Sa., 26.05.12

Nach Hitzepanne im ICE 14.07.2010 Staatsanwalt ermittelt gegen Zugführer

ICE (Foto)
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Zugführer des ICEs, in dem Schüler wegen der Hitze zusammenbrachen. Bild: dpa

Von Annika Müller

Nach dem Hitzekollaps von Fahrgästen in einem ICE ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Zugführer. Gewerkschaften warnen vor einer Vorverurteilung des Bahnpersonals. Die Bahn versucht, ihr Klimaanlagen-Problem in den Griff zu bekommen.

Dem Verein Deutscher Ingenieure zufolge sind die ICE-Klimaanlagen nicht für Temperaturen über 35 Grad ausgelegt. Das Verkehrsministerium räumte unterdessen ein, von den Problemen mit der Technik schon länger gewusst zu haben und kündigte Konsequenzen an. Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht von weit mehr betroffenen Zügen als bislang bekannt, die Bahn von Problemen bei nur 37 Fernzügen.

Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart sagte in Bielefeld, es bestehe «ein Anfangsverdacht auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung». Der Fahrer habe nicht einfach weiter fahren dürfen, nachdem er den Ausfall der Klimaanlage bemerkt hatte.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA wiesen allerdings darauf hin, dass «unsere Kolleginnen und Kollegen gerade in diesen Hitze-Tagen besonders unter diesem Klima zu leiden haben. Sie verrichten ihren Dienst unter extrem schwierigen Bedingungen.» Hier könne die Bahn Abhilfe mit zusätzlichem Personal schaffen. Außerdem sei das Unternehmen Reisenden und Personal eine Beseitigung der Probleme schuldig.

Züge werden täglich gewartet

Die Bahn reagierte auf die wiederholten Hitze-Pannen nach eigenen Angaben mit einer gemeinsamen Task-Force von der Deutschen Bahn und Siemens. Bahnsprecher Jürgen Kornmann betonte, dass die Züge alle die tägliche Wartung mit funktionstüchtiger Klimaanlage verließen. Der Fehler trete dann plötzlich während der Fahrt auf. Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck an der Lösung des Problems. «Jede defekte Klimaanlage ist eine zu viel», sagte er. Einen Bericht der Bild-Zeitung, die Bahn stehe vor einem Rätsel, wies er hingegen zurück. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure sind die Klimaanlagen in den deutschen ICE-Zügen für Temperaturen über 35 Grad allerdings gar nicht ausgelegt. «Wenn Siemens nach der EU-Norm auslegt, muss man in Kauf nehmen, dass die Anlage bei höheren Temperaturen nicht funktioniert. Mittlerweile ist ja bekannt, dass es in Deutschland wärmer wird«, sagte Geschäftsführer Thomas Terhorst. Die nächsthöhere Stufe der EU-Norm toleriere Temperaturen bis 40 Grad und werde beispielsweise auf Spanien angewandt.

Empfindliche Bordelektronik

Beim Bundesverkehrsministerium weiß man offenbar schon länger von den Problemen mit der Elektronik in einigen ICE-Zügen. Die gesamte Bordelektronik der ICE-Eins und ICE-Zwei Züge sei empfindlich, räumte Staatssekretär Enak Ferlemann ein. Die Vorfälle müssten nun überprüft und hinterfragt werden, «weil wir vor der Ausschreibung einer kompletten Erneuerung der Flotte stehen, und da sollen diese Fehler nicht wieder auftreten.» Man müsse nun die Konsequenzen aus den Schäden ziehen.

Das Ausmaß der Probleme scheint zudem weit größer zu sein, als bislang bekannt. «Wir haben über 100 Eingaben über defekte Klimaanlagen in unterschiedlichen Fahrzeugtypen», sagte Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Ein Bahnsprecher sagte dagegen, es habe bei insgesamt 36 Fernzügen in der Zeit zwischen Samstag und Montag Zwischenfälle gegeben. Zudem sei am Dienstag zwischen München und Saarbrücken ein IC gestoppt und die Reisenden auf andere Züge verteilt worden.

sck/news.de/ddp
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • zigeunerblut
  • Kommentar 3
  • 29.07.2010 17:22
 

Das ist auch richtig, dass ermittelt wird. Wenn dem Lokführer bekannt war, dass die Klimaanlage defekt, hätte er sofort anhalten müssen. Frage ist jedoch, wurde ihm die Nachricht übermittelt bzw. wer hat es versäumt Mitteilung zu geben. Der Lokführer hat seinen Platz nicht in den Abteilungen und wenn ihm keine Mitteilung zugeht, kann er es auch nicht wissen. Warum hat der Lehrer keinen Notruf aktiviert? Schon alleine in Verantwortungsbewusstsein für seine Schüler hätte er das sofort machen müssen oder war er schon als erster umgefallen.

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  • Ralle
  • Kommentar 2
  • 15.07.2010 16:59
 

Es stellt sich einmal die Frage nach den Vorgaben der Bahn an die Zugfahrer ( was darf, kann und muss dieser in einem solchen Fall machen ) und dann wieder die Gretchenfrage: Wer bastelt eigentlich die Ausschreibungen und wer bekommt den Auftrag. Und wie bei vielen anderen Ausschreibungen auch, werden alternative Techniken, alternative Preise und und und hin und her geschickt, aber aus Kostengründen immer die PREISWERTESTE ( aber auch technisch sinnvolle ??? ) Ausschreibung genommen. Arme Bahn, Arme Politiker die die Bahn kontrollieren sollten, aber auch daran mitverdienen.

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  • alfgarfield
  • Kommentar 1
  • 15.07.2010 08:18
 

"Der Fahrer habe nicht einfach weiter fahren dürfen" - ist er aber! Solchen Leuten gehört der Prozess gemacht, und mit Höchststrafe verurteilt. Jeder ist verantwortlich für sein tun! Und wenn wer wegen drohendem Jobverlust oder Faulheit zum Verbrecher wird, muß dieser ohne Knade wie ein Verbrecher behandelt werden. Scheis auf Job und Kariere, ehrlich wehrt am längsten. Die Feigheit der Volksmasse in diesem Land ist alleinige Ursache für allen Übels hier zu Lande. Damit lassen sich glänzende Geschäffte machen. Bekanntlich geht der Kapitalist über Leichen, wenn der Gewinn nur groß genug ist.

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