ICE-Züge - bei 32 Grad am Limit
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Die Bahn rätselt weiter über ihre Saunazüge - hat aber schon ein paar Ausreden parat: So habe bei der Konstruktion der Klimaanlagen in den ICE 1 und 2 keiner ahnen können, dass es in Deutschland mal so warm würde.
Das Eisenbahnbundesamt hatte es schon bestätigt, nun räumt auch die Bahn ein: Bei den Modellen ICE 1 und 2 ist die volle Kühlleistung nur bei Außentemperaturen bis 32 Grad gewährleistet. Bei den Baureihen ICE 3 und ICE T liegt das Limit bei 35 Grad. Wird es heißer, kühlen die Anlagen schwächer. Seit vergangenem Freitag sind laut Bahn in 48 Fällen Klimaanlagen ausgefallen.
Georg Brunnhuber, Sonderbeauftragter des Bahn-Vorstandschefs Rüdiger Grube, hat für dieses Problem mit System schon eine Ausrede parat. «Zum Zeitpunkt der Planung dieser ICEs ist niemand davon ausgegangen, dass wir einmal Temperaturen von mehr als 35 Grad in Deutschland haben würden», sagte er dem Online-Magazin Stern.de.
Die Klimaaggreate funktionierten nach DIN-Norm. Der Hersteller der ICE-Züge, Siemens, habe zusammen mit Bombardier die europäische DIN-Norm für Klimaanlagen bis maximal 35 Grad beachtet. «Wenn weiterhin so heiße Sommer möglich sind, dann wird man in Zukunft die spanische DIN-Norm beachten müssen, die als einzige in Europa Temperaturen bis 40 Grad berücksichtigt», so Brunnhuber.
Seit vergangenem Freitag seien bei insgesamt 5500 Fernzugfahrten in 48 Fällen Klimaanlagen ausgefallen, sagte Personenverkehrschef Ulrich Homburg am Abend in Berlin. Im Regionalverkehr gebe es dagegen keine besonderen Auffälligkeiten, da die Klimaanlagen bei diesen Zügen anders ausgelegt seien. Am vergangenen Samstag waren in einem überhitzten ICE mehrere Schüler kollabiert, neun von ihnen wurden in Bielefeld ins Krankenhaus gebracht.
Bahn rätselt weiter über Ursache des Chaos
Trotzdem bleibt der Totalausfall der Aggregate in einigen Zügen den Bahn-Technikern ein Rätsel. An mangelnder Wartung soll es nicht liegen. Auch ein systematischer technischer Fehler liege nicht vor, teilte die Bahn mit. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit den Herstellern habe bei der ICE-2-Flotte «weder einen Wartungsmangel noch einen systematischen technischen Fehler» entdeckt, sagte Bahnvorstand Ulrich Homburg. Bei den anderen Modellen ICE 1, ICE 3 und ICE T seien Schäden bislang nicht gehäuft aufgetreten.
«Die Klimaanlagen haben bislang gemäß ihrer zum Zeitpunkt der Produktion geltenden Auslegung ohne Auffälligkeiten funktioniert», stellte der Bahnmanager fest. Sie seien «erst jetzt in Teilen der ICE-2-Flotte durch die extreme Hitze an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen». Den Grund dafür nannte Homburg nicht.
Als Konsequenz aus der Pannenserie der vergangenen Tage will die Bahn bei der regelmäßigen Wartung der Klimaanlagen «ab sofort noch einmal besonders» deren Leistungsfähigkeit überprüfen. Auf längere Sicht würden die Klimaanlagen in die bereits beschlossene Generalüberholung der ICE-2-Flotte einbezogen. Die Bahn beginnt mit der Überholung der 44 Züge im November dieses Jahres.
Erste Strafanzeigen
Bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld gingen erste Strafanzeigen ein. Die Behörde ermittelt gegen den ICE-Zugchef wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Es geht um die Frage, ob der Mann den Zug früher hätte anhalten müssen, nachdem die Klimaanlage ausgefallen war. Für den Fahrgastverband Pro Bahn und den Bundesverband der Verbraucherzentralen könnten die defekten Anlagen ein Fall von fahrlässiger Körperverletzung sein.
