Mit 4000 Wasserflaschen rückte das Technische Hilfswerk (THW) am Hauptbahnhof in Hannover an. Tausende überhitzte Reisende konnten so versorgt werden. Politiker wollen langfristigere Lösungen für das Hitze-Problem bei der Bahn.
In kurzer Zeit transportierten die Logistiker vom THW die acht Paletten mit 4000 Wasserflaschen gestern Nachmittag zum Bahnhof. Sie verteilten sie bis zum späten abend unter anderem an 400 Reisende eines ICE aus Berlin. Der war wegen einer defekten Klimaanlage in Hannover aus dem Verkehr genommen worden worden, sagte der THW-Ortsgruppenbeauftragte Ewald Nagel.
Sehr viele Reisende hätten zudem wegen der Beeinträchtigung des Bahnverkehrs durch die schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen und im westlichen Niedersachsen in Hannover festgesessen. Ein Notfallmanager der Bahn habe das THW um den Einsatz gebeten.
Nach den zahlreichen Hitzepannen bei der Deutschen Bahn am Wochenende verlangt Winfried Hermann von den Grünen neue Investitionen des Unternehmens. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses sagte der Neuen Presse, über Jahre hinweg sei an den laufenden Ausgaben gespart worden. Grund hierfür sei der geplante Börsengang der Bahn gewesen. Nun müsse dringend ein «Plan B» her und das Personal geschult werden, um richtig auf die Situationen zu reagieren. «Da darf es eben nicht mehr vorkommen, dass Gäste in völlig überfüllten und überhitzen Zügen sitzen, ohne dass sie herauskommen», sagte er.
Linke fordet Entschädigung für Hitze-Opfer
«Unklimatisierte, überhitzte und überfüllte Züge sind unzumutbar. Die Bahn muss Fahrgäste entschädigen, die unter solchen Bedingungen reisen müssen», erklärte die verbraucherpolitische Sprecherin der Linken, Caren Lay. Die Bahn dürfe die Gesundheit ihrer Fahrgäste nicht aufs Spiel setzen.
Lay fügte hinzu: «Die Deutsche Bahn spart offenbar bei der Wartung und bei der technischen Ausstattung ihrer Züge.» Die Ausfälle von ICE-Klimaanlagen am Wochenende seien keine Einzelfälle. Die Klimatisierung von IC- und Regional-Zügen lasse ohnehin sommers wie winters zu wünschen übrig. Derartige Vorwürfe wies das Unternehmen bereits zurück.
Lay erklärte, bei massiven Beeinträchtigungen des Reisestandards müsse es ähnlich wie bei Verspätungen Entschädigungen für Fahrgäste geben. Entsprechende Regelungen müssten schleunigst in die gesetzlichen Fahrgastrechte aufgenommen werden. Bis dies umgesetzt sei, müsse der Bund als Eigentümer gegenüber der Bahn darauf drängen, dass es großzügige Kulanzregelungen gebe.
ped/reu/news.de/ap/ddp