Sa., 26.05.12

Urlaubsreise 17.07.2010 So vergeht die Fahrt wie im Flug

Urlaubsfahrt (Foto)
Wer Kinder hat, braucht auf der Fahrt in den Urlaub eine gehörige Portion Geduld. Und Fantasie, um ihnen mit lustigen Spielen die Zeit zu vertreiben. Bild: iStock

Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl

Im bevölkerungsreichsten Bundesland beginnen die Ferien, und der ADAC warnt vor Stau - quasi auf allen Autobahnen. Die Fahrt in den Urlaub zieht sich da wie Kaugummi. News.de gibt Anregungen, mit denen die Reise für Sie und Ihre Kinder kurzweilig wird.

Der Urlaub rückt in greifbare Nähe. Doch so groß die Vorfreude auf ein paar erholsame Wochen an einem fernen Ort auch ist – angesichts der für Sommerwochenenden üblichen Staumeldungen und der hitzigen Horrorszenarien aus deutschen Zügen kann einem bei dem Gedanke, erst einmal eine lange Reise hinter sich bringen zu müssen, alles vergehen. Hier ein paar Tipps, wie Sie sich beziehungsweise ihren Mitreisenden die Zeit im Zug oder Auto wenigstens ein bisschen verkürzen können.

Besonders nervenaufreibend kann Reisen mit Kindern sein. Jede halbe Stunde mit nölendem Unterton, der allmählich ins Weinerliche übergeht, «Wann sind wir denn da» gefragt zu werden, kann für Eltern schon zur Geduldsprobe werden. Und mit alten Hüten wie Stadt, Land, Fluss, Kühe zählen oder Ich packe meinen Koffer kann man die lieben Kleinen auf Dauer bestimmt nicht amüsieren. Es sei denn, man peppt sie ein wenig auf.

Schwer verletzte Gummibärchen operieren

Aber es geht auch ausgefallener: Wer nichts gegen klebrige Sauerei auf dem Rücksitz hat, sollten den Kindern einfach eine Packung Gummibärchen reichen. Zumindest  in der nächsten halben Stunde herrscht dann garantiert Ruhe. Denn wenn die Kleinen genug genascht haben, können sie in ihrer Fantasie in weiße Ärztekittel schlüpfen und Gummibärchenkrankenhaus spielen.

Ein beliebiges Gummibärchen wird zum Patienten, indem man ihm ein Bein oder eine Pfote abbeißt. Aber bitte nicht verschlucken oder zerkauen, sondern im Ganzen quasi als Prothesen oder Ersatzorgan auf einem Taschentuch bereit legen. Der Patient kommt jetzt in den OP – ebenfalls ein Taschentuch. Dort wird er sorgfältig untersucht, damit ja keine falsche Diagnose gestellt wird. Doch meist ist es offensichtlich: Hand ab oder Kopf ab.

Um keine Zeit zu verlieren, muss der schwer verletzte Gummibär sofort operiert werden. Aus dem Organ- beziehungsweise Prothesenlager sucht sich der Chefarzt einen passenden Arm oder ein geeignetes Bein aus und klebt es dem Patienten mit Spucke an. Dabei stört es nicht, wenn ein rotes Gummibärchen plötzlich ein grünes Bein oder eine weiße Pfote hat. Denn so entstehen kunterbunte Figuren, die nun nicht mehr ausschließlich nach Himbeere, Apfel oder Ananas schmecken, sondern nach Obstsalat.

Das Auto wird zum Sendestudio

Für lärmtolerante Eltern ist Radio spielen eine familienpsychologisch wertvolle Idee. Zunächst denken sich alle gemeinsam einen Namen für den Familiensender aus und dann gilt es, Werbung zu erfinden, Nachrichten zu sprechen, und den Musikmix zusammenstellen. Selbstverständlich werden alle Lieder selbst gesungen. Und wenn man den Text vergessen hat, ist das auch kein Schaden. Dann muss man sich eben selbst einen ausdenken.

