Deutschland glüht
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Bei tropischen Temperaturen bis zu 37 Grad haben Freibäder und Baggerseen am Wochenende Hochkonjunktur. Und das schöne Wetter bleibt. Zwischendurch kann es wegen der Hitze aber auch mal blitzen und donnern.
Traumhafter Hochsommer in Deutschland: Es wird bis zu 37 Grad heiß. In Freibädern, an Baggerseen sowie an Nord-und Ostsee wird heute und morgen ein Ansturm von Badegästen erwartet. Auch in den kommenden Tagen steigen die Temperaturen vielerorts deutlich über 35 Grad. Ab Samstagabend sind aber auch Hitzegewitter und auch heftige Unwetter zu erwarten.
«Sobald die Sonne scheint, packen die Deutschen die Koffer», sagte die Sprecherin des Deutschen Tourismusverbandes in Bonn, Nicole Habrich. Bei den Reiseveranstaltern und Hotels klingelten die Telefone, sobald die Sonne scheine. Im Trend liegen Kurzurlaube wie Wochen- und Wochenendtrips, sei es an die Küste oder nach Bayern. «Deutschland ist der Deutschen liebstes Reiseziel», sagte Habrich.
«Der Sommer ist einfach nur traumhaft»
«Das wird eines der intensivsten Wochenenden für uns», sagt auch der Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommerns, Tobias Woitendorf. Über 300.000 Gäste werden im Nordosten erwartet, die Strände waren am vergangenen Wochenende mit rund 250.000 Menschen schon voll. «Der Sommer ist einfach nur traumhaft», schwärmte Kurdirektor von Binz, Horst Graf, daher mit Blick auf das Wochenendwetter und die Buchungszahlen.
Bei aller Begeisterung - Polizei und Gesundheitsämter warnen davor, zur Abkühlung in Flüsse zu springen. Obwohl sich die Wasserqualität oft verbessert habe, seien gerade Flüsse in der Nähe von Großstädten mit Bakterien und Salmonellen verunreinigt. Bei Frankfurt ist beispielsweise der Main einer aktuellen Studie der Stadt zufolge nach wie vor «kritisch belastet».
Auch die sachsen-anhaltischen Wasserretter warnen davor, in unbewachten Gewässern baden zu gehen - aber aus einem anderen Grund: «Von den 70 Seen im Land ist die Hälfte nicht bewacht», sagte der Landesgeschäftsführer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Holger Friedrich, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.«Viele Kommunen haben nicht mehr genügend Geld dafür. Sie stellen ein Schild ‹Baden auf eigene Gefahr› auf und überlassen die Leute ihrem eigenen Schicksal.»
Unwetter mit Hagel und Sturmböen
2009 gab es im Land 19 Badetote - überwiegend ältere Menschen. «Sie überschätzen sich oft selbst, schwimmen weit hinaus und schaffen es nicht mehr zurück», sagte Friedrich. «Perfekt wäre es, wir hätten überall Rettungsstationen - so wie an Nord- und Ostsee», sagte er.
Die Menschen müssen in den nächsten Tagen auch einiges aushalten: Über 35 Grad am Samstag, Sonntag und Montag und auch im Laufe der nächsten Woche Werte über der 30er-Marke. Am Sonntag sind einzelne Hitzegewitter möglich, wie Meteorologin Richter sagte.
Am späten Samstagnachmittag und zum Abend hin entwickeln sich in der schwülen Luft bevorzugt im Westen und Süden über dem Bergland örtliche, teils kräftige Gewitter, örtlich sind auch Unwetter mit Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen möglich. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst. Nur unmittelbar an der Küste ist es mit 25 bis 30 Grad etwas erträglicher. Es weht ein schwacher Wind. In der Nacht zum Sonntag klingen die Gewitter allmählich wieder ab. Ansonsten ist es meist klar. Es sind Tiefsttemperaturen zwischen 20 und 16, in größeren Städten und zum Teil auch im Westen um 22 Grad zu erwarten.
Am Sonntag scheint zunächst meist die Sonne. Im Osten bleibt es den ganzen Tag über trocken. Im Westen und Süden kommen ab dem Nachmittag Quellwolken auf und später gibt es wieder lokale Gewitter, die Unwettercharakter haben können und mit Hagelschlag, Starkregen und schweren Sturmböen einhergehen können. Die
Temperaturen erreichen 30 bis 35 Grad, im Osten bis 37 Grad. In der Nacht klingen die Gewitter dann wieder ab und der Himmel klart auf. Mit Tiefstwerten zwischen 23 und 17 Grad bleibt es aber drückend warm.
Gewitterneigung steigt
«Nächste Woche kommt dann feuchtere Luft und zur Wochenmitte steigt die Gewitter- Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent.» Bis dahin bleibt die Waldbrandgefahr extrem hoch, wie die Forstämter mitteilten. Rauchen im oder am Wald sei ebenso verboten wie Grillen und Lagerfeuer. Die Bußgelder reichen bis zu 50.000 Euro.
Auch viele Tiere im Zoo suchten das kühle Wasser. So nahm der Berliner Eisbär Knut immer wieder erfrischende Bäder, wie Zoo- Tierarzt Andreas Ochs sagte. Affen und Antilopen genossen das Spiel mit eigens aufgestellten Rasensprengern, Rentiere und Pandas dösten lieber im Schatten. Kleinen Haustieren kann die Hitze nach Aussage von Tierschützern lebensgefährlich werden. Besonders Kaninchen seien extrem anfällig für einen Hitzeschlag, der Verein «Aktion Tier» rät daher: Kleintiere an den kühlsten Platz der Wohnung zu bringen, zur Not kalte Umschläge verabreichen.
Der Deutsche Bauernverband rechnet derweil wegen der Hitze mit massiven Ernteschäden. «Wir befürchten das Schlimmste», sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner den Ruhr Nachrichten. Besonders betroffen seien Gebiete mit sandigen Böden, insbesondere in Ost- und Norddeutschland. In manchen Gebieten Bayerns und Baden-Württembergs sehe es dagegen «noch relativ gut aus». In normalen Jahren würden in Deutschland rund 47 Millionen Tonnen Getreide geerntet. «Wenn es bei dieser Wetterlage bleibt, werden es einige Millionen Tonnen weniger sein», sagte Sonnleitner dem Blatt.
sck/cvd/news.de/dpa
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