Bahnvorstand Homburg sagte, offensichtlich entstehe in einem Kühlkreislauf ein Druck, der einen Sensor auslöse. Ab einer bestimmten Temperaturschwelle führe dies zu einer Abschaltung der Anlage.
Als Konsequenz aus der Pannenserie der vergangenen Tage will die Bahn bei der regelmäßigen Wartung der Klimaanlagen «ab sofort noch einmal besonders» mit einer Art Doppelcheck deren Leistungsfähigkeit überprüfen. Auf längere Sicht würden die Klimaanlagen in die bereits beschlossene Generalüberholung der ICE-2-Flotte für 100 Millionen Euro einbezogen. Die Bahn beginnt mit der Überholung der 44 Züge im November dieses Jahres. Der Hersteller Siemens wollte zu den Kühlproblemen keine Stellung nahmen
Einen neuen Vorfall gab es am Donnerstag: Nach einem Schaden an der Oberleitung blieb ein ICE auf der Bahnstrecke nördlich von Bamberg liegen. Dadurch fiel auch die Klimaanlage im Zug bei rund 35 Grad Außentemperaturen aus. Nach Angaben der Bahn mussten die rund 200 Fahrgäste knapp 90 Minuten im Zug warten, bis Ersatzbusse für die Weiterfahrt nach Bamberg zur Verfügung standen.
In einer internen Handlungsanweisung bereitete die Bahn ihre Zugbegleiter auf weitere Ausfälle von Klimaanlagen in den nächsten Tagen vor. Das Personal solle die Anlagen «bei zu erwartenden Außentemperaturen von mehr als 32 Grad bereits vorausschauend» so einstellen, dass die Klimaanlage die Fahrgasträume um mindestens fünf Grad herunterkühlen werde. So werde «die Gefahr der Überlastung der Kälteanlage stark reduziert», zitierte die Bild-Zeitung aus dem Schreiben. Homburg sagte, Fahrgäste hätten inzwischen bereits Hitze-Entschädigungen erhalten. Die Bahn bietet dafür Reisegutscheine an.
Die Linke forderte eine Sondersitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses Anfang kommender Woche. Dort müssten die Verantwortlichen bei Bahn, Regierung und Herstellern erklären, wie sie die unhaltbaren Zustände schnell in den Griff bekommen wollten. Auch SPD und Grüne verlangten umfassende parlamentarische Aufklärung.
«Man bekommt, wofür man bezahlt»
In den Medien erntet die Bahn für das Klimadesaster in ihren Fernzügen harsche Kritik. So schreibt das in Oberfranken erscheinende Obermain-Tagblatt: «Es gab Zeiten, in denen die Bahn werbewirksam das Wetter ignorieren konnte. Ob Winter, ob Sommer die Züge waren pünktlich wie die Eisenbahn. Und sie hatten Fenster, die man noch öffnen konnte. Vorbei. Völlig überraschend ist es Sommer (...) Die Ausrüstung mit der Spar-Klimaanlage kommt die Bahn nun teuer zu stehen. Man bekommt, wofür man bezahlt und das durfte nicht zu viel sein, schließlich musste sich die Bahn börsenfein machen. Was die jetzt fleißig geifernden Politiker offenbar vergessen haben.»
ped/reu/cvd/news.de/dpa
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WISSEN konnte man davon seit spätestens Mitte der 80er Jahre. Und seither war auch klar, dass der Klimawandel in der Zone, in der die Kälte der Pole auf die Hitze vom Äquator trifft, kaum "gemäßigt" abgehen, sondern zu eben den Erscheinungen führen würde, an die wir uns jetzt gewöhnen müssen: Dauerregen, Überschwemmungen, wochenlange Hitzewellen, Unwetter, TORNADOS in der Lüneburger Heide... Tatsache ist, dass wir uns allenthalben aus "Kostengründen" eben nicht entsprechend vorbereitet haben. Und genau DA beginnt das Problem! Bezahlen wir eben jetzt. Alte und Kinder zuerst.
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