Wie ein echter Radiosender sollte man natürlich auch immer aktuelle Verkehrsmeldungen durchgeben. Auch Interviews mit Familienmitgliedern stehen auf dem Programm. Alle Fragen sind erlaubt. Der Gerechtigkeit halber darf jeder mal Moderator sein. Da jedoch nicht alle Reisenden unbedingt Familienradio hören möchten, sollte man nur senden, wenn die Familie im Auto oder im Zugabteil unter sich ist. Im Flugzeug, im Großraumabteil eines Zuges oder im Bus könnten andere Mitreisende genervt reagieren.

Schließlich ist, gerade, wenn man alleine reist, lesen oder schlafen eine recht kurzweilige Beschäftigung. Wer in der Bahn oder im Flugzeug aber partout nicht schlummern kann, könnte es doch wieder mal mit Stricken versuchen. Erstens kann man sich nebenbei noch mit anderen Fahrgästen unterhalten und zweitens hat man – vorausgesetzt man fährt lange genug – am Ende der Reise einen fertigen Schal, Topflappen oder Strumpf. Und wer sein Strickwerk nicht ganz zu Ende bringt, sieht nach der Reise zumindest, dass er die Zeit genutzt hat – es sei denn, er musste vor lauter Fehlern immer wieder auftrennen. In diesem Fall sollte man sich für die Rückreise lieber eine andere Beschäftigung suchen – um Frust zu vermeiden.

Das Notebook sollte zu Hause bleiben

Aber bitte nicht Arbeiten am Laptop. Den sollte man, wenn es in den Urlaub geht, nämlich am besten zu Hause lassen. Schließlich sitzt man im Alltag genug davor. Man sollte die Rückreise lieber so gut wie möglich zum Entspannen nutzen. Zum Beispiel mit Postkartenschreiben. Denn wer das erst auf dem Nach-Hause-Weg im Zug oder Flugzeug tut, hat im Urlaub mehr Zeit zum Genießen. Außerdem kann er beim Schreiben auf der Rückreise noch ein wenig von den vergangenen Tagen träumen. Spannender als den Sitznachbarn beim Nasepopeln zu beobachten, ist das allemal. Außerdem verhindert man so, zu Hause mit Vorwürfen überschüttet zu werden, dass man sich nicht gemeldet hat.

Oder wie wäre es mal wieder mit einem handgeschriebenen Liebesbrief an die Süße, die nicht mit verreisen konnte? In Zeiten elektronischer Medien ein ganz besonderer Liebesbeweis. Wer seinen Schatz damit überrascht, wird zu Hause als Dankeschön sicherlich mit ein paar Stunden verwöhnt, die fast so schön wie Urlaub sind. Allerdings kann solche Zeilen nur zu Papier bringen, wer im Zug, Flugzeug oder Bus, keinen indiskreten Sitznachbarn hat, der ständig neugierig in den Briefblock linst.

Wer mit mit solch einem unangenehmen Zeitgenossen bestraft ist, könnte versuchen, ihn zu vergraulen. Entweder, indem er sich den Spaß macht und nichts als Schmuddeleien zu Papier bringt - die man der Liebsten dann freilich nicht unbedingt schickt und die den Sitznachbarn erröten lassen und ihn allmählich in die Flucht schlagen.

Auch lautes Schmatzen beim Essen könnte ein probates Mittel sein, ihn zu vertreiben. Und wenn das alles gar nichts nützt, hilft es wohl nur, sich hinter einer Zeitung zu verstecken, zu lesen oder versuchen, schnell einzuschlafen. Wer im Zug oder Bus unterwegs ist, sollte dabei aber nicht vergessen, sich den Wecker zu stellen.

sck/ped/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Felix Kroll
  • Kommentar 1
  • 17.07.2010 23:49
 

Der Artikel hat mir mal wieder gefallen. Auf der Autobahn dahinkriechen oder im Stau stehen zu bleiben ist langweilig. Wir haben dann die Autobahn verlassen und sind durch Dörfer und Städte gefahren. Dann erlebt man erst, wie schön das Land wirklich ist. Statt Raststätte, wird in einer hübschen Gaststätte Pause gemacht. Man kann Äpfel oder Kirschen ernten und den Proviant auffrischen. Während einer Eisenbahnreise in Brasilien stiegen Jugendliche an einem Haltepunkt zu. Sie liessen Schnapsflaschen im Wagen Kreisen. Danach herrschte eine Stimmung wie auf einem Polterabend. Bis zur Endstation.

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