Sa., 26.05.12

Buchbinder 25.07.2010 Retter der gedruckten Schätze

Buchbinder (Foto)
Buchbinder haben einen Job mit Tradition. Doch auch hier hält die Technologie Einzug. Bild: dpa

Bücher mag es inzwischen auch digital geben. Doch echte Lesefans wissen das Umblättern der Seiten zu schätzen. So sehr, dass sie kaputte Exemplare nicht durch neue ersetzen, sondern sie reparieren lassen.

Im Zeitalter elektronischer Medien hat das Buch nicht ausgedient: 2008 gab es laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels fast 100.000 Neuerscheinungen. Viel Arbeit für Buchbinder, die seit Jahrhunderten bedrucktes Papier in seine Form bringen und es bequem lesbar machen. Literarische Werke zählen dazu, aber auch Prospekte, Zeitschriften, Fahrpläne und Formulare.

Mehr als 22.600 Buchbinder arbeiten derzeit in Deutschland. Ihr Beruf hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt: Was bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reine Handarbeit war, haben inzwischen zum größten Teil moderne Maschinen übernommen. Deshalb verlangen Arbeitgeber von Auszubildenden technisches Verständnis und Interesse an Mechatronik. Gefordert werden außerdem Sorgfalt, Geschicklichkeit sowie die Bereitschaft, zu unregelmäßigen Zeiten und auch an Wochenenden zu arbeiten.

Ausgebildet wird drei Jahre lang, in Handwerksbetrieben wie in der Druckindustrie. Die Theorie wird in der Berufsschule vermittelt. Derzeit gibt es die Fachrichtungen Einzel- und Sonderfertigung, Buchfertigung in Serie sowie Druckweiterverarbeitung, wo es um Kataloge, Prospekte oder Zeitschriften geht.

Praktikum hilft beim Einstieg

Darüber hinaus sind weitere Spezialisierungen geplant: Für den Ausbildungsbeginn 2011 seien für die Industrie und das Handwerk jeweils eigene Berufsbilder vorgesehen, erklärt Helmut Schäfer vom Verband Druck und Medien Baden-Württembergs in Stuttgart. Damit solle den aktuellen technischen Anforderungen der Großproduzenten entsprochen werden. «Etwa 80 Prozent der Buchbinder-Azubis lernen in der Industrie, 20 Prozent in Handwerksbetrieben.»

Eine bestimmte Schulbildung schreibt das Gesetz für den Buchbinderberuf nicht vor. Doch Betriebe erwarten mindestens einen guten Hauptschulabschluss. Personaler sehen es außerdem gern, wenn sich Bewerber durch ein Praktikum mit dem Beruf vertraut machen. Für manchen Ausbildungsvertrag ist das sogar Voraussetzung.

In den ersten beiden Ausbildungsjahren sind die Lehrinhalte noch für alle drei Fachrichtungen identisch. Die Spezialisierung erfolgt nach einer Zwischenprüfung im dritten Jahr. Angehenden Buchbinder lernen zunächst Papier zu schneiden, zu falzen und zu binden. Dazu kommt das Steuern, Pflegen und Warten von Maschinen.

In der Fachrichtung Buchfertigung werden hohe Stückzahlen von Druckbögen in ein lesefreundliches Format gebracht, Buchdeckel hergestellt und die Produkte verpackt. In der Druckweiterverarbeitung muss «Akzidenzdrucken» wie Zeitschriften, Broschüren, Kalendern oder Werbematerial das passende Outfit verpasst werden. «Printfinisher» nennen sich manche dieser modernen Buchbinder.

Wenig Lehrgeld, gute Übernahmechance

Der klassische Buchbinder findet seine Ausbildung in der Einzel- und Sonderfertigung. Er spezialisiert sich auf die handwerkliche Arbeit. Sein Metier sind besondere Bücher zu Anlässen wie einer Hochzeit oder einem Firmenjubiläum. Derlei herzustellen, erfordert auch Buchdeckel zu entwerfen - etwa in Leder oder in Leinen. Außerdem übernimmt der Buchbinder in dieser Ausrichtung das Leimen, Prägen, Stanzen und das Buchschnittfärben, bei dem Blattgold verwendet wird.

Etwa 1500 junge Menschen erlernen den Beruf des Buchbinders. «In den Handwerksbetrieben gibt es knapp 300 Azubis», sagt Ludwig Voss vom Bund Deutscher Buchbinder (BDBI). «Handwerk macht nur noch einen kleinen Teil des Berufes aus, es ist fast schon eine Liebhaberei», meint Dagmar Koch, Buchbindemeisterin und Dozentin des Buchbinder Collegs in Stuttgart, das mit der regionalen Handwerkskammer Meisterkurse anbietet.

Finanziell stehen die Azubis im Handwerk wesentlich schlechter da als die in der Industrie. Letztere erhalten nach Verbandsangaben eine Ausbildungsvergütung von monatlich 835 Euro im ersten Lehrjahr, die auf 886 Euro im zweiten und 937 Euro im dritten Ausbildungsjahr steigt. In den Handwerksbetrieben wird nur etwas mehr als die Hälfte gezahlt. Die Übernahmequote sei aber sehr hoch, sagt Helmut Schäfer. In der Industrie dürften Buchbinder mit Anfangsgehälter von mehr als 2000 Euro im Monat rechnen.

Nach der Lehre können handwerklich ausgerichtete Fachkräfte sich zum geprüften Buchbinder für Restaurierarbeiten fortbilden, um wertvolle alte Druckwerke zu erhalten. Nach drei Jahren Gesellen- beziehungsweise Facharbeiterzeit und entsprechenden Kursen ist ein Meistertitel erhältlich. Auch eine Weiterbildung zum Medienfachwirt oder Drucktechniker bietet sich an.

ham/news.de/dpa
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