis in die 1930er Jahre sei die modebewusste Dame im Großen Weißen ausgegangen. Schließlich wurde es vom Kleinen Schwarzen als halboffizielles Abendkleid für Cocktails und Empfänge abgelöst. Doch das Kleine Schwarze, in dem modische Frauen im 21. Jahrhunderts Cocktails schlürfen, sieht weit anders aus als früher.

Als halbfestliche Abendmode habe es zwar bestand, doch hinsichtlich der Länge oder des Schnitts sei es durchaus den Trends unterworfen: «Mal ist es empirestilartig geschnitten, mal ausgestellt. In den 50er Jahren war es extrem auf Taille geschnitten und hatte einen Glockenrock», erklärt die Modeschöpferin aus Ingolstadt.

Nicht zu eng, aber die Figur betonend

Heute, wo die Mode allmählich wieder schlichter werde, entwickele sich das Kleine Schwarze eher in Richtung Etuikleid, das nicht zu eng sei, aber dennoch die Figur betone. Auch die Länge variiere. «Mal endet das Kleine Schwarze knapp über den Knien, mal bedeckt es sie, mal ist es verspielt, tüllig und romantisch, dann wieder streng wie in der letzten Kollektion von Jil Sander.» Mal komme es plissiert daher, mal glatt, mal verrüscht, dann wieder abgemagert – je nachdem, was die Trends diktierten.

Aktuell sehe man das Kleine Schwarze in allen erdenklichen Schnitten und Längen. «Denn derzeit gibt es kleine Trends: Jeder darf tragen, was er möchte.» Besonders beliebt sei aber der Vintage-LookUnter Vintage versteht entweder ein Kleidungsstück aus einer älteren Kollektion eines Designers oder eine auf „gebraucht“ gestylte Mode. . Oft werde auch Modernes mit Altem kombiniert. Zum Teil würden sogar aus gebrauchten Teilen neue kreiert. «Used Look» nenne sich das. Eine bedeutende Bewegung in der Mode gehe dahin, zum Beispiel auf Flohmärkten bewusst getragene Kleidungsstücke zu kaufen und sie neu zusammenzusetzen beziehungsweise neue Kollektionen zu entwickeln, die den alten Stückeln ähnelten.

Dadurch, dass in der Mode mittlerweile alles erlaubt ist, müssten Modemacher umso individualistischer arbeiten. «Die Kunden wollen weg von der Uniformität, weg von dem Diktat der Mode», weiß Beate Bonk aus eigener Erfahrung. Eingesetzt habe dieser Trend, der sich immer mehr verfestige, Anfang des 21. Jahrhunderts.

Die «Urjeans» ist nur was für Männer

Ein weiterer Klassiker, der in keinem Damen-Kleiderschrank fehlen dürfe, sei die weiße Hemdbluse. Sie komme eindeutig aus der Herrenkleidung und sei genau wie das Kleine Schwarze auch auf Coco Chanel zurückzuführen. Erst sie habe maskuline Elemente in die Damenmode gebracht. In den späten 1920er und frühen 1930er Jahren hätten Frauen auch angefangen, Hosenanzüge zu tragen. Beispielsweise Marlene Dietrich.

Der gesamte Dandy-LookDer Dandy Look ist ein Modestil, der zu Anzügen und Kostümen dekorative Kleinteile wie Westen, Rüschen- und Jabotblusen sowie breite Krawatten und Schleifen kombiniert. Der Begriff Dandy entstand im 19. Jahrhundert in England und bezeichnet einen Mann, der sich romantisch-elegant und extravagant kleidet. Seit den 1920er Jahren, als Elemente aus der Herrenbekleidung in die Damenmode Einzug hielten, gibt es den Dandy-Look auch in der Damenmode. im Damenbereich komme aus dieser Zeit. Er habe der weißen Hemdbluse zu ihrem Triumphzug verholfen. Im Berliner Nachtleben der Swinging Twenties seien sie auch gere mit Krawatte getragen worden. Vorherher habe es für Frauen nur weiße, mädchenhagte Blusen gegeben, die meist verrüscht oder romantisch bestickt gewesen seien.

Ein etwas jüngeres Kleidungs-Muss für jede Frau ist die Jeans. Groß geworden sei sie erst in der Mode der 1950er Jahren, sagt Beate Bonk. Vorher hätten sie Goldgräbern als Arbeitshose gedient. Die «Urjeans», nämlich die Levi`s 501, sei eigentlich eine reine Männerhose. Frauen hätten sie erst für sich entdeckt, nachdem Marilyn Monroe in enger, sexy Nietenhose aufgetreten sei.

Nicht zuletzt sei die Jeans auch durch die Rock- and-Roll-Bewegung und James-Dean-Filme populär geworden. Mittlerweile gibt es Jeans in allen erdenklichen Schnitten und Waschungen. «Das Thema Jeans ist unerschöpflich. In der Mode wird es beinahe täglich neu definiert», sagt Beate Bonk. Ein junger Trend, der erst in den 1980er Jahren an Gültigkeit gewonnen habe, seien aufgestickte Swarovski-Steine.

Auch keinen Fall bei Accessoires geizen

Genau wie die Jeans sei aber auch ein schlichter Bleistiftrock für die modebewusste Dame «überlebenswichtig», betont Beate Bonk. Am besten in einer neutralen Farbe wie Schwarz, Grau, Beige oder Dunkelblau, damit er sich beliebig mit modernen Oberteilen kombinieren lasse. Denn: «Einem Bleistiftrock sieht man nicht an, ob er 30 Jahre alt oder gestern erst gekauft ist» Er sei zeitlos elegant und in Knie umspielender Länge könne man ihn, sofern sich die Figur nicht zu sehr verändere, das ganze Leben lang tragen.

Auch mit einer weißen Hemdbluse lasse sich jede Menge anfangen. Schließlich sei sie mit und ohne Manschetten tragbar und unendlich kombinierbar. Ein Muss sei auch ein leicht taillierter, sonst aber neutral geschnittener Blazer. Passe er zum Bleistiftrock, verleihe das dem Auftreten eine gewisse Strenge und gehe in Richtung Business-Look. Kombiniert mit einer Jeans könne ein Blazer aber auch lässig oder sportlich elegant wirken.

Wer auf Klassiker setzt, sollte laut Beate Bonk aber keinesfalls den Fehler machen, bei Accessoires zu sparen. Denn wenn schon die Details nicht stimmen, wie soll dann erst das Gesamterscheinungsbild passen? 

«Ein, zwei schöne Tücher gehören daher in jeden Kleiderschrank», sagt die Ingolstädterin. «In gute Schuhe und eine hochwertige Handtasche aus tollem, gut verarbeitetem Leder, sollte man ruhig tief ins Portmonnaie greifen.» Denn wenn die Qualität stimmt, hat man sie sehr lange. Sie sind zeitlos. Außerdem kann man mit solchen Accessoires die Individualität unterstreichen.

Beate Bonk ist studierte Modedesignerin, hat in Ingolstadt ihr eigenes Atelier namens Bonk Mode und unterrichtet an der Modefachschule Sigmaringen in den Fächern Kollektionsgestaltung und -planung.

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