Der Sommer ist in seiner heißen Phase. Die außergewöhnlich starke Hitzewelle wirft das Leben in Deutschland aus der Bahn. Oft mit ernsten Folgen. Auch für die Landwirtschaft.
Der Bauernverband befürchtet angesichts der Hitze deutliche Ernteschäden. «Wenn das Wochenende so warm wird, wie es die Wettervorhersage gesagt hat, dann gibt es echte Ausfälle beim Getreide», sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Freitag in Berlin.
Freude gibt es unterdessen bei den Winzern. «Warm und trocken ist erst einmal für die Reben gut», sagte die Agrarmeteorologin Brigitte Klante vom Deutschen Wetterdienst in Geisenheim im Rheingau. «Wärme ist außerordentlich günstig für die Entwicklung der Trauben.»
Die Hitzewelle zwingt Landwirte in manchen Regionen Deutschlands dazu, bereits in den nächsten Tagen vorzeitig ihre Ernte einzufahren. Viele Pflanzen haben kein Wasser mehr. «Die Situation hat sich aufgrund der heißen Witterung weiter zugespitzt», sagte der Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb, der Nachrichtenagentur dpa in Münster. «Die Lage ist jedoch regional sehr unterschiedlich.»
Ertragseinbrüche bei Winterweizen und Gerste
In NRW seien vor allem der Niederrhein und das westliche Münsterland eine große «Trockenzone», sagte Rüb. «Der Winterweizen wird früher reif, bevor er richtig ausgewachsen ist.» Auch bei Gerste seien deutliche Ertragseinbrüche zu erwarten. Die Börse hat bereits reagiert: Kontrakte mit Weizen sind an den europäischen Warenmärkten auf den Jahreshöchststand geklettert.
Zwar sind zum Wochenende Gewitter und Schauer angesagt. Doch den Landwirten ist das kein Trost. «Regen ist zwar immer gut. Aber Unwetter können noch zusätzlichen Schaden anrichten», sagte der Experte. Zudem erwarten die Meteorologen danach weitere Dürretage. «Selbst wenn bei dem Gewitter 20 Liter Regen pro Quadratmeter fallen sollten, ist das nach drei Tagen verdampft.»
«Eigentlich ist ja bestes Erntewetter», sagte Rüb. «Aber wir haben seit Februar fast ununterbrochen zu wenig Regen.» Im Raum Kleve am Niederrhein seien zum Beispiel seit dem Frühjahr nur 69 Prozent des Mittelwertes gefallen. Daher hätten viele Böden nur ein Drittel der Wassermenge gespeichert, die sie aufnehmen könnten.
Der Mais hält nicht mehr lange durch
Auch der Mais, der eigentlich als recht hitzeresistent gilt, leidet. «Der Mais hat kein Wasser mehr. Auf vielen Feldern beginnen sich die Blätter zusammenzurollen. Dann ist er noch nicht kaputt, aber das hält er nur ein paar Tage durch», so Rüb. Eine landesweite Dürre wie etwa im Sommer 1976 sei jedoch bisher nicht zu erwarten.
Seit fast 60 Jahren sei es Anfang Juli nicht mehr so heiß gewesen, sagte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert am Freitag. Der Rekord für die erste Juli-Dekade stehe bei 39,5 Grad, so heiß war es am 2. Juli 1952 in Bad Dürkheim und Heidelberg. Und auch nachts sinken die Temperaturen kaum unter 20 Grad.
Ab Samstagnachmittag könnten zunächst im Westen des Landes die ersten Sommergewitter aufkommen, die Front soll bis Sonntag in Richtung Osten des Landes ziehen. Nach Durchzug der Gewitter, die örtlich auch Hagel, Sturm und Starkregen bringen können, gibt es eine Atempause. Zu Wochenanfang sinken die Temperaturen auf erträgliche 25 Grad. Damit bietet sich auch die Gelegenheit, mal richtig durchzulüften, denn in der zweiten Wochenhälfte deutet sich schon die nächste Hitzewelle mit 30 Grad und mehr an.
sck/ivb/news.de/dpa
Dann können ja in diesem Jahr die Weinbauern ihren Kollegen im Ackerbau helfen, die Ernteausfälle finanziell auszugleichen. Dafür können sich die Landwirte revanchieren, wenn mal die Weinernte einbricht. Und dann sind ja da auch noch die Viehzüchter, die sich an der gegenseitigen Hilfe ebenfalls beteiligen bzw. in Notfällen davon profitieren könnten. So könnte ein gemeinsamer solidarischer Hilfsfonds entstehen, der einspringt, wenn es in der Landwirtschaft Ausfälle gibt. Dann müsste nicht immer nach Ausgleichszahlungen aus dem Staatshaushalt gerufen werden.
jetzt antwortenKommentar melden