Sa., 26.05.12

Golf von Mexiko 16.07.2010 Hält die neue Bohrlochkappe?

Lichtblick vor US-Küste: Ölleck erstmals geschlossen (Foto)
Kontrolliertes Abbrennen von ausgetretenem Öl im Golf von Mexiko. Bild: dpa

Von Peer Meinert und Marco Mierke

Es ist die erste gute Nachricht seit drei Monaten. Ingenieuren von BP ist es gelungen, das Ölleck vor der US-Küste zu schließen - zumindest vorübergehend. Doch Experten warnen vor allzu großen Hoffnungen.

Es sind die Worte, auf die Millionen Amerikaner an der Golfküste seit Monaten gewartet haben. «Seit 14.20 Uhr (Ortszeit, 21.20 Uhr MESZ) fließt kein Öl mehr in den Golf von Mexiko», verkündete BP-Manager Kent Wells am Donnerstag. Nach all den Fehlschlägen, all den zerstörten Hoffnungen und nicht gehaltenen Versprechungen endlich ein Lichtblick für die Menschen. Selbst Präsident Barack Obama meldete sich aus der Ferne zu Wort und sprach von einem «positiven Zeichen».

Auch am Freitag zeigten Live-Videos von der Quelle eines nicht mehr: die fürchterliche, rost-braune Ölfontäne. Stattdessen herrliche Ruhe in 1500 Metern Meerestiefe. Trügerische Ruhe? Es ist, als wollten selbst die Experten von BP ihrem eigenen Erfolg nicht recht trauen.

Abdichtung lediglich zu Testzwecken geschlossen

Zwar gelang es den Ingenieuren, mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern alle drei Ventile eines meterhohen Auffangzylinders zu schließen. Doch BP-Topmanager Doug Suttles betont: «Wir sind noch längst nicht an der Ziellinie.» Von einem endgültigen Sieg gegen die Plage könne keine Rede sein. Zunächst bleibe die Abdichtung lediglich zu Testzwecken geschlossen. Diese Prüfung könne bis zu 48 Stunden oder gar länger dauern - sie ist entscheidend für das weitere Vorgehen. «Wir befinden uns erst am Anfang», sagt Wells.

Bei den Tests soll geklärt werden, ob das fast vier Kilometer lange Steigrohr im Meeresgrund Lecks hat. Alle sechs Stunden wollen die Experten den Druck messen. Je länger die Messungen dauern, desto besser - denn das würde heißen, die Quelle hält dem Druck stand. Diese «Integritäts-Tests», wie sie die Experten nennen, sind hochkompliziert. «Niedriger Druck bedeutet schlechte Nachrichten» heißt es. Der Thriller an der Golfküste geht weiter.

Noch Stunden vor dem Durchbruch hatte es erneut Pannen gegeben, waren die Rettungsarbeiten abermals zurückgeworfen worden. Ein Leck in einer Leitung an dem Zylinder hatte den mit so viel Spannung erwarteten Testlauf zunächst über Stunden verzögert.

Zylinder soll vor allem während Hurrikans eingesetzt werden

Unklar ist allerdings, ob das Loch tatsächlich dauerhaft mit dem Zylinder verschlossen bleibt. Dafür sei er nie gedacht gewesen, sagte Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der Einsatzleiter der US-Regierung, in der Nacht zum Freitag. «Er soll vor allem genutzt werden, damit wir die Unfallstelle verlassen können, wenn ein Hurrikan aufzieht.»

Viel wahrscheinlicher sei, dass von den Öffnungen des neuen Deckels aus Leitungen zu Schiffen an der Meeresoberfläche gelegt werden, die das Öl absaugen. Bis Ende kommender Woche sollen zwei weitere Schiffe die Unfallstelle erreichen - dann wären vier im Einsatz, die laut Allen zusammen mehr Öl einfangen können als ausläuft.

Doch selbst wenn die neue Vorrichtung geschlossen bleiben sollte - es handelt sich lediglich um eine Zwischenlösung. Vollständig verschließen sollen die Quelle Entlastungsbohrungen vier Kilometer unter dem Meeresboden. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

Rettungsarbeiten bis mindestens zum Herbst

Und erst kürzlich warnte die Regierung: Bereits in den vergangenen drei Monaten sei so viel Öl in den Golf von Mexiko geflossen, dass die Rettungs- und Aufräumarbeiten mindestens bis in den Herbst dauern werden. Weite Teile der US-Küste sind verseucht, darunter das ökologisch sensible Mississippi-Delta. Viele Badestrände sind durch Teer verschmutzt. Nach wie vor seien etwa 30 bis 35 Prozent der Küstengewässer für die Fischerei gesperrt.

«Der Kampf ist nicht vorbei», sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, nach der frohen BP-Botschaft. Selbst wenn das Loch endlich geschlossen sei. Der Bürgermeister Robert Kraft von Gulf Shores in Alabama pflichtet ihm bei: «Vergebt uns, wenn wir ein bisschen skeptisch sind.»

ped/reu/news.de/dpa
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