BP möchte der Ölpest im Golf von Mexiko mit Hilfe eines effizienteren Trichters über dem Leck Herr werden. Dazu mussten Techniker aber erst den alten entfernen. Und seitdem sprudelt die braune Brühe wieder ungehindert ins Meer - voraussichtlich bis Montag.
Seit Samstagabend strömt das Öl aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko wieder ungehindert ins Meer. Da nämlich hat im Golf von Mexiko ein komplizierter Versuch begonnen, dem Öl Herr zu werden, bei dem Unterwasserroboter den bisherigen Absaugtrichter erstmal entfernt haben, damit ein neuer, effizienterer Trichter angebracht werden kann. Das teilte der Ölkonzern BP mit.
Die Kappe, die Techniker jetzt mit Hilfe von Robotern entfernten, saß seit Anfang Juni auf dem «Blowout Preventer», einem riesigen Ventilsystem über dem Hauptbohrloch - aber so lose, dass nur ein Teil des austretenden Öls damit abgefangen werden konnte. Dieser Deckel soll nun möglichst bis Montagmittag durch einen neuen fest versiegelten «Hut» ersetzt werden.
BP hofft, dass damit der gesamte schmutzige Strom ins Wasser gestoppt und das Öl über mehrere Leitungen auf Schiffe auf der Wasseroberfläche geleitet werden kann. Der neue Trichter wird aber frühestens am Montag an seinem Platz sein und wird dann erst einmal getestet. Bis dahin könnten nach Schätzung der US-Regierung 19 Millionen Liter Öl ins Meer fließen.
Auch keine Dauerlösung
Die Montage des neuen Deckels ist aber weitaus komplizierter als das Entfernen des alten. So müssen Roboter erst einmal einen Rohrstumpen mit zackigen Enden abschrauben, der aus dem «Blowoout Preventer» ragt und verhinderte, dass der bisherige «Hut» fest genug saß. Sollte es aber mit dem Aufstülpen des neuen Zylinders nicht klappen, will BP nach bisherigen Plänen auf die alte Bedeckung zurückgreifen. Sie wurde daher in der Nähe des «Blowout Preventer» geparkt.
BP will auch ab Sonntag ein drittes Schiff zum Absaugen des Öls aus dem Leck einsetzen. Der «Helix Producer» allein soll aus dem «Blowout Preventer» täglich mehr als 3400 Tonnen Öl «aufschlürfen». Zusammen sollen die Aufsaugkapazitäten am Ende deutlich größer sein als die Menge Öl, die nach schlimmsten Vermutungen pro Tag austritt.
Zugleich bohrt BP aber weiter zwei Nebenzugänge zum Hauptbohrloch im Meeresboden. Der erste könnte Ende des Monats auf das Loch treffen und BP dann Schlamm und Zement zum endgültigen Versiegeln der Quelle einleiten. Die neue Kappe sei keine Dauerlösung, betonen der Konzern und Admiral Thad Allen von der Küstenwache, der Ölpest-Sonderbeauftragte von Präsident Barack Obama.
Der Absaugtrichter soll ausgewechselt werden, weil bislang nur rund 3,8 Millionen Liter Öl am Tag abgefangen wurden. Aus dem Bohrloch treten aber nach Schätzung der US-Behörden täglich zwischen 5,7 Millionen und 9,5 Millionen Liter Öl aus. Sie werden jetzt teilweise an der Oberfläche von einem Schiff aufgesammelt, das aber nur 1,4 Millionen Liter verarbeiten kann.
Aber auch der neue Trichter ist nur eine Übergangslösung. Der Ölstrom kommt wohl erst dann zum Erliegen, wenn zwei neue Bohrungen fertig sind. Die erste soll Mitte August abgeschlossen sein.
Seit Beginn der Katastrophe am 20. April sind nach Schätzungen der US-Behörden zwischen 330 Millionen und 650 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geströmt.
sck/cvd/news.de/dpa/ap