Bischöfin Jepsen vor dem Rücktritt
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Seit Tagen steht Maria Jepsen wegen zu laxer Reaktionen auf Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pastor unter Druck. Nun will sie zurücktreten. Ihre Wahl zur Bischöfin 1992 war damals eine Sensation.
Die 1992 als weltweit erste Frau zur Bischöfin gewählte Maria Jepsen will heute ihren Rücktritt bekanntgeben. Die 65-Jährige Bischöfin von Hamburg steht seit Tagen unter Druck, sie sei Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor in Ahrensburg nicht energisch genug nachgegangen. Der Geistliche soll vor allem in den 1980er Jahren heranwachsende Jungen und Mädchen missbraucht haben. Hinweise gab es, doch aufgearbeitet werden die Fälle erst jetzt. Aussagen von fünf Opfern liegen der Kirche vor, der Opferverein spricht von mindestens 20.
Jepsens Wahl zur Bischöfin im Jahr 1992 war damals eine Sensation und hatte Kirchgeschichte geschrieben: Weltweit hatte erstmals bei einer lutherischen Bischofswahl eine Frau gesiegt. Mittlerweile gab es mit der Lübeckerin Bärbel Wartenberg-Potter und Margot Käßmann in Hannover weitere evangelische Bischöfinnen.
Befürworterin einer vorsichtig feministischen Theologie
Jepsen stammt aus Bad Segeberg in Schleswig-Holstein und studierte Theologie in Tübingen, Kiel und Marburg. 1970 wurde sie Vikarin in Hamburg, ging 1972 als Gemeindepastorin nach Meldorf (Dithmarschen) und wechselte 1977 nach Leck in Nordfriesland, wo sie bis 1990 blieb. 1991 wurde sie Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg-Harburg.
Am 4. April 1992 wählte sie die Synode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche zur Bischöfin für den Sprengel Hamburg. Sie war damit die erste lutherische Bischöfin der Welt. 2002 wurde sie für weitere zehn Jahre in ihrem Amt bestätigt. Von 2001 bis 2004 war sie Vorsitzende der Nordelbischen Kirchenleitung.
Jepsen profilierte sich als Befürworterin einer vorsichtig feministischen Theologie und maß Anstößen von Laien in den Bibel- und Gesprächskreisen große Bedeutung zu. Außerdem förderte sie den Dialog mit den Juden. Sie setzte sich für die Überprüfung von Traditionen des christlichen Glaubens ein, die den Antijudaismus und Antisemitismus fördern.
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