Von Norbert Claus
Hunderte sind zum neuen Denkmal für die Opfer des verheerenden Erdrutsches von Nachterstedt gekommen. Mit Tränen in den Augen legen jene, die genau vor einem Jahr der Katastrophe entkamen, weiße Rosen und Nelken vor der stählernen Tafel nieder.
Auf einer Platte steht: «Im Gedenken an die Opfer, die bei der Erdrutschkatastrophe vom 18. Juli 2009 ihr Leben und ihre Heimat verloren haben. Den Tod fanden Thomas Holzapfel-Saalfeld, Ilka und Klaus-Peter Kollert.«
Das Denkmal - eine große, rechteckige 1,2 Tonnen schwere Stahlplatte - steckt schrägt in der Erde. Architekt Dieter Kienast aus dem Nachbarort Hoym, der es geschaffen hat, will damit die Standhaftigkeit, aber auch die Verletzlichkeit der Natur symbolisieren. Ein breiter Riss in der Stahlplatte, der mit einer blauen Glasplatte verdeckt wird, stehe für den unfassbaren Erdrutsch, sagt der Künstler.
Vor der Enthüllung des Mahnmals hatten in der voll besetzten Kirche St. Nicolai mehrere Hundert Menschen der Opfer des folgenschweren Erdrutsches gedacht. Pfarrer Holger Holtz sagte, seit genau einem Jahr «fehlen uns drei Menschen, die so plötzlich von uns gegangen sind.» In Erinnerung an die Opfer entzündete Holtz vor dem schlichten Altar der Kirche drei große Kerzen. Für jene 42 Bewohner der Siedlung «Am Ring», die innerhalb weniger Minuten ihr Obdach verloren, wurden in einer mit Sand gefüllten Schale 42 kleinere Kerzen angezündet.
In seiner Predigt verwies Holtz auch auf die große Spendenbereitschaft in allen Teilen Deutschlands, die das Leid der Betroffenen mildern wollten, und auf die «die Helfer, die einfach da waren.» Die Retter seien während ihres Einsatzes oft an ihre Grenzen gestoßen.
Holtz sagte, wo der Mensch in die Natur eingreift, lauern Gefahren. Das Gleichgewicht dürfe nicht zerstört werden. Auch Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) mahnte in seiner Fürbitte einen vernünftigen Umgang mit der Natur an. Bürgermeister Siegfried Hampe (parteilos) ermutigte die Betroffenen, weiter den schweren Weg des Neuanfangs zu beschreiten und nicht zu resignieren.
Am Rande des «Concordia»-Tagebausees waren am 18. Juli 2009 unter fast drei Millionen Kubikmeter Erde drei Menschen verschüttet worden. Sechs Doppelhäuser und die nach dem Erdrutsch stehengebliebene Hälfte eines Doppelhauses in der Siedlung «Am Ring» wurden für unbewohnbar erklärt. Die 42 Bewohner mussten umziehen.
Trotz umfangreicher Untersuchungen ist die Ursache des Erdrutsches weiter unklar. Die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft LMBV spricht von mehreren Faktoren, die gleichzeitig gewirkt hätten.
cvd/sca/news.de/ddp