Sa., 26.05.12

Deutsche Bahn 15.07.2010 Warme Worte

news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert. (Foto)
news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert. Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Die Bahn kann nichts für den Hitze-Gau. Der Konzern hat getan, was er venünftigerweise tun muss: Er hat wirtschaftlich gedacht. Ein Skandal ist das trotzdem. Aber einer, an dem die Politik schuld ist. Auch wenn sie das durch warme Worte überdecken will.

Die Klimaanlagen der Deutschen Bahn funktionieren offenbar genau dann nicht, wenn sie am allermeisten gebraucht werden: bei großer Hitze. So paradox das für den schwitzenden Reisenden sein mag, so wenig überraschend ist es: Nur an vergleichsweise wenigen Tagen klettern im mitteleuropäischen Deutschland die Temperaturen auf mehr als 35 Grad – oder fallen unter Minus 20 Grad.

Warum also sollten wirtschaftlich denkende Unternehmen wie die Bahn oder die Hersteller der Züge nur für diese wenigen Tage Geld investieren? Obendrein wo nicht einmal sicher ist, dass es einen harten Winter oder heißen Sommer geben wird? Eben. Und Bahnfahren ist schließlich bei 40 Grad genauso teuer wie bei 20 Grad – eine leistungsfähigere Klimaanlage refinanziert sich also maximal über Umwege.

Soweit die ökonomische Logik. Für die reihenweise in überhitzten Zügen kollabierten Bahnkunden ist das ohne Frage zynisch. Ist es doch ein «ernster Vorgang», um mit den warmen Worten unserer Verbraucherschutzministerin zu sprechen, wenn die Gesundheit der Fahrgäste beeinträchtigt wird. «Es muss alles dafür getan werden, damit die Züge für die Menschen sicher sind.» Bewegend.

Nur nicht für die Bahn. Warum auch? Was passiert, wenn an ein paar Tagen im Jahr Eisbrocken die Weichen verstopfen oder Fahrgäste Wasserflaschen vom THW brauchen? Richtig: nichts. Die Leute fahren weiter Bahn, weil es im Grunde bequem und ökologisch sinnvoll ist. Und sie fahren weiter Deutsche Bahn, weil es keine Konkurrenz gibt.

Es ist also die alte Leier: Die Bahn kann machen, was sie will, weil gesunder Wettbewerb fehlt. Und das ist die Schuld der Politik. Warum will sie der Bahn weiterhin das Schienennetz überlassen, wo es dem Unternehmen doch die Aushebelung ernsthafter Konkurrenz allzu leicht macht? Warum musste erst das Bundesverwaltungsgericht kommen, um Fernbussen eine faire Chance neben der Schiene zu geben? Diese unterlassene Hilfeleistung der Politik gegenüber dem fairen Wettbewerb hat die Bahn stark gemacht. Hitze-Gau und Türenfrost sind nur die logische Konsequenz.

Es nützt also überhaupt nichts, die Politik an ihre Verantwortung für diesen durchgemarktwirtschafteten Staatskonzern zu erinnern – um ihn sinnvoll zu zügeln, reicht ihre Macht schon lange nicht mehr.

ped/reu/news.de
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