Sa., 26.05.12

Jobs 10.07.2010 Zwischen draußen und drinnen liegen 100 Grad

Thermometer (Foto)
Das Thermometer im Kühlhaus zeigt auch fast 30 Grad. Minus. Bild: Nordfrost

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

37 Grad im Schatten, alles Wedeln ist zwecklos. Wie paradiesisch erscheint da ein Job im Kühlhaus. Oder wenigstens als Museumsführer im Schaubergwerk. Wir zeigen die kältesten Jobs der Republik – und bemitleiden die Angestellten in der Sauna.

Bei Sören Richter klingeln gleich mehrere Telefone. «Die Durchschnittszeit zwischen zwei Anrufen beträgt vier Minuten und 33 Sekunden. Das haben wir ausgerechnet», sagt er und lacht. Richter arbeitet im größten Kühlhaus der Republik. Am Zerbster Standort des Lebensmittellogistikers Nordfrost ist er dafür verantwortlich, dass die Tiefkühlwaren aus dem Lager per Lkw zum richtigen Supermarkt, zum richtigen Backshop und zum richtigen Restaurant kommen.

Im Kühlhaus herrschen Temperaturen um Minus 26 Grad. «Ein Segen im Sommer, denken viele», sagt Richter. Aber für ihn, der die meiste Zeit im Büro ist, nützt auch ein kurzer Gang in die benachbarte Kältekammer nichts. «Danach wird es nur noch schlimmer.» Die Mitarbeiter aber, die die Waren im Kühlhaus einlagern und die Lkw beladen, haben auch bei 40 Grad im Schatten kein Hitzeproblem. «Die sind dick eingepackt, inklusive gefütterter Stiefel und Handschuhe. Nach einer Stunde brauchen sie eine kurze Pause im Warmen», sagt Richter.

Im Sommer wird aus dem Warmen gern mal das, was gerade über Deutschland liegt: Hitze. «Wenn die Mitarbeiter nach Schichtende in ihr aufgeheiztes Auto steigen, ist das mitunter ein Temperaturwechsel von 100 Grad», sagt Richter. Da müssten nur zehn Minuten vergehen, und die Lust auf Abkühlung im Freibad sei genauso groß wie bei jedem Bürojobber auch. Einen echten Vorteil aber haben die Kühlhaus-Mitarbeiter wegen ihres temperaturtechnisch auffälligen Jobs: Sie sind fast nie krank. «Diese Umschwung von kalt nach heiß und zurück ist gesund wie Wechselduschen», sagt Richter.

Einen Job in der Antarktis – auf deutschem Boden

Am Arbeitsplatz von Antje Machheit ist es 130 Grad heiß. Die Leipzigerin betreibt eine Sauna. Sie mag die Hitze und den Holzgeruch, aber im Sommer möchte sie manchmal gern mit einem wie Sören Richter tauschen. «Im Winter würde ich mich dafür aber wieder hierhin zurück wünschen», sagt sie und lacht. «So gleicht sich das aus.» Dann sucht ihr prüfender Blick das Innenthermometer. «Außerdem haben wir ja hier an der Saunabar gerade mal 29 Grad. Da ist es draußen wärmer.» Es klingt vergnügt, beinah triumphierend. Alle Stunde etwa aber muss Macheit rein in die 100-Grad-Glut: Dann ist Aufguss. Aber sie ist Hitze gewohnt: Auch bei 40 Grad im Schatten unterbricht die 47-Jährige ihre regelmäßigen Saunagänge nicht.

Im Eislabor des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven liegt ein 2800 Meter langes Stück Antarktis. Von dort kommt der Eisbrocken, den die Glaziologen untersuchen und auch wenn es im Eislabor mit Minus 20 Grad nur halb so kalt ist wie am Pol: Allein das Flair aus der Eiswüste macht den Arbeitsplatz von Johannes Freitag wohl zum kältesten der Republik. «Im Sommer würde man am liebsten erstmal in T-Shirt hier rein gehen», sagt der Glaziologe im Gespräch mit Radio Bremen und lacht. Für gewöhnlich aber trägt er einen dicken Skianzug und kann sich nicht lange am Stück mit seinen 800.000 Jahren alten Eisblöcken beschäftigen: Die Klimaforschung geht hier im Dreiviertel-Stunden-Takt voran.

Im Winter warm, im Sommer kalt

Eislabor, Kühlhaus, Sauna? Zwischen all den Extremen hat Ralf Melzer den ausgeglichensten Job. Er führt seit 20 Jahren durch das Schaubergwerk Büchenberg im Harz. Wenn die Temperaturen über Tage an der 40-Grad-Marke kratzen, freut er sich: «Da beneidet mich meine Familie jedes Jahr drum», sagt er. Wenn die Temperaturen über Tage unter Minus 20 Grad fallen, freut Melzer sich auch: «Da ist es da unten geradezu wohlig warm.»

Trotzdem muss er jahreszeitenunabhänig eine Jacke tragen, wenn er bei acht Grad die alte Bergwerkstechnik zeigt. «Bei 98 Prozent Luftfeuchtigkeit fühlen sich acht Grad deutlich kälter an, als über Tage gewohnt», sagt er. Viele der Besucher seien dennoch gerade im Sommer unbelehrbar. «Die freuen sich, dass es endlich kühler wird und wollen partout keine Jacke an ziehen.» Spätestens nach 20 Minuten würden sie das aber bereuen. «Dann haben wir immer noch etwas zum Überziehen parat.»

iwe/news.de
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