«Heute kann ich Pimmel zeichnen, soviel ich will»
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 15.07.2010
Er bekommt zum Geburtstag eine Ausstellung mit seinen Comics und darf auch noch den Christopher-Street-Day in Leipzig beschirmherren. Mit news.de spricht Comiczeichner Ralf König darüber, wie es soweit kommen konnte.
Wie wird man Schirmherr des CSD in Leipzig?
König: (lacht) Die haben mich an einem guten Tag erwischt und gefragt. Ich habe bis jetzt nicht die geringste Ahnung, was das überhaupt heißt. Ich soll die CSD-Parade einläuten, was mir fast ein bisschen unangenehm ist. Ich kann zwar mittlerweile vor einem größeren Publikum was erzählen, wenn es um meine Belange geht. Aber Fahnen hoch und Homodemo los, diese politischen Statements liegen mir nicht so. Ich freu mich aber drauf. Dieser CSD in Leipzig soll ein schöner kleiner sein.
Sind Sie sonst ein CSD-Gänger?
König: Dieses Jahr war ich in Köln dabei, das war sehr schön. Vorher war ich mal nicht so begeistert wegen der Kommerzialisierung, die mich abstieß. Mit Freunden stand ich am Paradenrand und wir warteten auf einen Wagen, der Musik zum Tanzen spielt. Als wir uns einreihen wollten, kamen große, wahrscheinlich sehr heterosexuelle Kerle mit Sonnenbrillen und Anzügen. Die schoben uns auf den Bürgersteig zurück. Der Effekt war, dass aus einer Limousine zwei Modeltypen ausstiegen in Glitzerklamotten, die machten Werbung für einen Energydrink. Das hat mich so angewidert. Der CSD ist ja immer noch eine Demo. Der Kölner CSD war auch mal eine kleine Parade. Mittlerweile will jeder, der ein Produkt macht, und jede Partei sich zeigen. Da wird es schnell zu einer komischen Parade, die vergessen lässt, worum es eigentlich geht.
Beim CSD in Leipzig wird zum Beispiel über den neuen Hass gegen Homosexuelle diskutiert. Gibt’s den?
König: Ich dachte, dadurch dass die Medien Schwulsein toleranter in einem sympathischen Licht zeigen, passiert auch was in den Köpfen. Dass Schwule bei Jugendlichen wieder das Allerletzte sind, macht auch ein bisschen frustriert. Man denkt, man hat was erreicht und dann gibt es wieder so eine Welle, die aggressiv dagegen hält. So richtig verstehe ich das nicht. Ich war immer skeptisch gegenüber dem Gedanken, dass das Gröbste vorbei ist. Man muss nur über die Grenzen gucken, nach Polen und Russland. Schwul sein ist auf diesem Planeten mit Verfolgung und Unterdrückung verbunden. In Deutschland sind wir in einer Situation, die sehr besonders ist. In größeren Städten wie Köln oder Berlin wo eine, ich nenn's mal Fußgängerzonentoleranz herrscht, ist es einfach, schwul zu sein. Ich hab nie verstanden, was Homophobie ist und was das auslöst.
Das Motto des CSD ist «Homophobie ist heilbar», stimmt das in jedem Fall?
König: Ich bin stolz darauf, obwohl ich das nicht angestrebt habe, dass meine Comics so beliebt sind bei Leuten, die mit Schwulen gar nichts am Hut haben. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Spruch stimmt. Sobald Sympathie mit einfließt und nicht nur Unwissen, dann ist sowas wie Homophobie tatsächlich heilbar. Dafür bin ich vielleicht auch ein Rädchen im Getriebe.
Sie sind in Leipzig wahrscheinlich zum Schirmherren gemacht worden, weil Sie eine Ikone der Homosexuellen sind. Wie fühlt sich das an?
König: Tja. (lacht) Auf der Ikonenwelle schwimme ich gerade. Jetzt werde ich Anfang August 50, seit 30 Jahren zeichne ich Comics. Das hat dazu geführt, dass ich eine Ikone bin. Hört sich ein bisschen seltsam an, weil sich für mich so gar nichts geändert hat. Ich muss sagen, ich lasse mich jetzt auch ganz gerne mal bepuscheln. Ich hatte eine große Ausstellung in Oberhausen im Museum Ludwig, also richtig seriös. Meine Comics hingen dort an den Wänden. Ich finde das ganz schön, dass man so jetzt ein bisschen aufmerksamer auf mich wird. Blöder wär's, hätte es den Beigeschmack von «Jetzt wird er noch mal geehrt und dann verschwindet er in der Versenkung». Dafür habe ich noch zuviel vor.
Dieses Seriöse, war das Ihr Ziel?
König: Nein, da kam ja eins zum anderen im Laufe der Jahre. Erst habe ich das Zeichnen als Hobby gemacht, da hatte ich ein kleines Publikum. Damals Anfang der 1980er war Schwulsein noch ein absolutes Tabu. Es war eine abseitige, kranke gesellschaftliche Ecke und da kam dann einer wie ich, der darüber Witze machte. Das war das Richtige zur rechten Zeit, obwohl ich das gar nicht bezweckte. Durch den bewegten Mann 1987 ging es dann über die Schwulenszene hinaus. Das hat mich gefreut und mir möglich gemacht, seit 30 Jahren vom Comiczeichnen leben zu können. Das ist in Deutschland eher ungewöhnlich. Das seriöse Fach kam in den letzten Jahren. Ich hatte eine Comicserie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ich habe die Schöpfungsgeschichte auf meine Art gezeichnet und mir wurde sofort vorgeworfen, ich hätte religiöse Gefühle beleidigt. Da hatte ich dann ein Publikum, dass meine Bücher sicher nicht kannte und vielleicht auch nie kennen wollte. Es gab soviel Empörung. Als Karikaturist hat mich das verwundert, aber auch gefreut. Mitte der 1990er war ich mal bei der Bundesprüfstelle, weil ich einen dicken Pimmel gemalt habe. Heute kann ich Pimmel zeichnen, soviel ich will. Aber wenn ich Adam und Eva zeichne, dann gehen sie auf die Barrikaden. So haben sich die Zeiten geändert.
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Ha ,ha ich könnte mich kringel für Deinen Eintrag . Felix Kroll . In der Kunst ist alles halt erlaubt .Pimmel zeichnen eben auch !!
jetzt antwortenKommentar meldenRalf, alle freuen sich mit Dir, dass Du jetzt Pimmel zeichnen kannst! Wenn Deine Kinder einmal nach dem Beruf ihres Vaters gefragt werden, können sie voller Stolz antworten:¨Pimmelzeichner¨!
jetzt antwortenKommentar meldenEr zeigt dem Hänschen die große Welt!
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