In Deutschland stirbt es sich ganz gut
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Von Christiane Oelrich
Artikel vom 14.07.2010
Nicht überall, wo es sich gut leben lässt, lässt es sich auch gut sterben. Im Gegenteil: Vielen Industrieländern ist die Verlängerung des Lebens wichtiger als ein würdevoller Tod. Das hat eine Studie ergeben, bei der Deutschland gar nicht so schlecht abschneidet.
Die Betreuung sterbender Menschen lässt in vielen Ländern zu wünschen übrig. Nicht alle Länder mit hoher Lebensqualität helfen Sterbenden, die letzten Tage so würdevoll wie möglich zu verbringen. «Sterbequalität» nennt das die Lien-Stiftung aus Singapur, die 40 Länder danach beurteilen ließ, wie sie mit Sterbenden umgehen. Großbritannien kam dabei auf den Spitzenplatz, Deutschland auf Platz 8. Länder wie Finnland, Dänemark, die Schweiz und Schweden, deren Gesundheitssysteme als vorbildlich gelten, landeten auf den Plätzen 28, 22 und 19 und 16.
«In vielen hochentwickelten Ländern ist die medizinische Versorgung oft zu stark darauf gepolt, den Tod zu verhindern, als Menschen beim Sterben ohne Schmerzen, Beschwerden und Stress zu helfen», heißt es in der Studie, die die Stiftung bei dem Londoner Institut Economist Intelligence Unit in Auftrag gab. Tod und Sterben gelten oft als Tabu-Themen, über die in der Öffentlichkeit nicht geredet wird. Hospiz-Pflege sei oft als «Aufgeben» verpönt.
Großbritannien schneidet deshalb so gut ab, weil die Gesellschaft das Thema offen diskutiert, weil Pflegepersonal eigens ausgebildet wird, weil Ärzte ehrlich mit ihren Patienten reden und Schmerzmittel wie Opiate dort leicht zu bekommen sind. Den Vorsprung vor anderen Ländern haben die Engländer Cecily Saunders zu verdanken, die mit dem ersten Hospiz 1967 eine weltweite Bewegung startete.
In den USA heißt die Devise «Heilung um jeden Preis»
Auf die folgenden Plätze kamen Australien, Neuseeland, Irland, Belgien, Österreich und die Niederlande vor Deutschland. Schlusslichter waren China, Brasilien, Uganda und Indien.
Viele westliche Länder mit guten Gesundheitssystemen schnitten schlecht ab, weil sie «klar auf eine starke medizinische Versorgung in Krankenhäusern setzen und wenig Wert auf Hospize legen», sagte die Direktorin des Instituts für Palliativ-Pflege an der Universität von Lancaster in Großbritannien, Sheila Payne den Autoren der Studie. Vor allem in den USA setzten Ärzte oft auf «Heilung um jeden Preis». «Wir sind das Epizentrum der Technologien, die uns erlauben, Menschen 60 Tage länger am Leben zu erhalten, ohne dass sich ihr Zustand bessert, aber mit deutlich höheren Kosten», sagte Paul Keckley von der US-Beratungsfirma Deloitte Center for Health Solutions.
Medikamente, die Schmerzen und Beschwerden lindern, gelten als Voraussetzung für eine befriedigende Pflege der Sterbenden. «Wenn der Schmerz kontrolliert wird, öffnet das die Tore zu allem anderen», sagt Anne Merriman, Gründerin von Hospice Africa. «Dann können die Menschen wieder denken und sich mit sozialen, spirituellen und kulturellen Fragen auseinandersetzen.»
Gute Palliativpflege senkt Gesundheitskosten
Fünf Milliarden Menschen weltweit müssten auf Medikamente zur Schmerzkontrolle verzichten, heißt es in der Studie. «Eines der größten Probleme ist, dass manche Regierungen illegalen Drogenkonsum so fürchten, dass es fast unmöglich ist, etwa an Opiate zu kommen», sagt Payne von der Universität Lancaster.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass mehr Palliativpflege, die darauf abzielt, die letzten Lebensmonate möglichst schmerz- und stressfrei zu gestalten, die Gesundheitsausgaben senkt. Bei guter ambulanter Sterbebegleitung und Hospizpflege würden Todkranke etwa seltener in die Notaufnahme der Krankenhäuser gebracht.
ped/iwe/reu/news.de/dpa
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zum Thema ist ein besonderes Buch erschienen: "Den Tagen mehr Leben geben". Es handelt von einem außergewöhnlichen Hospizkoch und seinen sterbenskranken Gästen. Der bekannten Fernsehjournalistin und Autorin Dörte Schipper ist ein bemerkenswert spannendes und überraschendes Buch gelungen über das Sterben – und das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Dem Buch vorausgegangen ist eine Fernsehdokumentation in der ARD, für die die Autorin mit dem Erich-Klabunde-Preis ausgezeichnet wurde. Dörte Schipper DEN TAGEN MEHR LEBEN GEBEN Vorwort von Udo Lindenberg Bastei-Lübbe Verlag Lebensbejahend!
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